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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (749)

Liebes Brautpaar, sehr geehrte Trauzeugen, ich begrüße Sie hier im Rathaus recht herzlich. Sie sind heute hierher gekommen um die Ehe miteinander einzugehen. Sie haben die Eheschließung bei uns angemeldet, zuerst möchte ich Sie fragen, ob sich seither irgendwelche Änderungen ergeben haben. Sie sind heute bei uns erschienen, um die Ehe miteinander einzugehen. Ich werde Sie nachher fragen, ob Sie hierzu bereit sind und Sie werden mir das mit einem einfachen, schlichten, kurzen JA beantworten. Wenn man sich Gedanken macht, wir oft man ja im täglichen Leben sagt, kommt man auf eine sehr große Anzahl und manchmal sagt man einfach auch nur ja, damit der Andere zufrieden ist und man die eigene Ruhe hat, aber ich denke, dieses ja, dass sie nachher sprechen werden, haben Sie sich sicherlich gut und reichlich überlegt. Schon der gelehrte Phytagoras hat einmal geschrieben \\\"Die kürzesten Wörter, nämlich `ja` oder `nein` erfordern das meiste Nachdenken“. Wie ihr weiterer Lebensweg verlaufen wird, kann Ihnen heute noch niemand sagen. Der Dichter Soren Kierkegaard hat einmal geschrieben: \\\"Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann.\\\" Sie begeben sich ab heute auf diese Reise. Ich wünsche Ihnen vor allem eine lange gemeinsame Reise und dass Sie sich alle Wünsche und Erwartungen verwirklichen können. Aber ich sage auch immer, Gott sei Dank gibt es kein Patentrezept für das Zusammenleben, denn es treffen immer zwei erwachsene Personen aufeinander, wo jeder seine eigene Meinung, seinen eigenen Willen und seinen Standpunkt hat. Sie beide wollen es miteinander probieren, Ihren weiteren Lebensweg gemeinsam zu gestalten. Der Dichter Hans Kruppa schrieb: \\\"Jede Liebe hat ihre eigenen Gesetze. Leider sind sie immer ungeschrieben, sehr verschieden und zu allem Überfluss im ständigem Fluss.\\\" Ich denke, dass ist vielleicht auch das Interessante daran, dass man keine Erfahrungswerte in einer guten Beziehung ansetzen kann, sondern Sie können lediglich Ihre Wünsche für die Gestaltung Ihres gemeinsamen Lebens äußern und können probieren diese Wünsche und Gestaltungsformen in die Tat umzusetzen. Ich vergleiche die Ehe gerne mit einem Garten. Sie legen jetzt Ihren Garten nach Ihren Vorstellungen und Wünschen an, denn für das Zusammenleben gibt es keine festen Regeln, sondern Sie selbst legen diese Regeln fest. Wenn man einen Garten hat, weiß man, dass man darin und auch daran arbeiten muss, man kann nicht einfach nur sagen, \\\"Garten entwickle dich\\\", sondern man muss aktiv in diesem Garten arbeiten, damit er so wird, wie man ihn sich wünscht. Deshalb müssen sie beide immer bereit sein, für Ihren Garten, Ihre Beziehung immer da zu sein und für Ihre Beziehung zu arbeiten. Manchmal wird es viel Arbeit geben, dann wird es wieder Zeiten geben, da haben Sie weniger zu tun. Aber ich denke, es wird kaum eine Zeit geben, wo Sie nichts tun müssen, deshalb ist es immer wichtig, dass Sie beide miteinander im Gespräch bleiben und Ihren Garten nach Ihren Vorstellungen und Wünschen anlegen können. Manches wird vielleicht besser gehen, wie Sie sich das vorstellen, manches geht vielleicht schlechter, oder muss über Umwege erreicht werden. Für mich ist das wichtigste in einer Beziehung das gegenseitige Vertrauen und die gegenseitige Achtung. Man sagt zwar manchmal so lapidar: \\\"Das Vertrauen hat einen Knaks bekommen\\\", aber ich denke, dass ist das gravierendste, was Ihnen beiden passieren kann, dass das Vertrauen in den anderen Partner verloren geht. Hier muss man aber ganz klar sagen, Vertrauen kann ich sehr schnell verspielen. Ist das Vertrauen einmal verloren gegangen, dann bedarf es sehr, sehr großer Anstrengung dieses Vertrauen wieder Zurückzugewinnen. Deshalb müssen Sie hier sehr sorgfältig und sehr vorsichtig sein. Als weitere Stütze möchte ich die Treue nennen, zu wissen, dass mein Partner meine Stütze ist und dass er mir den Rücken frei hält. In einer Beziehung herrscht nicht nur Friede und Freude. Wie ich schon zu Anfang gesagt habe, sind sie zwei erwachsene Personen, wo jeder seinen Standpunkte, seine