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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (730)

Verehrtes Brautpaar, die Ehe, sehr verehrtes Brautpaar, möchte ich vergleichen mit einem großen breite Fluß: Er fließt dahin, unerschütterlich, ohne große Eile, gemächlich, langsam und sicher fließt er dahin. doch auf einmal kommt eine Stromschnelle, und nun ist es aus mit der gewohnten Gemächlichkeit, jetzt entscheidet sich, was weiter geschehen wird, was weiter geschehen soll. Und doch: was eben noch reißend war, es fließt wieder in gewohnter Ruhe dahin, bis hin zur nächsten Stromschnelle, wo sich dasselbe ereignen wird, wie wir es gerade gesehen haben. Ihre Ehe, die Sie heute beginnen, entspringt der Quelle der Zuneigung, der gemeinsamen Interessen, der gemeinsamen Hobbys, sie mag der Quelle der Liebe entspringen, sie mag der Quelle des reinen Nützlichkeitsdenken entspringen, in jedem Falle beginnt der Fluss des gemeinsamen Lebens heute zu fließen. Sie werden sehen, meistens geht es ruhig dahin, auf einmal aber kommen die Wirbel, auf einmal geraten Sie in Stromschnellen und da gilt es, sich r ichtig zu verhalten. Da darf man nicht ausweichen, man darf auch nicht stehenbleiben, sondern muss der Gefahr ins Auge sehen und eben durch diese Gefahr hindurchlaufen. Das mag sich jetzt leicht anhören, es ist aber von Fall zu Fall durchaus schwierig. Aber da Sie zu zweit sind, haben Sie einen Halt an Ihrem Partner, und in diesem Halt werden Sie den Lauf des Flusses bestehen und nicht etwa den Lauf des Flusses aufhalten. Ich habe hiemit ein ganz anderes B ild verwendet als jenes, das wir gemeinhin kennen: Das Bild vom Hafen der Ehe, in den man einlaufe, ist gebräuchlich, dasjenige des Flusses keineswegs. Aber mir scheint das Bild vom Hafen nichtz das wahre zu sein, schließlich ist die Ehe ein Anfang, eben eine Quelle, aber doch nicht das Ende oder das Ziel, also nicht ein Hafen. Und Ihnen wünsche ich nun ein gutes Ende dieses mit der heutigen Quelle begonnenen Flusses des Lebens. Ich wünsche Ihnen nicht ein Aufgehen im Ozean der Tränen, sondern ich wünsche Ihnen einen Übergang in das Meer der Freude.

 
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