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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (731)

Liebes Brautpaar, ich begrüße euch mit eueren Gästen hier im Trausaal unseres Standesamts sehr herzlich. Mein besonderer Gruß gilt natürlich auch den Eltern des Brautpaares, der Frau Handlos und der Familie Muhr. Liebe Karin, lieber Johann (Hans), ihr beide werdet gleich eine wichtige Entscheidung in euerem Leben besiegeln, nämlich die Entscheidung füreinander. Und hierzu haben sich neben eueren Eltern auch Verwandte und Freunde eingefunden, um mit euch diesen entscheidenden Schritt in euerem Leben zu feiern und sich mit euch zu freuen. Ich hoffe, dass heute für euch doch ein besonderer Tag ist, denn eine Eheschließung ist sicher nichts alltägliches, sondern etwas zum Feiern. Im allgemeinen wird sich aber im Alltag danach nicht viel ändern. Nur die rechtlichen Konsequenzen werden anders definiert durch diese formelle Handlung hier im Standesamt. Ihr seid heute dabei, ich möchte es mal so formulieren, den Wechsel von einem Leben ohne Trauschein zu einem Paar mit Trauschein zu vollziehen, ihr wollt also eueren weiteren Lebensweg als verheiratetes Paar beschreiten. Darum ist der Hochzeitstag ein sehr wichtiger Tag im Leben, denn mit der Eheschließung beginnt ein neues Kapitel der gemeinsamen Geschichte, das natürlich auf den vorhergehenden Kapiteln aufbaut und sie weiterführt. Auch für mich gehört eine Eheschließung zu den schönen Aufgaben meiner Tätigkeit, und ich freue mich, euch in den gemeinsamen Lebensweg begleiten zu dürfen. Liebe Karin, lieber Johann, aber wie hat euere Beziehung eigentlich angefangen, als ihr euch das erste Mal gesehen bzw. getroffen habt, da ward ihr füreinander noch Fremde. Einfach nur irgendeine Frau und irgendein Mann. Doch irgend etwas Sympathisches, eine Geste, ein Blick, eine angenehme Stimme, irgend etwa Vertrautes konntet ihr bei euerem ersten Kontakt bereits spüren. Dieses Gefühl gab euch dann schließlich den Mut sich zu nähern und nach einiger Zeit des Kennenlernens sich gegenseitig anzuvertrauen. Um zueinander zu finden und zusammenzubleiben, dafür braucht es auch Ausdauer, denn für eine wichtige Entscheidung muss man sich Zeit nehmen und den anderen Zeit lassen. Ihr seid nun schon länger ein Paar, wahrscheinlich auch mit Höhen und Tiefen, dass aber glücklich und erwartungsvoll in eine gemeinsame Zukunft blickt. Was die Zukunft wohl bringen mag, das man sich diese Frage stellt, ist nichts Neues: Schon Wilhelm Busch formulierte: Liebe – sagt man schön und richtig- ist ein Ding, das äußerst wichtig. Nicht nur zieht man in Betracht, was man selber damit macht, nein man ist in solchen Sachen, auch gespannt, was andere machen. Nun seid ihr also im Bilde. Du, Karin und Johann, ihr gebt euerer Beziehung einen Rahmen, der sich Ehe nennt. Die Ehe ist der Rahmen, das Wesentliche, nämlich das Bild im Rahmen kreiert ihr nun ab heute selbst. In euerem bisherigen Leben habt ihr dafür euere Fähigkeiten und Talente erworben. Jeder von euch hat seine Stärken, eine gute Bildung und ihr wisst, auf was es im Leben ankommt und was im Zusammenleben von zwei Menschen eine wichtige Rolle spielt. Auch in einer Beziehung geht es darum, ein Team zu bilden, nicht nur sich selbst zu sehen, sondern gemeinsam etwas zu planen und zu verwirklichen. Wie ich meine, ist die Ehe auch im 21. Jahrhundert nach wie vor eine Lebensform, die den Menschen viel zu bieten hat. Das liegt sicher daran, dass die Zweierbeziehung oder die Familie Zuwendung, Rückhalt und Geborgenheit verspricht. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Ehe sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat, so wie sich auch die Lebensbedingungen und Vorstellungen über die Rollen von Männern und Frauen gewandelt haben. Die Ehe ist also zugleich eine altmodische und eine moderne Angelegenheit, und sie ist auch nicht überholt, weil sie einem Paar nach wie vor ein glückliches Zusammen- leben und die Erreichung seiner Ziele verspricht. Aber was erwartet man eigentlich von der Ehe. Nicht mehr allein dazustehen, sondern wie gesagt, das Leben zu zweit anzugehen. Jemanden zu haben, mit dem zusammen man sich an Schönen freuen kann und der einen bei Problemen unterstützt. Gerade in unserer Zeit, die immer komplexer und schnelllebiger wird und in