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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (732)

Liebes Brautpaar, liebe Trauzeugen, sehr geehrte Gäste, ich begrüße Sie recht herzlich an diesem besonderen Tag hier im Standesamt im historischen Ortskern. Ich freue mich, dass ich Sie an diesem besonderen Tag in ein neues Leben als „Ehepaar“ begleiten darf. Ein Hochzeitstag ist immer ein schöner und besonderer Tag – und ein Tag, der mit vielen Erwartungen und Hoffnungen verbunden ist. Denn zwei Menschen versprechen sich nun in aller Öffentlichkeit, zusammenzubleiben und ihr Leben miteinander teilen zu wollen; zwei Menschen sind davon überzeugt glücklich zu werden. Sicher haben Sie beide sich auf den heutigen Tag gefreut, an dem Sie sich Ihr Ja-Wort geben werden. Und vielleicht sind sie auch etwas aufgeregt, weil es ja ein großer Augenblick in Ihrem Leben ist und nun etwas Neues beginnt. Auch wenn Sie sich schon länger kennen und zusammen wohnen. Denn heute wird es sozusagen ernst. Nun sagen Sie auch ganz offiziell, dass Sie sich füreinander entschieden haben und zusammenbleiben wollen. Sicher haben Sie bestimmte Erwartungen bezüglich Ihrer Ehe, die darauf beruhen, dass Sie sich schon recht gut kennen. Sie haben sicher auch bestimmte Hoffnungen, wie alle Menschen, die sich ihr Glück von einer guten Ehe versprechen. Und vielleicht haben Sie auch schon mal darüber nachgedacht, wie Sie sich Ihr Glück und Ihre stabile Beziehung am besten erhalten können. Denn Liebe und Ehe sind etwas Kostbares. Etwas, das man schützen und bewahren möchte, mit dem man sorgsam umgehen möchte. Nicht nur Glück ist wie Glas, das leicht zerbrechen kann, sondern auch die Liebe wird schon mal mit Glas, diesem fragilen, aber auch sehr schönen Material verglichen. Zum Beispiel in einem alten Sprichwort, das wie folgt lautet: „Liebe ist ein Glas, das zerbricht, wenn man es zu unsicher oder zu fest anfasst.“ Liebe ist also wie ein Glas, das hält und seine Schönheit oder seine Form bewahrt, wenn man es richtig anfasst, also nicht zu vorsichtig und nicht zu unbedenklich. Oder, anders formuliert: Wenn man es richtig anpackt, ist es gar nicht schwer, sich die Liebe und das Eheglück zu erhalten. Nun hat natürlich jedes Paar seine ganz persönlichen Vorstellungen darüber, wie sein Eheglück aussieht und wie es seine Beziehung gestalten will. Und deshalb wird auch jedes Paar seinen eigenen Weg beschreiten, um glücklich zu werden. Doch was in diesem Sprichwort anklingt, dass die Wahrheit sozusagen in der Mitte liegt, dass es um ein Auspendeln verschiedener Verhaltensweisen und Auffassungen geht, das dürfte ganz allgemein von Bedeutung sein. Und das ließe sich auf folgende Formel bringen: In der Ehe leben beide miteinander und nicht bloß nebeneinander, haben aber auch noch ihr Eigenleben. Wenn man miteinander lebt, dann wendet man sich einander zu. Man hört einander zu und hat Verständnis füreinander. Man lacht miteinander und freut sich miteinander, doch man muntert sich auch gegenseitig auf und unterstützt sich, wenn es nötig sein sollte. Denn man möchte ja nicht nur die schönen Stunden gemeinsam genießen, sondern auch für den anderen da sein, wenn er einen braucht. Man möchte das, was einen bewegt, was einen freut oder bedrückt, miteinander teilen. Man versteht sich also als ein Paar, als Wir. Jeder einzelne versteht sich als ein Teil dieses Wir, aber auch als ein Ich. Denn jeder bleibt ja auch weiterhin ein Wesen mit eigenen Interessen und Zielen, denen man auch alleine, ohne den Partner oder die Partnerin, nachgeht. Denn man möchte ja auch seinen eigenen Bereich haben und man weiß natürlich, dass der andere einem auch nicht all das geben kann, was man gerade sucht oder sich vom Leben erhofft. Der andere wird einem beispielsweise sicher beistehen, wenn man Probleme hat, doch er kann sie nicht für einen selber lösen. Sicher kann und sollte man viel vom Partner beziehungsweise der Partnerin erwarten, aber eben nicht alles, was man gerade braucht. Zu viel kann der andere nicht leisten, aber er will natürlich auch nicht außen vor bleiben. Und so wie jeder eigene Ziele hat, hat er auch eigene Vorstellungen und Auffassungen, die mit denen des anderen nicht übereinzustimmen brauchen. Hier wird man sich also austauschen, vielleicht auch auseinandersetzen und zu Kompromissen kommen. Indem man sich aufeinander zubewegt und aufeinander eingeht, baut man sich ein gemeinsames Leben auf, das beiden gerecht wird. Und man baut sich eine Beziehung auf, die von Verständnis und Vertrauen, von Zuwendung und Unterstützung geprägt ist. Man wird also Zeit und Energie und Phantasie für den anderen und für das Zusammenleben aufbringen. Denn Liebe und Ehe sind etwas sehr kostbares, das man wir ein schimmerndes Glas oder einen wertvollen Spiegel schützen und bewahren möchte. Ich wünsche Ihnen bereits jetzt von Herzen alles Gute für Ihr gemeinsames Leben. Ich hoffe und wünsche für Sie, dass Sie sich immer gerner an diesen Augenblick Ihrer standesamtlichen Trauung zurück erinnern. Mögen Ihnen viele lange Jahre einer glücklichen Ehe beschieden sein.
 
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