logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (754)

Liebe Marie, lieber Christian Ich darf euch hier im Rathaus der Stadt Gescher recht herzlich willkommen heißen. Zu einer richtigen Märchenhochzeit gehört auch ein schönes Märchen. Damit ihr und eure Gäste später einmal sagen könnt, wir haben an einer Märchenhochzeit teilgenommen, möchte ich euch heute ein Märchen erzählen. Wie alle guten Märchen, fängt auch dieses Märchen mit den Worten „Es war einmal...“ an. Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die vor vielen, vielen Jahren in einem kleinen Örtchen namens Ahaus am Rande des Münsterlandes wohnten und schon bald voneinander erfahren sollten... Der Mann, der zufällig den gleichen Namen wie der Bräutigam hat, ging in seiner Freizeit sehr gern aus. Und eines Tages traf er eine Frau – zufällig trug sie den gleichen Namen wie die Braut – er stellte voller Verwunderung fest, dass ein merkwürdiges Kribbeln im Bauch zu spüren war, wenn er sie sah. Sollten das etwa die viel beschriebenen Schmetterlinge im Bauch sein, von denen man schon soviel gehört hatte? Probehalber warf er ein Auge auf diese interessante weibliche Person. Man ließ sich zu einem Treffen überreden, denen dann immer mehr Treffen folgen sollten... Und siehe da, das Werben beider Verliebten zeigte mehr und mehr Erfolg und schon bald spürten beide immer häufiger dieses wunderschöne Gefühl in der Magengegend, wenn das Telefon oder die Türklingel läutete. Und dann endlich waren Beide ein Paar. Die Zeit verging und es war nicht immer leicht für beide. Christian übernahm die elterliche Firma. Marie musste ihre Ausbildung machen. So konnten sich beide immer nur selten sehen. Doch die Gefühle zueinander waren so stark, dass das keine so große Rolle für ihre Beziehung spielte. Dann war es soweit, Marie und Christian beschlossen, ihre 7-Sachen zu packen und nach einiger Zeit ihre erste gemeinsame Wohnung in Ahaus zu beziehen. Jetzt war die Zeit der ewigen Trennung vorbei. Jetzt konnten beide endlich mehr Zeit miteinander verbringen. So lebten sie glücklich und zufrieden und freuten sich Tag für Tag, nun endlich die schönen und die ernsten Dinge des täglichen Lebens gemeinsam zu bewältigen. Die Gefühle der Hauptpersonen des Märchens, Marie und Christian wurden im Laufe der vielen Jahre immer stärker und intensiver. Das überzeugte Christian davon, dass ihre Liebe wohl stark genug sei, das sie ein ganzes Leben zusammenhalten werden. Er beschloss nun Marie einen Heiratsantrag zu machen. Am 04. Dezember 2009 wollten Beide ihren Geburtstag feiern. Diese Gelegenheit nahm Christian wahr und kam als Ritter verkleidet auf ein Pferd zu Marie geritten und machte ihr einen Heiratsantrag. Diese bejahte seinen Antrag als Burgfräulein verkleidet. Nun stand beiden nichts mehr im Wege und nun... heute ist es endlich soweit, ihr werdet euch gleich ganz offiziell das Ja-Wort geben. Ihr habt euch davon überzeugt, dass eine lebenslange gemeinsame Zukunft machbar ist, wenn man sich aufeinander verlassen kann. Ihr wisst, dass Offenheit und Ehrlichkeit die Basis für eine vertrauensvolle Liebe und Partnerschaft ist. Ihr habt gelernt, dass man den anderen immer gehen lassen muss, damit er nach Hause zurückkehren kann. Ihr geht respektvoll miteinander um und freut euch auf die Zeiten des Tages, die ihr Seite an Seite miteinander verbringen dürft. Ihr seid euch eurer Verantwortung bewusst, dass die Liebe, die ihr euch gegenseitig schenkt, ganz behutsam angenommen werden muss und der größte Reichtum ist, den ihr in eurem Leben besitzt. Ihr vermeidet es, im Streit nebeneinander einzuschlafen, weil es euch wichtig ist, den neuen Tag friedlich miteinander zu beginnen. Ihr lasst euch den Freiraum, euch weiterentwickeln zu dürfen, ohne Angst haben zu müssen, dass der Partner euch fremd wird. Ihr habt die Erfahrung gemacht, dass ihr an eurer Verbindung zueinander täglich feilen und arbeiten müsst, damit sie ein ganzes Leben lang Bestand hat. Ihr habt euch in all den Jahren kennen gelernt und keine Angst vor dem Versprechen, miteinander alt werden zu wollen. Ihr wisst, dass ihr