der Kontakte zu anderen Menschen oft auf der Strecke bleiben, tut es gut, mit jemandem verbunden zu sein, auf den man sich verlassen kann. Der zu einem hält, wenn man mal nicht mehr weiter weiß, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht. So einen Menschen braucht man, zumindest manchmal, doch man ist auch bereit, dem anderen ein verläßlicher Partner bzw. eine verläßliche Partnerin zu sein. Ihr beide werdet in eueren Berufen stets aufs neue gefordert und deswegen wird jeder froh sein, wenn er beim Partner wieder Ruhe und Entspannung finden kann, wo man sich fallen lassen kann und man wieder Kraft schöpfen kann. Denn die Ehe ist ja von gegenseitigem Geben und Nehmen geprägt. Wie eng beides zusammenhängt, kommt in folgendem Ausspruch der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach zum Ausdruck: „Die Menschen, denen wir Stütze sind, geben uns den Halt im Leben.“ Das klingt vielleicht etwas paradox. Aber es macht doch deutlich, wie sehr sich die Menschen gegenseitig brauchen. Niemand ist nur stark oder nur schwach; vielmehr hat auch der vermeintlich Schwache seine Stärken und der vermeintlich Starke seine Schwächen. Und in einer Ehe kann es ja sein, dass mal der eine und mal die andere einen Tiefpunkt hat bzw. den Partner oder die Partnerin aufmuntert oder aufbaut. Die Unterstützung wird also wechselseitig erfolgen. Doch bereits die Bereitschaft, füreinander da zu sein, ist für beide von Bedeutung. Allein schon das Bewußtsein, dass der andere zu einem steht, verleiht einem selbst Rückhalt. Und andererseits gibt einem das Gefühl, gebraucht zu werden, ebenfalls Kraft. Das Zusammensein stärkt einen also. Das bezieht sich sowohl auf die wechselseitige Unterstützung als auch auf das gemeinsam erlebte Glück, also auf jede Form des gegenseitigen Nehmens und Gebens. Und in einer Ehe spielt natürlich das Glück eine bedeutende Rolle. Die glücklichen Momente im Leben sind schon an sich erstrebenswert, doch sie schenken einem darüber hinaus nicht nur Freude, sondern auch Kraft. Von glücklichen Momenten kann man lange zehren, auch und gerade wenn der Alltag hektisch und stressig wird. Und auch beim Glück finden wir im gegenseitigen Austausch einen Verdoppelungs- effekt. So stellte der deutsche Schriftsteller Johann Wilhelm Ludwig Gleim einmal fest „Wer glücklich ist, kann glücklich machen. Wer`s tut vermehrt sein eigenes Glück.“ Der Glückliche wird sein Glück immer weitergeben wollen, vor allem natürlich an den Menschen, den er liebt und mit dem er sich verbunden fühlt. Diesem Menschen Freude zu bereiten wird jedoch auch ganz allgemein das Ziel eines Liebenden oder eines Ehepartners sein. Die enge Verbundenheit mit einem anderen Menschen erscheint somit als eine Lebensform, die einem das geben kann, was man braucht. Und so wie man Sorgen miteinander teilen will, so will man auch – und vielleicht vor allem – die schönen Stunden des Lebens miteinander teilen bzw. sich gegenseitig bereiten. Denn der andere ist ja der Mensch, der einen glücklich macht und den man selber glücklich machen möchte. Wenn man einander vertraut und Freuden sowie Sorgen miteinander teilt, dann wird die Bindung immer enger werden. Man wird in der Ehe einen köstlichen Schatz gefunden haben, der einen das Leben besser bewältigen läßt sowie Glück und Zufriedenheit schenkt. Liebe Karin, lieber Johann, ihr seid euch sicher, dass ihr in euerer Beziehung euer Glück findet. Ihr wisst auch, dass noch anderes im Leben für euch beide bedeutsam ist. Vergeßt aber auch euere Freunde und vor allem euere Eltern nicht, denn sie sind und waren euere Wegbegleiter auf euerem bisherigen Lebensweg. Nehmt all euere Ziele wichtig, also vor allem euere Liebe und euere Ehe, dann habt ihr alle Chancen, das Beste aus euerem Leben zu machen. Ich jedenfalls wünsche euch, liebe Karin und Johann, dass ihr im Leben viel Glück findet und ich freue mich, dass ich euch als Standesbeamter von Ruhmannsfelden auf den gemeinsamen Eheweg schicken darf und möchte meine Ansprache mit einem Zitat von Leo Tolstoj beenden. „Die wichtigste Stunde in unserem Leben ist immer der gegenwärtige Augenblick; der bedeutsamste Mensch in unserem Leben ist immer der, der uns am nächsten steht. Das notwendigste Werk in unserem Leben ist stets die Liebe.“
 
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