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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (708)

Liebe Brautleute,

die Ehe ist heute immer noch die häufigste Lebensform von Mann und Frau. Jedem Paar steht es frei, für sich die eheliche oder nichteheliche Lebensform zu wählen. Die meisten Paare entscheiden sich nach einer gewissen Zeit des Kennenlernens für die verbindlichere Form. Dem Partner gegenüber bringt man dadurch zum Ausdruck:

Ich stehe zu Dir, ich mag Dich, wie Du bist, mit Dir möchte ich mein Leben teilen, für unsere Partnerschaft lohnt es sich, Zeit zu investieren.

Ihr seid nun heute hier ins Standesamt gekommen, um die Ehe miteinander einzugehen, um euch trauen zu lassen. Dieses kleine Wörtchen trauen hat es ganz schön in sich. Sich trauen hat sicherlich etwas mit Mut zu tun. Es ist mutig zu sagen: Ich will mein Leben lang für Dich da sein – auch – und gerade wenn es Dir mal schlecht geht.

Es gehört Mut dazu zu sagen: Ich werde Verantwortung für Dich tragen. Verantwortung für Dich – für Deine Entscheidungen – Dein Verhalten.

Genauso wichtig ist an dem Trauen aber auch das Vertrauen
.
In einer Partnerschaft ist es absolut notwendig, sich gegenseitig zu vertrauen. Wie sonst sollte es möglich sein, sich Freiräume zu gewähren? Freiräume, die für die Entwicklung der Persönlichkeit so wichtig sind. Wie sonst sollte es möglich sein, eine wirklich gleichberechtigte Partnerschaft zu leben?

Eine Partnerschaft, in der sich der eine auf den anderen verlassen kann, in der jeder seinen Teil zum Gelingen der Ehe beiträgt, in der jeder der Partner weiß, dass er dem anderen Trauen kann.

Und dann gibt es noch das schöne Wort anvertrauen. Es ist wichtig, dass man sich in der Ehe alles erzählen kann; dass man keine Geheimnisse voreinander hat; dass man sich gegenseitig von seinen Problemen und Sorgen, aber auch von schönen Erfahrungen oder Erlebnissen erzählt.

Dazu gehört auch, dass man sich gegenseitig zuhört, sich Zeit für den anderen nimmt und immer für ihn da ist.

Mit der Ehe bekommt man einen Menschen anvertraut. Ab jetzt geht es nicht mehr darum nur für sich selbst, sondern auch für seinen Partner zu leben – zu sorgen – und Rücksicht zu nehmen.

Das ist sicherlich eine große Herausforderung und nicht immer ganz einfach.

Ich wünsche euch beiden deshalb, dass Ihr eure Ehe nie als Selbstverständlichkeit anseht, dass Ihr erkennt, wie kostbar die Liebe, Zuneigung und Achtung eines Menschen ist, und wisst, dass man selbst aktiv etwas tun muß, um die Beziehung zu erhalten; dass man selbst für das Gelingen der Ehe verantwortlich ist.

Ich wünsche euch, dass Ihr diese Verantwortung erkennt und seht, wie wertvoll es ist, einen Menschen anvertraut zu bekommen.

Eltern sind Euch vorgegeben, Geschwister sind euch mitgegeben. Euren Ehepartner habt Ihr euch aber selbst ausgesucht. Ihr habt damit von dem persönlichsten und größten Wahlrecht Gebrauch gemacht. Ihr habt den geliebten Menschen gefunden, mit dem Ihr euer Leben teilen möchtet.

Ihr werdet von nun an den weiteren Lebensweg gemeinsam gehen. Eure gegenseitige Liebe hat den Entschluss reifen lassen, die Ehe miteinander einzugehen.

Eure Lebensschicksale werden dadurch innig miteinander verbunden. Ihr habt euch damit ein weites und schönes Ziel gesteckt.

Bisher umgab euch ein loses Band, das durch eure heutige Eheschließung gefestigt wird. Ihr werdet an der Aufgabe wachsen und durch die Aufgabe zusammenwachsen. Sich gegenseitig kennenlernen stärkt das Verständnis füreinander und vermehrt eure Liebe. Die besondere Eigenart des anderen wird dadurch zu einer persönlichen Bereicherung.

Heute schon könnt ihr auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblicken. Dieser Tag führt nicht nur rechtlich an einen bedeutsamen Wendepunkt in eurem Leben. Gebt mit eurer heutigen Eheschließung jedoch nicht eure Persönlichkeit auf, im Gegenteil, behaltet beide euren Freiraum in dem ihr euch selbst verwirklichen und entfalten können.

