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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (688)

Sehr geehrtes Brautpaar!

Ihr Habt Euch heute hier vor mir eingefunden weil es euer freier Wille und festen Entschluß ist, die Ehe miteinander eingehen zu wollen. Dieser Willenserklärung ist das gesetzliche Aufgebotsverfahren vorangegangen, wodurch eure Absicht allgemein bekannt gemacht worden ist.

Als die Braut in unserem ersten Gespräch erwähnte, daß es ein ausdrücklicher Wunsch der Brautleute ist, insbesonders des Bräutigams ist, daß ich diese Trauung heute schließen darf, war ich im ersten Moment etwas verblüfft – danach etwas stolz, und jetzt bin ich eigentlich etwas nervös und ratlos, weil ich Euch natürlich nicht enttäuschen möchte, Euch beide aber auch wieder nicht so gut kenne, daß ich persönliche Dinge einflechten kann.

Eine kleine Herausforderung ist es allemal, für Euch Brautleute hier und jetzt die richtigen und passenden Worte bei der Trauungsrede zu finden.

Daher habe ich vergangene Woche bereits nach einer passenden Literatur gesucht und bin wieder einmal bei meinem Lieblingsbüchlein hängengeblieben. Der kleine Prinz von „Antoine de Saint-Exupery“ ist mein absoluter Champion unter allen Büchern ich bis heute gelesen haben, aber nicht deswegen, weil es so dünn und mit Bildern darin gestaltet ist – nein es sind die vielen tiefsinnigen und wahren Geschichten, die der kleine Prinz auf seinen Reisen erlebt.

Ich weiß nicht ob alle mit der Geschichte des kleinen Prinzen vertraut sind, jedenfalls handelt das Büchlein von einem kleinen außerirdischen Prinzen, der auf seinem Planeten unter anderem eine einzige Rose besitzt und diese mit viel Liebe hegt und pflegt. Eines Tages beschließt der kleine Prinz auch andere Planeten zu besuchen und kommt auf seiner Reise auch auf die Erde. Dort begegnet er einen kleinen Fuchs, mit dem er Freundschaft schließt und der sich vom Prinzen zähmen läßt. Auf der Erde kommt er auch einmal an einem Rosengarten vorbei, diese erinnern ihn an seine Rose auf seinem Planeten und er unterhält sich mit den Rosen . Dazu möchte ich ein Stückchen aus dem Buch vorlesen.
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Dies ist nur eine Geschichte, aber die tiefgründig Aussage, die dahintersteckt ist wohl jene, daß die Zeit, die man miteinander und füreinander verbringt einander auch so wichtig macht. Nur Ihr beide kennt die Ereignisse, das gemeinsam erlebte und alle Motive, die in Euch den Entschluß bis heute heranreifen ließen, nun heute die Ehe miteinander einzugehen.

In einem weiteren Satz sagt der Fuchs zum Prinzen: „Hier ist mein Geheimnis – es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar. Die Zeit die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich“

Ich beide habt euch ebenfalls vertraut gemacht, der Partner ist einzig geworden, so wichtig, daß ihr euch heute das ja-Wort geben wollt.

Ich freue mich, von Euch, liebes Brautpaar, Euer Gelöbnis, als Eheman und Ehefrau einander angehören zu wollen, entgegennehmen zu dürfen. Weiß ich doch, daß Ihr Euch auf diesen bedeutungsvollen Schritt sorgfältig und ernst vorbereitet habt, weil Ihr Euch dessen bewußt seid, welch große Verantwortung Ihr damit übernehmt.

In wenigen Minuten seid Ihr Mann und Frau, verbunden und verpflichtet in Freud und Leid, im Glück und im Unglück, in den frohen und den trüben Stunden treu und fest zusammenzustehen und einander immer ein guter und angenehmer Weggefährte zu sein. Es ist bereits eine alte Weisheit, daß gemeinsames Tragen Leid halbiert und gemeinsame Freude, das Glück verdoppelt.

