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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (726)

Traurede (Gedicht von Elli Miehler)


Liebes Brautpaar,

ein bedeutsamer Schritt führt Sie heute zum Standesamt, um im Kreise der Verwandten und Freunde den Bund der Ehe zu schließen.

Was bedeutet „Ehe“?

Ehe – das ist Glück, aber auch Ernst des Lebens. Dazu gehört vor allem, dass Sie frei sind vom Denken an das „Ich“ und all Ihre Gedanken, Ihr Tun auf das „Wir“ ausrichten.

Im Leben sind es drei Begebenheiten, die der Standesbeamte schriftlich festhalten und beurkunden muss, damit sie dauerhaft für die nächsten Generationen überliefert werden.

Es sind dies Geburt und Tod, als Anfang und Ende unseres Lebens. Dazwischen liegt die Eheschließung. Sie stellt eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben dar.

So wichtig diese Entscheidung ist, sie wird mit dem kleinen Wörtchen „ja“ dokumentiert. Der griechische Philosoph Pythagoras sagte einmal: Die kürzesten Worte, nämlich „ja“ und „nein“ erfordern das meiste Nachdenken und den meisten Mut.

Sie haben beide sicherlich ausgiebig über diese Entscheidung nachgedacht. Es gab gewiss rationale, aber mit Sicherheit emotionale Gründe für diese Entscheidung. Um diese emotionalen Gründe richtig zu gewichten, muss man nach innen hören. Jeder muss sich fragen, was erwarte ich vom Partner. Noch wichtiger ist jedoch die Frage: Was bin ich bereit, dem Partner zu geben.

Dieses Gefühl gibt einem die Antwort zu der Entscheidung, „ja“ zu sagen.

Diese „Ja-Wort“ drückt jedoch mehr aus als nur den Wunsch, ein Dokument zu erhalten, das die neue Rechtsstellung belegt. Es ist vielmehr eine Herzensangelegenheit. Sie drücken damit aus: Wir beide wollen künftig noch enger zusammenrücken. Uns kann nichts erschüttern, egal was kommt.

Aber engen Sie den Partner nicht zu sehr ein oder versuchen Sie, ihn zu ändern. Jeder sollte dem anderen auch weiterhin den Freiraum zugestehen, der er oder sie zur Entfaltung der Persönlichkeit braucht. Vielleicht sind des gerade diese kleinen Ecken und Kanten, das das Salz in der Suppe einer guten Ehe ausmachen. Denn so wie der Partner jetzt ist, haben Sie ihn ja kennengelernt.

An dieser Stelle möchte ich gern das Gedicht von Elli Miehler „Von der Liebe getragen“ einbringen:

Wo du geliebt wirst,
Kannst du getrost alle Masken ablegen.
Darfst du dich frei und ganz offen bewegen.
Wo du geliebt wirst, zählst du nicht nur als Artist Wo du geliebt wirst, darfst du so sein wie du bist.


Wo du geliebt wirst,
musst du nicht nur immer lachen.
Darfst du es wagen, auch traurig zu sein.
Wo du geliebt wirst, darfst du auch Fehler machen Und du bist trotzdem nicht hässlich und klein.

Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Schwächen zeigen
oder den fehlenden Mut.
Brauchst du die Ängste nicht zu verschweigen Wie das der Furchtsame tut.

Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Sehnsüchte haben,
manchmal ein Träumender sein
und für Versäumnisse, fehlende Gaben,
räumt man dir mildernde Umstände ein.

Wo du geliebt wirst,
brauchst du nicht ständig zu fragen
nach dem vermeintlichen Preis.
Du wirst von der Liebe getragen,
wenn auch unmerklich und leis.


Ich als Standesbeamtin wünsche Ihnen nun, dass all das in Erfüllung geht, was Sie sich am heutigen Tag vornehmen und wünschen.

 
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