In eurer Kennenlernphase seid ihr sicherlich auch auf Verschiedenheiten gestoßen. Ihr habt erfahren, dass der Partner über manches ganz anders denkt als man selbst. Gespräche waren nötig, Kompromisse zu finden oder sonstwie mit den Verschiedenheiten klarzukommen. Jeder musste sich ein Stück weit dem anderen anpassen und auf ihn eingehen.

Doch eure Zuneigung machte es möglich, sich für den anderen zu öffnen, für den Partner da zu sein, wenn er dich braucht. Aus dieser Zuneigung ist Liebe gewachsen, die nun die Basis darstellt, heute die Ehe zu schließen.

Die Ehe ist nun ein besonderer Schritt in eurer Beziehung. Mit einem kleinen Wörtchen Ja bekommt nun eure Beziehung einen ganz anderen Rahmen. Nach außen hin wird sich wohl nicht viel ändern oder für andere erkennbar werden.

In eurer gemeinsamen Zeit habt ihr sicherlich die Vorzüge, aber auch die kleinen oder vielleicht größeren Schwächen voneinander kennengelernt. Ihr habt Meinungsverschiedenheiten ausgetragen und euch wieder versöhnt.
Somit habt Ihr also schon genossen, was sicherlich auch zum Wesen einer Ehe gehört. Ihr habt miteinander Hoch`s und Tief`s durchlebt und überstanden.

Das ist eine gute Voraussetzung, nun, heute, den Bund fürs Leben zu schließen, eine Basis, in der auch Kinder heranwachsen können. Patentrezepte für eine Ehe gibt es freilich nicht; ebenso die Garantie für ein sinnvolles und erfülltes Leben.

Darüber hinaus müsst ihr euch aber auch der Verantwortung und Verpflichtung bewusst sein, die ihr beide von heute an zu tragen habt. Das Leben bringt es mit sich, dass zwischen sonnigen Zeiten wieder einmal eine Abkühlung kommt, ein kleines Gewitter vorüberzieht. Sicherlich ist es nicht immer leicht, gerade in der heute so hektisch und materialistisch geprägten Zeit dem Partner in menschlicher und persönlicher Weise zu begegnen, ihm Verständnis für seine Anliegen, Sorgen und Probleme entgegenzubringen.

Ich wünsche euch, dass ihr zu der Erkenntnis gelangt, dankbar für euren Partner zu sein, der euch hilfreich zur Seite steht und bemüht ist, auch in Krisenzeiten euer Vertrauen nicht zu verlieren.

Diese Dankbarkeit fühlen, aber auch zeigen, kann sich wie ein goldener Faden durch den Alltag ziehen; aber diese Dankbarkeit darf weder gewohnheitsmäßig gefordert noch geliefert werden.
Wenn ihr die leise, die innere Dankbarkeit in euch und miteinander bewahrt, habt ihr damit einen Ehegrundstein gelegt, der wichtiger ist als jeder noch so erstrebenswerte Grundstein eines eigenen Hauses.

Auch in einer guten Ehe kann es einmal eine Krise, Zeiten der Entfremdung geben. Wenn ihr aber beide etwas Verständnis füreinander aufbringt und die Persönlichkeit des anderen respektiert und anerkennt, werdet ihr immer wieder zusammenfinden.

Begeht nicht den Fehler, dem Partner eure Meinung aufzudrängen, ihm die Persönlichkeit mit allen seinen Fehlern und Eigenheiten zu nehmen, sondern lasst Ihm auch den nötigen Freiraum, um zu sich selbst zu finden.

Bindung und Freiheit scheinen sich jedoch zu widersprechen und doch gehören sie auf das engste zusammen. Freiheit könnte man zunächst definieren als die Fähigkeit, alles zu tun, was man will. Doch diese Definition kann auf Dauer nicht zutreffen. Hätte nämlich ein jeder diese Auffassung von Freiheit, so käme es über kurz oder lang unweigerlich zu Spannungen und Reibereien.
Lernt, die Freiheit richtig zu gebrauchen und nicht zu missbrauchen. Mein Wunsch für euch ist, dass ihr diese Freiheit mehr und mehr in eurem gemeinsamen Leben erfahrt. Helft einander, jeder seinem Partner, zu dieser Freiheit der Person zu kommen.

Erfüllt eure Ehe mit Leben, in dem ihr euch gegenseitige Liebe, Treue, Achtung und Toleranz entgegenbringen.

