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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (683)

Geschätztes Brautpaar, liebe D……, lieber G……

Entgegen dem allgemeinen Trend – nämlich dass Heiraten „MEGA-OUT“ zu sein scheint – gibt es Gott sei Dank noch ein paar Mutige, die den Weg zum Standesamt finden.
Man muss sich ja langsam die Frage stellen - ist Heiraten wirklich so UNCOOL? Was hält die jungen Leute davon ab?
Sicherlich ist heutzutage eine Tendenz zu einem Lebensabschnittspartner gegeben – also Partner leben für eine gewisse Zeit zusammen, dann scheint die Liebe verbraucht zu sein und sie wenden sich einem neuen Partner zu oder leben erst einmal eine gewisse Zeit alleine bis sich der nächste „Richtige“ gefunden hat.
Selbstverwirklichung ist für viele Menschen heute wichtiger als Partnerschaft, als Familie. Vielfach wird die Frage gestellt – was bringt mir eine Beziehung, oder was bringt mir DIESE Beziehung – das sind halt die Auswirkungen unserer leistungsorientierten Gesellschaft.
Heute ist man nicht mehr so selbstlos wie früher - bringt eine Beziehung nicht das, was ich erwartet habe, wird eine neuer Partner gesucht, der meine Bedürfnisse besser abdeckt.

Ihr habt die Beziehung Ehe gewählt - für manche nur ein Ritual oder eine Tradition - für Euch aber, und da bin ich mir sicher, ein gegenseitiger Vertrauensbeweis und ein Zeichen der Liebe zueinander.
Der Beginn einer Ehe, also der Hochzeitstag, ist ja gleichsam DER emotionale Höhepunkt – ihr wisst: feierliche Worte, schönes Kleid, glänzende Augen, Ringe tauschen, kitschige Melodien, die Verwandten zerdrücken ein paar Tränen der Rührung, viele Geschenke und gut gemeinte Ratschläge usw.
Man wird aber auch schnell in die Niederungen des Alltags zurückgeholt werden, ein gewisser Alltagstrott wird einkehren und am Zuckerguss des heutigen Tages ein wenig nagen. Dann kommen die spannenden und entscheidenden Momente – die eben manches Paar scheitern lassen.

Ihr steht mit beiden Beinen fest im Leben und habt auch schon Lebenserfahrung. Ihr kennt Euch sicher gut genug, was für eine so weitreichenden Entschluss wie den heutigen ganz wesentlich ist, und Ihr wisst um die Stärken und Schwächen des anderen.
Die Phase des „alles durch die rosarote-Brille-Sehens“ ist bei Euch bestimmt schon durchwandert und es ist von Vorteil zu wissen, welchen Menschen man als Ehe-Partner wählt.

Heute sagt Ihr zueinander: Keiner liebt Dich so wie ich. Ich hoffe, in ein paar Jahren heißt es nicht: Keiner liebt Dich, wieso ich?
Natürlich ist das nur ein lustiges Wortspiel, jedoch in manchen Beziehungen ist das leider so.

Die Liebe führt ja meistens – es gibt hin und wieder auch andere Beweggründe – die Liebe führt meistens dazu, dass zwei Menschen heiraten. Der Weg der Liebe ist aber ein sehr unterschiedlicher, ein sich ständig ändernder.
Zuerst ist es die romantische, leidenschaftliche Liebe beim ersten Kennenlernen. Sie äußert sich in Aufgewühltheit, erotischer Anziehung und Idealisierung der anderen Person.
Diesem Zustand des Verliebtseins folgt mit zunehmender Dauer der Beziehung eine partnerschaftliche, kameradschaftliche Liebe. Die Partner lernen sich besser und besser kennen, alles verläuft in normalen Bahnen, das Verhalten des anderen ist vorhersehbar.
Und wenn man halt dann schon noch länger beisammen ist wird vieles zur Routine und die Liebesbeziehung wird mehr und mehr versachlicht. Und dann kann es hin und wieder passieren, dass sich - wie zuerst erwähnt – einer die Frage stellt: Keiner liebt dich, wieso ich.