Somit wären wir schon beim kleinen und eher unscheinbaren Wörtchen \"Ja\" – daß ohne Zweifel heute im Mittelpunkt des ganzes Geschehens steht.

Von Pythagoras stammt der Satz: Die kürzesten Wörter, nämlich ja und nein erfordern auch das meiste Nachdenken. Warum wohl ist dieser Pythagoras, den die meistern von uns ja nur aus der Schulzeit – aus dem Mathematik kennen – zu dem Schluß gekommen, daß Ja und Nein so wichtig sind, viel Nachdenken erfordert. Ich bin kein Gelehrter, doch sicherlich deshalb, weil mit diesen Wörtern Entscheidungen gefällt und Fragen beantwortet werden. Mehrmals täglich werden von uns allen unwichtige Entscheidungen und Fragen erledigt. Manchmal sind auch wichtige Entscheidungen zu fällen, und heute und hier wird eine Entscheidung getroffen bzw. eine Frage beantwortet, der soviel Bedeutung beigemessen wird, daß der Gesetzgeber die Anwesenheit von mindestens zwei Zeugen vorschreibt, die Eure Entscheidung auch hören müssen, damit diese Willenserklärung vor dem Gesetz Gültigkeit erlangt.

Gebt einander das Ja-Wort mit dem Bewußtsein, die Verantwortung füreinander zu übernehmen, und dem ernsten Vorsatz, einander nie mehr zu verlassen, sondern immer treu und selbstlos zu lieben und auch unter den Widrigkeiten des grauen Alltags den guten Willen zu bewahren, der Euch heute beseelt, einander wirklich glücklich zu machen.


So will dann an Euch ein kleine aber doch so wichtige Frage stellen, eine Frage, die Euer ganzes zukünftiges Leben entschließt, eine Frage, die Ihr mit den Lippen beantworten, aber mit dem Herzen und dem Willen zum gemeinsamen Leben wahrmachen müßt!

Ich frage nun Dich, lieber Bräutigam .................... , bist du gewillt, mit deiner Braut .................... , die Ehe zu schließen? Dann antworte mit einem deutlichen Ja.

Und nun frage ich Dich, liebe Braut ...................., bist du gewillt, mit deinem Bräutigam .................. die Ehe zu schließen? Dann antworte auch du mit einem deutlichen Ja.

Ich bitte Euch, einem alten Brauch folgend, dies auch äußerlich zu bezeugen, indem Ihr diese Ringe hier gegenseitig ansteckt.

Nachdem Ihr in Gegenwart Euerer Zeugen erklärt habt, daß Ihr die Ehe miteinander eingehen wollt erkläre ich Euch in Ausübung es mir übertragenen Amtes nunmehr für rechtmäßig verbundene Eheleute.

VERLESUNG DES EHEBUCHES
Es freut mich, daß ich Euch als einer der Ersten als Ehepaar gratulieren und Euch für die Zukunft alles Gute, recht viel Glück und Sonnenschein für euer gemeinsames Leben wünschen kann.

Bewahrt Euch die Achtung voreinander und ein unerschütterliches Vertrauen zueinander und den Guten Willen zum gemeinsamen Leben. Bemüht Euch, einander zu verstehen und laßt über eine gegenseitige Verstimmung nicht gleich die Sonne untergehen. Benutzt jede Gelegenheit einander Freude zu bereiten, Liebe zu Zeigen und Aufmerksamkeit zu bekunden, dann wir Eure Ehe, und mögen auch eines Tages Kummer und Leid kommen, immer noch soviel Platz für Glück und Liebe bieten, daß ihr Euer heutiges Ja-Wort nie bereuen braucht.

Zu allerletzt wünsche ich Euch zu allem Glück und Sonnenschein in Eurem weiteren gemeinsamen Leben selbstverständlich auch einen reichen Kindersegen.

 
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