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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (669)

Liebes Brautpaar!


Sie sind heute hier erschienen um vor dem Gesetz die Ehe zu schließen.

Das hat sowohl rechtliche als auch persönliche Konsequenzen.

Wer bei uns eine gültige Ehe schließen will, muß bedenken, daß die Ehe ein Vertrag ist, der Formen verlangt, die gesetzlich ganz genau geregelt sind und für beide Partner weitreichende Folgen hat.
Dieser Vertrag hat Auswirkungen auf die Namensführung, das Güterrecht, das Erbrecht und vieles mehr.
Die Ehe steht unter dem besonderen Schutz des Gesetzes.


Doch so bedeutungsvoll diese Stunde heute für Ihr weiteres Leben auch ist, vermag sie eben nur die Rechtsverhältnisse zu regeln, nicht Ihr gemeinsames Leben - Ihre Ehe im eigentlichen Sinn.
Das müssen Sie ab heute selbst tun, womit wir zu den persönlichen Konsequenzen kommen.

Ich möchte die Ehe mit einem Balanceakt vergleichen.


Geborgenheit und Gemeinschaft wachsen da, wo die richtige Balance gefunden wird zwischen

Nähe und Distanz
Bindung und Freiheit
Tätigkeit und Muse

Ohne das richtige Gleichgewicht gerät das menschliche Zusammenleben leicht zu einem kräftezehrenden Räderwerk.


In der Distanz erfahren wir eine neue Sehnsucht nach Nähe. Man sollte sich auch noch die Freiheit nehmen können, etwas alleine zu unternehmen oder sich einfach mal zurückzuziehen. Trotzdem sollte man nie die Zeit füreinander und miteinander vernachlässigen, auch wenn man beruflich oder auch durch Hobbys noch so eingespannt ist.
Durch die Zeit miteinander können wir dann wieder neue Kraft und Gelassenheit für die Alltäglichkeiten des Lebens gewinnen.

Dieses Gleichgewicht zu halten wird nicht immer leicht sein. Doch es wird Ihnen sicher gelingen, wenn Sie bedenken, daß sich nicht nur die Welt laufend ändert, sondern täglich jeder Einzelne von uns.


Wir machen uns heute ein Bild von einem Menschen - doch dürfen wir dabei eines nicht vergessen:

Ein Bild, das wir oft und lange anschauen, kennen wir in allen Einzelheiten.

Von einem Menschen, mit dem wir zusammenleben, kennen wir mit der Zeit alle seine Eigenheiten.

Wenn wir das Bild eine Zeit lang nicht mehr beachten und es links liegen lassen, verändert es sich nicht.

Aber ein Mensch verändert sich täglich und wir müssen ihn deshalb stets beachten und neu sehen.


Nicht immer empfinden wir die Veränderungen, die wir beim anderen feststellen, als positiv. Sie werden sicher manches Mal Geduld brauchen und für die eine oder andere Marotte Verständnis aufbringen müssen. So kleine Eigenheiten hat schließlich jeder von uns. Das müssen wir uns alle eingestehen. Sie machen einen Teil unserer Persönlichkeit aus. Einige machen uns liebenswert, einige werden von unserer Umwelt belächelt und wieder andere können unsere Mitmenschen auch mal ganz schön ärgern.

Ich wünsche, daß es Ihnen gelingt offen darüber zu reden, vielleicht an sich zu arbeiten und nötigenfalls auch mal so eine Marotte zu akzeptieren - als ein Teil des Menschen, den man liebt.

Wenn Sie es verstehen, auch das Gegensätzliche, das immer zwischen zwei Menschen besteht, zu achten und zu würdigen, dann schaffen Sie die Grundlage für eine gute Ehe.


 
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