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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (718)

Liebe ..., lieber ...,

ich darf euch ganz herzlich, hier in der schönen Stube des ..., die sich ja schon öfters als Trauzimmer bewährt hat, begrüßen.
Auch eure Hochzeitsgäste, eure Familie und Freunde, die heute Zeuge Eures Eheversprechens werden, möchte ich begrüßen.
Heute ist ein ganz besonderer Tag für euch und es freut mich, dass ich euch auf diesem kurzen Stück in Euer neues Leben als Eheleute begleite darf.
Ich möchte euch keine Standpauke mit guten Ratschlägen für euer zukünftiges Eheleben halten. Ich hab mir im Hinblick auf ..., euren Sohn, einen Auszug aus „Anna schreibt an Mister Gott“ ausgesucht. Anna ist ein kleines, wissbegieriges Mädchen das ihre Gedanken Mister Gott mitteilt. Ihr bester Freund Fynn unterstützt sie dabei. Aus ihren vielen Briefen an Mister Gott ist ein Buch entstanden und daraus möchte ich euch zu Beginn ein Stück des Kapitels „Über das Liebhaben“ vorlesen.

Ach, Mister Gott,
es gibt so viele Sachen, die ich gern schreiben würd, aber die Wörter wollen nicht, weil ich sie nicht alle kenne. Und der Bleistift will manchmal nicht und das Papier auch nicht. Über das Liebhaben ist es am schwersten zu schreiben. Fynn findet es auch schwierig. Aber versuch´s doch mal, hat er gesagt. Liebhaben ist eine komische Sache, weil man es nicht sehen kann und nicht hören und auch nicht anfassen. Woher weiß man dann, ob es so was überhaupt gibt? Ich mein, wie soll man wissen ob einen der andre liebhat? Schön wär, wenn man nur für die zum Sehen wär, die man liebhat. Dann wüsst der andere gleich Bescheid. Nein, nein, hat Fynn gesagt. Das ist das Beste am Liebhaben, dass man nicht genau weiß, was es ist, und wie es weitergeht, wenn es angefangen hat und ob es sich wirklich lohnt. Weil es oft mehr traurig ist als zum freuen.

Liebe ..., lieber ...,
ich möchte, dass ihr euch zurück erinnert an die Zeit eures Kennenlernens. Die Zeit in der alles noch neu und unbekannt war – das erste Date, der erste Kuss. Die Zeit in der man vor lauter Schmetterlinge im Bauch nicht einschlafen kann.
Doch am Anfang einer Beziehung hat man auch manchmal Zweifel und man stellt sich die Frage „wie soll man wissen ob einen der andere liebhat?“.
Das ändert sich aber schnell, denn die Beziehung wächst und wird intensiver und durch das Zusammenleben stellt sich heraus ob sie auch alltagstauglich ist.
Ihr habt sicherlich in eurer Beziehung auch erstmals Verständnis für euren Partner aufbringen müssen, wenn sich ab und zu seine kleinen Macken und Launen gezeigt haben. Aber durch das Zusammenleben achtet ihr auch auf euren Partner. Ihr bemerkt und entdeckt seine Eigenschaften und Eigenheiten. Es gibt jede Menge Gesprächsstoff. Ihr erfahrt wie der andere fühlt und wie er gemeinsame Erlebnisse empfindet. So lernt ihr euch in- und auswendig kennen und ihr wisst, wie es wäre der andere zu sein. Das heißt aber nicht, dass es ab dann langweilig wird, nein ganz im Gegenteil. Es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken und herauszufinden. Denn die Grundlagen eurer Beziehung, Vertrauen und Treue, geben euch die Möglichkeit euch gegenseitig genügend Freiraum zu lassen. Jeder hat seine Hobbys, seine Interessen und jeder entwickelt sich weiter. So bleibt eure Beziehung abwechslungsreich und spannend wie am Anfang. Ihr seid in eurer Beziehung offen und ehrlich zueinander. Ihr nehmt Rücksich t auf euren Partner und bezieht ihn in eure Entscheidungen mit ein. Er ist euer Mittelpunkt. Ihr teilt euer Leben miteinander. Ihr habt auch bereits erfahren, was es heißt Verantwortung zu übernehmen für euch und für euren Sohn .... Dadurch gebt ihr einander die Möglichkeit euch weiter zu entfalten und ... sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu entwickeln. So, ist eure Beziehung einzigartig geworden und auch eure Ehe wird einmalig und von unschätzbarem Wert sein.
Ihr werdet euch jetzt gleich öffentlich versprechen, dass ihr miteinander alt werden wollt. Zuvor aber möchte ich nochmals auf Anna zurückkommen, denn ich hab zum Teil eine andere Meinung wie sie. Dass das mit dem Liebhaben eine komische Sache ist, da gebe ich ihr recht, zumindest manchmal. Aber wenn man in seinem Leben schon die eine oder andere Erfahrung im Liebhaben gemacht hat, dann weiß man, dass es bestimmt nicht mehr traurig ist als zum freuen. Und das man das Liebhaben nicht sehen kann, da bin ich mir auch nicht so sicher. Denn wenn ich euch beide anschaue, dann kann ich es sehen.
Meine aufrichtigen Wünsche für euch sind, dass ihr immer voll Zuversicht und Optimismus in eure gemeinsame Zukunft blickt und dass euch immer bewusst ist, wie wertvoll eure Ehe ist.
Ich wünsche euch viel gemeinsame Zeit für euch und für ... und dass sich alle eure Erwartungen und Wünsche erfüllen.
Außerdem wünsche ich mir für euch, das was Anna sich jetzt für euch wünschen würde – dass ihr euch euer Wetter immer selber macht. Denn das Wetter, dass man sich selber macht, das ist viel wichtiger als das von draußen und dann braucht man für sein Herz auch keinen Regenschirm.
 
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