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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (744)

Ich darf Sie sehr geehrte Trauzeugen und Gäste zur heutigen standesamtlichen Eheschließung recht herzlich begrüßen. Besonders willkommen im Standesamt des ….hauses, einem Haus aus festem Stein und Mörtel gebaut, seit Jahren „Zufluchtstätte“ für Heiratswillige in unserem Ort, welches schon Freudentränen, stürmischen Glückwünschen und Hochzeitsfeierlichkeiten während der Eheschließung standgehalten hat, möchte ich unser Brautpaar, Frau ........ und Herrn …… Vorweg, Sie dürfen sich sicher sein, dass ich keine Standpauke voller besonders guter Ratschläge halten möchte. Sie werden sicherlich auch verstehen, dass ich Ihnen heute nicht meine Eheerfahrungen (bin noch ledig) als Grundlage geben kann oder vielleicht gar erkläre, wobei es bei einer guten Ehe ankommt. Was ich Ihnen sage, sollen daher lediglich einfach Worte, Gedanken bzw. Denkanstösse zu einem Tag sein, an welchem Sie ihren bisherigen Lebenskreislauf gegen jenen des Ehelebens eintauschen. Der Kreislauf der Natur, wie sicher der Bräutigam bestätigen kann, bringt zu den verschiedensten Jahreszeiten aber auch im Laufe der Jahre die verschiedensten Veränderungen, mit sich. Das Wachstum jeder Pflanze ist nicht nur vom Lauf der Zeit, sondern auch von verschiedensten äußeren Voraussetzungen bzw. Bedingungen abhängen. Sie beide werden sicher auch nicht nur mit Beginn Ihres neuen Lebenskreislaufes, sondern auch mit jeder Runde Ihres Ehelebens, die Sie miteinander gehen werden, Ihre Erfahrungen und Gedanken vergrößern. Dieses heutige „Ja“ geben Sie sich ja auch, weil Sie für die Zukunft gleichgerichtete Wünsche und Lebensziele haben. In diesem neuen Kreislauf müssen daher verschiedene Elemente Platz finden, zum Beispiel auch Ehrlichkeit. Auf Ehrlichkeit baut Vertrauen auf. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, dass ein Partner den anderen nicht nur vertrauen kann, sondern er muss sich auch sicher sein, dass er sich dem anderen anvertrauen kann, ihm gegenüber seine Gedanken und Gefühle ausdrücken kann und weiß, dass der andere zuhören wird und ehrlich seine Meinung sagt. Erweitern wir diesen Kreislauf um Geborgenheit, die Sie bei Ihrem Partner finden sollen, und Mut, den Sie sich gegenseitig schenken, bei der gemeinsamen Lösung von Problemen. Vergrößern Sie den Kreislauf um ein weiteres Element, Ihrer gegenseitigen Liebe, welche aber nicht nur aus der Harmonie Ihrer Gedanken, sondern auch aus dem Gegensatz Ihrer Charaktere hervorgeht. Sie dürfen sicher nicht vergessen, dass, ist man unterwegs in einem so idealen Kreislauf, bzw. auf so einer idealen Umlaufbahn, sich nicht ohne zutun auf ein glückliches Eheleben verlassen kann. Die Gewohnheiten des Alltags sollten Sie ebenfalls in Ihrem Liebeskreislauf einbauen: gemeinsame Mahlzeiten, ein bewußtes Begrüßungsritual, welches, so glaube ich bereits jetzt vorhanden war oder ein tägliches Gespräch, das länger als die berühmten vier Durchschnittsgesprächminuten andauert, die sich laut aktueller US-Studien ein Paar am Tag Zeit für gemeinsame Unterhaltungen nimmt. Das stabilisiert den Ehekreislauf, denn Sie sollten bedenken, dass Sie die beiden Hauptpersonen dieses Lebenszyklus sind und dafür Sorgen tragen, dass er sich von der Monotonie ungelebter Ehejahre abheben soll, und Ihre Partnerschaft - mit den auf den ersten Blick banalsten Dingen - lebendig erhält. Das können die gemeinsamen Erinnerungen sein, die tägliche Analyse Ihrer Alltagserlebnisse und das offene Interesse an den Begebenheiten, die Ihr Partner erlebt. Eine Beziehung kann nur von diesen positiven „Unruhen“ leben. Die Beteuerung Ihrer gegenseitigen Liebe ist zwar wichtig und schön, reicht aber nicht für ein Wohlbefinden, eine Sicherheit, einen Rückhalt aus. Leben Sie aktiv mit dem Wissen, dass Sie auch Krisen durchleben werden, die aber keine Gefahr bedeuten, wenn Sie sich „auf einer Umlaufbahn befinden“, die gespickt ist mit Freude, der Fähigkeit zu weinen, der fairen Auseinandersetzungsmöglichkeit, der Bereitschaft, nach einem Streit wieder aufeinander zugehen zu können und dem guten Gefühl, sich auf den anderen verlassen zu können. Jeder Mensch ist ein Unikat. Es gibt sicher Menschen die sich im Charakter ähneln, Menschen die sich im Aussehen ähneln, aber sicher keinen Menschen auf der Welt der genauso denkt und fühlt und Freud und Leid genauso ausdrückt wie ein anderer. Den „Ehekrach“ werden auch Sie beide nicht verhindern können. Üben Sie sich daher darin, dem anderen auch dann zu verzeihen, wenn Sie sich eigentlich nicht verantwortlich für die eine Meinungsverschiedenheit auslösende Momente fühlen. Ein „Nicht miteinanderreden“ belastet ja dann sicherlich jeden von Ihnen beiden. Dieses „Verzeih mir“ sollte aber nicht mit der Zeit eine reine Redewendung werden, zu schnell verliert sie dann natürlich ihren erwünschten Stellenwert. Ihr Jawort gibt Ihnen für die Zukunft die Sicherheit, dass Sie mit dem heutigen „Ja“ als gleichberechtigtes Mitglied in die kleinste Zelle der Gesellschaft, wie man ja eine Familie oft bezeichnet sind, aufgenommen werden. Dieses „mein Mann“, „meine Frau“ soll aber sicherlich nicht den Besitz einer Person bedeuten, sondern einfach Ausdruck dessen sein, was Sie beide sich heute hier versprechen. Es soll Ausdruck des Zusammengehörens sein. Ich konnte bereits feststellen, dass alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe gegeben sind und bitte Sie nun, dass Sie sich zur Abgabe der Erklärungen von den Plätzen erheben.
 
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