für ein friedliches Zuhause sorgen müsst, in das ihr gerne zurückkehrt, weil ihr dort Sicherheit spürt, eine Sicherheit, die symbolisiert, dass jemand da ist, der einem bei der Schilderung der guten Dinge und der schlechten Erlebnisse, die den Tag ausgefüllt haben, zuhört. - Heute beginnt etwas Neues: der Weg in ein Leben als Eheleute. Ein Weg der sich äußerlich kaum von dem früheren unterscheidet. Und dennoch geschieht heute etwas Besonderes: Ihr beide werdet heute die Hauptpersonen dieses Märchens und das Märchen wird Wirklichkeit mit eurer offiziellen Zusicherung, Verantwortung füreinander aufzunehmen, mit allen rechtlichen und persönlichen Konsequenzen. Sicher kennt ihr das Buch „Der kleine Prinz“. Die Geschichte handelt von einem kleinen Prinzen, einem Außerirdischen, der auf seinem Planeten u. a. einen Rosenstock hat und diesen mit viel Liebe hegt und pflegt. Er begibt sich auf eine Reise und kommt so auch auf die Erde. Dort schließt er mit einem Fuchs Freundschaft. Er kommt auch auf der Erde an einem Rosengarten vorbei und unterhält sich mit den Rosen. Dazu möchte ich ein Stück aus dem Buch zitieren: ZITAT (S. 96) Der kleine Prinz ging, die Rosen wiederzusehen. „Ihr gleicht meiner Rose gar nicht, ihr seid noch nichts“, sagte er zu ihnen. „Niemand hat sich euch vertraut gemacht, und auch ihr habt euch niemandem vertraut gemacht. Ihr seid, wie mein Fuchs war. Der war nichts als ein Fuchs wie hunderttausend andere. Aber ich habe ihn zu meinem Freund gemacht, und jetzt ist er einzig in der Welt.“ Und die Rosen waren sehr beschämt. „Ihr seid schön, aber ihr seid leer“, sagte er noch. „Man kann für euch nicht sterben. Gewiss, ein Irgendwer, der vorübergeht, könnte glauben, meine Rose ähnle euch. Aber in sich selbst ist sie wichtiger als ihr alle, da sie es ist, die ich begossen habe. Da sie es ist, die ich unter den Glassturz gestellt habe. Da sie es ist, die ich mit dem Wandschirm geschützt habe. Da sie es ist, deren Raupen ich getötet habe (außer den zwei oder drei um der Schmetterlinge willen). Da sie es ist, die ich klagen oder sich rühmen gehört habe oder auch manchmal schweigen. ....Da es meine Rose ist.“ Dies ist nur eine Geschichte, aber die Aussage die dahinter steckt, ist die: die Zeit, die ihr füreinander habt, die macht euch einander so wichtig. Nur ihr beide kennt die Ereignisse, das gemeinsam Erlebte und die Motive, die den Entschluss bis heute heranreifen ließen, nun die Ehe zu schließen. Einen wichtigen Satz sagt der Fuchs zum Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Und so meine ich, eine Hochzeit ist in erster Linie eine Herzensangelegenheit. Die Liebe zwischen euch ist für die Augen unsichtbar. Dieses nicht definierbare Gefühl, dass zwei Menschen zusammen hält, gleichgültig, was passiert. Die Liebe ist die wichtigste Grundlage. Der Fuchs hält auch einen ernsten Gedanken für seinen neuen Freund, den kleinen Prinzen, bereit. Er sagt: „Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich.“ Wenn ihr nun für das Eheversprechen bereit seid, möchte ich euch und alle Gäste bitten, sich zu erheben. Zuerst richte ich meine Frage an die Frau: Marie Untiedt, bist du bereit, mit dem hier anwesenden Christian Liemann die Ehe einzugehen, dann antworte bitte mit Ja. Christian Liemann, bist auch du bereit, mit der hier anwesenden Marie Untiedt den Bund der Ehe zu schließen, dann antworte auch du bitte mit Ja. Ich besiegle euer Eheversprechen mit einem Spruch der Schriftstellerin Fanny Lewald: „In dem festen Zusammengehören, in dem Bewusstsein der Dauer liegt die Heiligkeit und Schönheit der Ehe, die uns das Leid gemeinsam leichter tragen lässt, die Freude doppelt genießen lässt und die vollste edelste Entwicklung der menschlichen Natur zur Blüte bringt.“ Marie Untiedt und Christian Liemann, da ihr euch vor euren Eltern, vor den Trauzeugen, den übrigen Hochzeitsgästen und vor mir das Eheversprechen gegeben habt, freue ich mich, euch jetzt zu rechtmäßig verbundenen Eheleuten erklären zu dürfen. Als Symbol eurer Zusammengehörigkeit bitte ich euch nun, Ihre Eheringe anzustecken.

 
zurück zur Übersicht