Meinung und seinen Willen hat und dadurch gibt es immer wieder Knack-, Eck- und Reibungspunkte und Auseinandersetzungen. Schon der Dichter Johann Wolfgang von Goethe hat einmal geschrieben: \\\"Im Ehestand muss man sich manchmal streiten, denn so erfährt man was voneinander\\\". Ich denke, die Auseinandersetzungen gehören wie die Harmonie zu jeder Beziehung dazu. Und ich finde, wenn einer zu Ihnen sagt, in seiner Beziehung hätte es noch nie Streit gegeben, dann möchte ich zum einen behaupten, er hat Sie angelogen, oder er lässt sich unterdrücken. Dies sollte auch nicht sein, denn die Ehe soll bestehen aus zwei selbstständigen Personen, wo jeder nicht nur das Recht sondern auch die Pfli cht hat, seine Meinung zu sagen und ich denke, wenn es Ihnen gelingt, diese Auseinandersetzungen fair auszutragen, dann ist es nicht so, dass man sich auseinander lebt, sondern dann findet man eine Lösung des Problems und einen Konsens. Deshalb ist es sehr wichtig, dass sie diese Auseinandersetzungen auch sofort austragen und nicht in sich hineinfressen, denn nur, wenn Sie die Sachen sofort ansprechen, können Sie die Probleme auch entsprechend lösen. Icg denke, hier ist es wichtig, dass sie offen miteinander umgehen und dass ich meinem Partner nicht nur das sagen darf oder muss, was mir an Ihm gefällt, sondern auch gerade das sagen muss, was mir an ihm nicht gefällt, denn nur so kann sich der andere Partner darauf einstellen und kann probieren diese Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen, um so zu einem harmonischen Zusammenleben zu kommen. Man sagt, dass WIR soll im Vordergrund stehen, das heißt, dass Sie Sachen gemeinsam machen und dass Sie diese Sachen immer miteinander tun. Es ist wichtig, dass jeder noch das Recht auf ein Eigenleben hat, das heißt, dass jeder noch gewisse Freiräume haben darf und auch vielleicht haben muss. Dies hat Heinrich Heine in folgende Worte gefasst: \\\"Die Liebe bedarf der Freiheit, um zu bestehen und zu gedeihen.\\\", Friedrich Nietzsche hat einmal geschrieben: \\\"Liebe beruht auf dem Prinzip der Freundschaft.\\\" Aber ich finde, man sollte von diesen Freiräumen zu Gunsten des anderen Partners oder zu Gunsten der Kinder Abstriche machen. Wie die Mischung bei Ihnen aussehen kann, darf und muss, das müssen Sie selber entscheiden. Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden und zu diesen Entscheidungen sollten Sie dann auch stehen. Denn manchmal denkt man sich: \\\"Oh - hätte man sich doch anders entschieden, wäre die Sache vielleicht anders gelaufen\\\", aber ich denke, dass ist reine Gedankenspielerei, denn zum Einen können Sie die Zeit nicht zurück drehen und zum Anderen wissen sie auch nicht, ob es anders verlaufen wäre. Ich denke, wenn Sie beide sagen: \\\"Das war unsere Entscheidung und zu dieser stehen wir auch\\\", dann ist es auch im Nachhinein betrachtet, die richtige Entscheidung gewesen. Und wie ich schon gesagt habe, das WIR soll im Vordergrund stehen, dazu gehört auch, dass ich meinen Partner als gleichwürdigen, ebenbürtigen Partner annehme. Das hat der Dichter Wolfgang Letz in folgende Worte gefasst: \\\"Nicht Zustimmung ist das Wichtigste, sondern Ernst genommen werden\\\". Genauso wichtig ist es, dass ich meinen Partner so annehme, wie ich Ihn kennen- und lieben gelernt habe, mit all seinen Macken und Gewohnheiten. Das hat der Dichter Michael Quoist in folgende Worte gefasst: \\\"Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird.\\\" Soweit meine Worte vor der Eheschließung. Ich möchte Ihnen jetzt, bevor Sie das Ja-Wort sprechen noch ein kurzes Gedicht eines amerikanischen Dichters vorlesen, der das schlichte Ja-Wort in folgende Worte gefasst hat: Ich will wachen, wenn du müde bist. Ich will erinnern, wenn du ergisst. Ich will schweigen, wenn du Recht hast. Ich will sprechen, wenn du irrst. Ich will vorangehen, wenn du zögerst. Ich will stark sein, wenn du versagst. Ich will gehen, wenn du alleine sein musst. Ich werde aber immer dasein, wenn du mich brauchst. Ich bitte Sie nun alle aufzustehen: Trauformel Ringwechsel – anschließende Gratulation Verlesung der Niederschrift
 
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