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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (693)

„Glück ist das einzige, das sicher verdoppelt, wenn man es teilt. Mit diesem Sprichwort von Albert Schweitzer begrüße ich euch, sehr geehrtes Brautpaar, und all eure Hochzeitsgäste herzlichst zur bedeutungsvollsten Feierstunde eures Lebens.

Liebe ...., Lieber ......, ich möchte heute nicht über Sinn und Zweck der Ehe reden, sondern ein paar Bilder und Vergleiche in meine Rede einbauen.
Da Ihr ja auch gerne in der Natur unterwegs seid, habt ihr sicherlich schon einmal auf weiter Flur oben auf einer Bergkuppe zwei Bäume stehen sehen. Zwei Bäume, die so dicht nebeneinander stehen, dass sich ihre Äste ineinander verzweigen. Beide schauen prächtig aus. Die Stämme sind mächtig und halten jeden Sturm aus. Jeder Baum hat genug frisches Laub für die Photosynthese. Die Äste scheinen sich abgesprochen zu haben, dass sie sich nicht gegenseitig stören. Jeder Baum hat genug Freiraum, sich zu entfalten. Beide scheinen zu wissen, dass sie auch dem anderen Platz lassen müssen.
Die Wurzeln sind fest im Boden verankert. Durch den gemeinsamen Sog gelingt es dem Baumpaar reichlich Wasser aus der Tiefe zu saugen. Doch keiner kommt zu kurz. Auch die Nährstoffe reichen für beide. Man sieht keinem Baum einen Mangel an.
Würde man sich die Jahresringe ansehen, könnte man Rückschlüsse auf harte und gute Zeiten ziehen. Denn natürlich spielen auch die äußeren Einflüsse eine entscheidende Rolle. Am Holz lassen sich zum Beispiel harte und milde Winter, trockene und feuchte Sommer erkennen.
Wenn man das Baumpaar aus der Ferne betrachtet, hat man den Eindruck, dass ein einziger ganz gewaltiger Baumriese auf der Kuppe steht. Wenn man allerdings näher tritt, ist man überwältigt von der Harmonie. Jeder Baum hat seine Individualität bewahrt und trägt doch zu einem einheitlichen Gesamtbild bei.
Ihr werdet euch jetzt schon die ganze Zeit gefragt haben, warum ich an Eurem Hochzeitstag so ausführlich von zwei Bäumen schwärme. Ich würde mir wünschen, dass Ihr euch an das Bild von den beiden Bäumen erinnert, wenn Ihr Jahre später an Eure Hochzeit denkt oder zwischendurch einmal über Eure Ehe nachdenkt. Denn da gibt es einige Parallelen:
Man spricht auch davon, dass der Mensch Wurzeln hat und meint damit seine Familie. Die Bedeutung der Familie ist für die Vergangenheit und die Zukunft nicht zu unterschätzen. Hier habt Ihr als kleines Kind Geborgenheit erfahren und Vertrauen aufgebaut. Erziehung und Bildung hat aus Euch erst das gemacht hat, was Ihr seid. Gleich einem Baum mit einem kräftigen Stamm kann Euch heute so leicht nichts umwerfen.
Ihr könnt Euch an den beiden Bäumen auch ein Beispiel nehmen. Beide ziehen Wasser und Nährstoffe aus der gleichen Erde, sie teilen sich das Vorhandene, sodass keiner neben dem anderen verkümmern muss. So sollte es auch in einer guten Ehe sein: keiner sollte sich mehr Rechte herausnehmen und über den anderen Macht ausüben.
Ein Wunderwerk der Natur ist auch die in sich verästelte Baumkrone, die die Bäume von weitem wie ein Baum aussehen lässt. Die Bäume scheinen das Problem von Nähe und Distanz, gegenseitiger Absprache, Toleranz gegenüber der Entfaltung des anderen, Balance von Wachsen und Selbstbehaupten einerseits, aber auch Nachgeben und den anderen gewähren lassen andererseits ganz automatisch zu lösen. Das Ergebnis ist sichtbare Harmonie.
Menschen haben es da schwerer. Durch die Kommunikation gibt es durchaus auch Missverständnisse. Durch verschiedene Gefühle gibt es Irritationen. Jeder Mensch hat auch Fehler und Schwächen. Auf der anderen Seite gibt es das Gefühl der Liebe, das Selbstbehauptung, Selbstverwirklichung und Egoismus verdrängt zugunsten von Verantwortung für den anderen, Gemeinsinn und echter Partnerschaft.
Die Liebe ist es schließlich, die Harmonie schafft. Ein sich liebendes Paar strahlt diese Harmonie auch für andere sichtbar aus.
So wie die Bäume die Jahreszeiten, gute und schlechte Zeiten durchmachen, so sind auch die Menschen nicht isoliert zu betrachten. Jeder ist eingebunden in die Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Einflüssen. Für jeden Menschen sind gute und weniger gute Zeiten dabei, so wie auch ein Baum Wind und Wetter ausgesetzt ist.
Wir bewundern alte Bäume mit vielen Jahresringen, wir bewundern auch Ehen, die lange halten. Vielleicht wird Euch auch dieses Bild in Erinnerung bleiben. Jedes Jahr wird dann Eure Ehe in Gedanken einen Jahresring dazubekommen. So wie die Jahresringe sich harmonisch um den Holzkern legen, wünsche ich auch Euch, dass zahlreiche glückliche Ehejahre aufeinander folgen.