Lasst euch in eurem Zusammenleben immer nur von Liebe und Güte leiten; nehmt Rücksicht aufeinander; ertragt die Fehler des anderen mit Geduld und mit der Einsicht, dass man selbst ja auch nicht ohne Fehler ist.

Gespräche fördern Verstehen und Vertrauen. Steht euch daher immer einander aufgeschlossen gegenüber, damit ihr eure Probleme und Sorgen miteinander bereden könnt und gemeinsam den Weg findet, all das ins Reine zu bringen, was euch belastet.

In keiner Gemeinschaft, auch in keiner Ehe, herrscht immer nur eitel Sonnenschein.

Bemüht euch daher immer miteinander zu reden über das was euch freut, aber auch vor allem über das was euch bedrückt. Nehmt euch Zeit zum Reden. Seht das, was ihr euch sagen wollt als wichtig an.

Zuhören heißt: Ich interessiere mich für Dich, für das, was Du sagst, was Dich beschäftigt, was Du loswerden willst. Zuhören ist die Voraussetzung, um sich in den anderen zu versetzen, um in ihn hineinzuhorchen, um sich in ihn einzufühlen, um mit ihm mitzufühlen. Im gegenseitigen Aufeinander hören, im Wechsel von Sprechen und Zuhören wird das Gespräch zwischen Ehepartnern zu einer dauernden Einrichtung und führt zu einer innigen Bindung und Beziehung.




Ihr seid nun vor mir als der zuständigen Standesbeamtin erschienen, um den Bund für das Leben zu schließen.

Wenn ich nun die Fragen an Euch richte, darf ich Euch gemeinsam mit den Trauzeugen bitten aufzustehen.

Vor Euren Trauzeugen frage ich Dich,

Stefan G......,
willst Du mit Eva Andrea H... die Ehe eingehen, so antworte bitte mit einem aufrichtigen JA.

Nun frage ich Dich,
Eva Andrea H..., willst Du mit Stefan G.... die Ehe eingehen, so antworte bitte ebenfalls mit einem aufrichtigen JA.

Nachdem Ihr beide erklärt habt, die Ehe miteinander einzugehen, spreche ich hiermit aus, dass Ihr nun kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute seid.

Als äußeres Zeichen Eurer Liebe, Treue und Verbundenheit darf ich Euch nun bitten, die Trauringe zu wechseln.
Ich denke, jetzt darf auch Euer Hochzeitskuss nicht fehlen.

Ich verlese jetzt den Heiratseintrag, wie die Eheschließung hier bei uns im Standesamt
Bad Endbach geführt wird.

Heiratseintrag vorlesen und unterschreiben lassen.
Selber unterschreiben
Eine Abschrift der Heiratsurkunde und eine Abschrift des Familienbuches haben wir in Euer persönliches Stammbuch der Familie geheftet.

Stammbuch hinweisen.

Die Ringe, die Ihr getauscht habt, sind Sinnbild des in sich Geschlossenen, der Einheit und der Treue.

Sie haben keinen Anfang und kein Ende und können ohne Gewalt nicht getrennt werden.

Und so soll es auch in Eurer Ehe sein.

Der Ring am Finger soll Euch immer daran erinnern, dass Ihr mit Eurem Ja-Wort versprochen habt, miteinander durchs Leben zu gehen.

Ihr gabt Euch heute das Versprechen:
- Ich will wachen , wenn Du müde bist,
- ich will erinnern, wenn Du vergisst,
- ich will schweigen, wenn Du recht hast,
- ich will sprechen, wenn Du irrst,
- ich will voran gehen, wenn Du zögerst,
- ich will stark sein, wenn Du verzagst
- ich werde immer da sein, wenn Du mich brauchst.
Ich denke, so werden Sie in gegenseitigem Vertrauen und erst recht in schweren Stunden zusammenrücken und sich gegenseitig halten.

Zum Schluss möchte ich euch noch ein Gedicht von Wiebke Henrich zitieren:

Ich will jeden Tag ein Stück mit Dir gehen,

- etwas Dir geben

- Dir sagen, wie froh es mich macht, an Deiner Seite zu leben

- Deine Zuneigung, Dein Verständnis und Deine Stärke zu
spüren

Diese Zeilen beinhalten all das, was eine gute Ehe ausmacht, auch wenn der Alltag nach den Feierlichkeiten wieder eingekehrt ist.

Für euren künftigen Lebensweg wünsche ich euch alles Gute, Gesundheit und recht viel Glück. Erinnert euch immer wieder gerne an euer heutiges Versprechen; mögen aber besonders eure eigenen gegenseitigen Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen.
 
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