Um die Liebesbeziehung zu einem Partner muss man sich das ganze Leben lang bemühen.
Was in der ersten Phase des Verliebtseins scheinbar spielerisch leicht geht, kann in Jahren oder Jahrzehnten zu einer ganz schön schwierigen aber auch spannenden Aufgabe werden.
In vielen Beziehungen werden die Gespräche mehr und mehr oberflächlich und man spricht nur mehr über „etwas“ und nicht mehr über seine Wünsche und Sehnsüchte – und natürlich auch nicht die des Partners.
Damit es nicht zu einer Entfremdung bzw. Verlust der Liebe kommt bedarf es deren aufmerksamen Pflege. Einander immer wieder Zeit schenken und sich nicht nur im Alltag verlieren, das ist bestimmt auch ein Geheimnis für einen guten Umgang miteinander.

Betreiben wir nicht Schönfärberei - wir alle wissen, dass es in einer Partnerschaft manchmal auch Meinungsverschiedenheiten gibt – und jeder von uns hat schon seine Erfahrungen gemacht. Entscheidend ist nur, wie man damit umgeht.
Man muss auch verzeihen können, bzw. sich selbst ein wenig in den Hintergrund stellen.
Gerade das zeigt von Größe, man stärkt damit nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst.

Heute ist gleichsam – so heißt es halt immer wieder - der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, wobei sich das Ganze weit dramatischer anhört als es ist. Es werden keine großartigen Veränderungen passieren müssen in eurem Verhalten, in eurer Lebensweise.
Es wird genügen, wenn ihr eure nette, liebenswürdige Art beibehaltet und eurem Ehepartner ebenso respektvoll entgegentretet, wie allen anderen Menschen auch.
So wird – etwas überzeichnet – das „Projekt Ehe“ ganz bestimmt gelingen!

Ich bitte Euch nun zum Höhepunkt dieses Festaktes sich von den Plätzen zu erheben..

G……, ich frage dich, willst Du mit deiner D…….. die Ehe schließen, dann antworte bitte mit einem deutlichen Ja.
D……., ich frage auch dich, willst auch du mit deinem G……… die Ehe schließen, dann antworte auch du bitte mit einem deutlichen Ja.

Nachdem Ihr vor Euren Zeugen erklärt habt, die Ehe miteinander eingehen zu wollen, spreche ich aus, dass Ihr nunmehr rechtmäßig verbundene Eheleute seid.

Zum jederzeitigen Beweis ist Euer gegens.Versprechen in das Ehebuch ..…... Unterschriften


Liebes Ehepaar,
die standesamtliche Trauungszeremonie ist somit beendet. Bevor Ihr nun von euren Familien, Freunden, …………kameraden usw. zur kirchlichen Trauung geleitet werdet, gratuliere ich euch zu eurer Entscheidung füreinander ganz herzlich.

Ihr zwei seid ja sehr kluge Menschen mit einer hervorragenden schulischen und beruflichen Ausbildung – ich schätze euch aber auch als Menschen ein mit einer großen Portion an emotioneller Intelligenz. Und gerade die halte ich für eine gute Partnerschaft, für eine harmonische Ehe bzw. überhaupt für die Beziehungen der Menschen zueinander für ungemein wichtig. Und was euch sicherlich im Leben und im Zusammenleben sehr entgegenkommt, ist euer starker Glaube – er gibt Heimat, er gibt Kraft und Fundament für alles Kommende.

Ihr zwei seid eingebettet und aufgewachsen in fürsorglichen Familien, die euch auch eine hervorragende Ausbildung ermöglichten – ihr seid gereift zu selbstbewussten, starken Persönlichkeiten, aber auch ausgestattet mit viel menschlicher Wärme, Herzlichkeit und Feingespür.

Ich wünsche euch, dass ihr gerne an diesen Tag zurückdenken könnt – dass ihr euch versteht und ihr euch zusammen wohl fühlt.


 
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