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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (733)

Traurede anläßlich der Trauung von Frau … und Herrn … am Donnerstag, dem … um … Uhr Sehr geehrte Frau …, sehr geehrter Herr …, ich begrüße Sie, liebes Brautpaar, sehr herzlich zu Ihrer heutigen standesamtlichen Eheschließung im Standesamt der Stadt Stadtallendorf. Darüber hinaus begrüße ich auch die beiden Trauzeugen und Ihre Gäste. Heute möchte ich kurz einige Gedanken über die Wörtchen „JA“ und „NEIN“ in meine Traurede einfließen lassen. Von Pythagoras stammt der Satz: „Die kürzesten Wörter, nämlich JA und NEIN, erfordern auch das meiste Nachdenken.“ Und gerade heute steht das Wörtchen JA ganz im Mittelpunkt. Warum wohl ist Pythagoras zu dem Schluss gekommen, dass das JA und NEIN das meiste Nachdenken erfordert? Sicher deshalb, weil mit diesen Wörtern oftmals eine ganz bedeutungsvolle Entscheidung gefällt wird. Kleine Entscheidungen fällen wir zigmal am Tag. Das fängt schon am Morgen an: Wir können, oder – besser gesagt – müssen uns entscheiden, wann wir aufstehen, ob wir noch fünf Minuten zugeben, wenn der Wecker bereits gerasselt hat. Dann entscheiden wir uns, was wir zum Frühstück zu uns nehmen, im Beruf und auch Zuhause gibt es jeden Tag weitere zahlreiche Entscheidungsmöglichkeiten. Auch in der Freizeit sind wir täglich herausgefordert, uns für das eine oder andere zu entscheiden, z.B. ob wir mit Bekannten ausgehen oder vielleicht doch lieber mit einer schönen Flasche Wein den interessanten Fernsehfilm zu Hause anschauen wollen. Oder ob wir uns vielleicht eher sportlich betätigen, statt träge auf dem Sofa zu sitzen. Aber es gibt auch die weitaus bedeutungsvolleren Entscheidungen, die das Nachdenken über JA oder NEIN erfordern – und dazu gehört sicherlich in ganz besonderem Maße auch die Entscheidung, die Ehe mit einem anderen Menschen einzugehen. Alle Entscheidungen haben eines gemeinsam: Zunächst wägen wir die verschiedenen Möglichkeiten, die Vor- und Nachteile, die sich daraus ergeben können, gegeneinander ab. Dabei spielen oftmals aber nicht nur rationale Kriterien, sondern zumeist auch ein Gefühl oder die augenblickliche Stimmung eine Rolle. Aber nicht immer denken wir vor einem JA oder NEIN ausreichend über deren Konsequenzen nach, sondern entscheiden uns aus der Laune und dem Bauchgefühl heraus für die eine oder andere Möglichkeit – und müssen dann ggf. auch weniger schöne Folgen einer Fehlentscheidung ausbaden. Darüber, ob man mit einem anderen Menschen eine Ehe eingehen möchte, denkt man schon eher nach. Es ist ja schließlich eine weit reichende Entscheidung. Sicher gibt es rationale Gründe – wie finanzielle Absicherung, steuerliche Vergünstigungen, erbrechtliche Folgen und ähnliches. Aber zumeist haben emotionale Gründe ein weitaus größeres Gewicht bei dieser Entscheidung. Um diese emotionalen Beweggründe für sich selbst herauszufinden, muss man nach innen lauschen. Das eigene Gefühl und die Intuition gibt einem die Antwort für seine Entscheidung. Und so wird schließlich das rationale Nachdenken zweitrangig, und es ist umso leichter, sich für die gemeinsame Ehe zu entscheiden, wenn das Gefühl stimmt. Sie haben sich vor einiger Zeit kennen gelernt. Seither sind Sie sich immer näher gekommen und haben den anderen mit all seinen Facetten kennen gelernt. Stärken und Schwächen sind dabei bekannt geworden, die sie an dem anderen schätzen lernten oder zumindest erträglich empfinden. Nun ist seit geraumer Zeit in Ihnen der Wunsch gereift, einen gemeinsamen Lebensweg zu gehen. Ihre Antwort auf meine Frage, die ich Ihnen gleich stellen werde, wird bestimmt schon feststehen. Sie haben sicherlich Ihre Vorstellung über das gemeinsame, eheliche Leben ausgetauscht. Und in Gesprächen haben Sie Ihre Ansichten und Ziele über die Ehe geklärt. Sie wissen also, worauf Sie sich einlassen und Ihr Ziel steht Ihnen beiden klar vor Augen. Ehe bedeutet aber nicht „Besitz“ eines Menschen. Der Besitzanspruch ist ein großer Fehler, denn er ruft die Eifersucht hervor. Er verurteilt Beziehungen zum Scheitern. Ihre Liebe muss vielmehr immer wieder aufs Neue lebendig erhalten werden – durch neue Erfahrungen, die jeder der Partner mit sich und für sich macht. Dafür braucht jeder seinen eigenen Spielraum. Sie wissen auch, dass Sie sich das Glück in Ihrer Beziehung nicht dadurch erhalten können, indem Sie Ihre Individualität aufgeben und versuchen, sich ganz dem Partner bzw. der Partnerin anzupassen. Ihre Unterschiedlichkeit ist gerade die Chance, Ihre Ehe lebendig und abwechslungsreich zu gestalten. Die Herausforderung für Sie, Frau …, und für Sie, Herr …, besteht zweifellos darin, Ihre Beziehung auch in späteren Jahren nicht zu vernachlässigen und Ihrer Partnerschaft stets jene Zeit zuzuwenden, die deren hohen Stellenwert entspricht und für eine Weiterentwicklung Ihrer heute beurkundeten Lebensgemeinschaft erforderlich ist. Daher ist es sehr wichtig, dass Sie sich die Liebe, welche Ihre Partnerschaft immer wieder erneuert und vorantreibt, bewahren! Ich bin nun bereit, Ihr JA-Wort entgegenzunehmen. Ich möchte Sie bitten, sich hierzu von Ihren Plätzen zu erheben.

 
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