Zum Zwecke des Konsensgespräches ersuche ich euch nun, sehr geehrtes Brautpaar, und die übrigen Hochzeitsgäste, aufzustehen.

Musik

Ich frage nun dich, Bräutigam, Herr ......, willst du mit deiner hier anwesenden Braut die Ehe eingehen, so antworte bitte mit ‚JA’.

Ebenso frage ich nun dich, Braut, Frau ......., willst du mit deinem hier anwesenden Bräutigam die Ehe eingehen, so antworte auch du bitte mit ‚JA’.


Aufgrund eurer nun freigesprochenen Ja-Worte spreche ich aus, dass ihr ab dieser Stunde rechtmäßige Eheleute und dass ihr Mann und Frau, verbunden auf ewig seid.


Zum Zeichen eurer Verbundenheit tauscht nun die Ringe aus. Der Ring ist ein Symbol der Ehe und ihr sollt diese glitzernden Reifen zum äußeren Zeichen eurer Verbundenheit tragen.


Anlässlich eurer Hochzeit wurde im Ehebuche unseres Standesamtes ein neuer Eintrag angelegt. Ich werde diesen Eintrag nun auszugsweise vorlesen und euch und die Trauzeugen anschließend bitten, diesen Eintrag mit euren Unterschriften zu ergänzen.

Verlesung der Urkunde






Ich bitte euch nun, dass ihr mit euren Unterschriften die Eintragungen ergänzt. Bitte nehmen Sie Platz.

Sehr geehrte Eheleute, ihr habt nun die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Begriff „schließen“ im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht so passend. Das klingt nach „abgeschlossen“, „fertig“, „da braucht man nichts mehr dazu beitragen!“. Ihr wisst es sicher besser, und vor allem all jene, die heute mitgekommen sind und selbst verheiratet sind, werden das bestätigen können:
Nämlich, es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen!
Deshalb meine ich, dass ihr heute die Ehe „eröffnet“ habt!
Ich wünsche euch daher abschließend, dass ihr auch in späteren Jahren eure Ehe täglich von neuem, so wie heute, mit Liebe eröffnet.


Abschließend darf ich Euch als Geschenk der Gemeinde Hieflau eine Familienurkundensammlung überreichen und es freut mich ganz besonders, dass ich euch als erster zur Vermählung gratulieren darf.



 
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