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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: 763

Heute habe ich es leicht, einen Aufhänger für meine kleine Ansprache zu finden, denn ich kenne Ihr gemeinsames Hobby. Ich weiß, dass Ihr beide leidenschaftlich gerne tanzen gehen! Das Tanzen soll nun mein Einstieg ins Thema sein. Ihr werdet selbst wissen, Tanzen hat viel mit Har¬monie zwischen den Partner zu tun. Wirklich gute Standardtänzer, die auch Meisterschaften austra¬gen, sind privat oft ein harmonisches Paar. Beim Tanzen spielt es eine große Rolle, dass jeder sich auf seinen Tanzpartner einstellt. Die Regel ist die, dass der Herr führt. Guten Tänzern genügen kleinen Zeichen und Andeutungen, um aus dem Grundschritt heraus eine Figur zu tanzen. In der Regel gibt der Mann die Hilfen und die Frau ist aufmerksam, um auf jeden kleinen Wink sofort zu reagieren. Beide Tanzpartner lassen sich vom Takt der Musik leiten. Die Schritte dürfen weder zu groß Absprachen getroffen werden, zum Beispiel was die Figurenabfolge betrifft. Natürlich kann auch die Dame die Führung übernehmen, wenn beide Partner damit klarkommen. In einer Partnerschaft ist es ähnlich. Oberstes Ziel ist auch hier die Harmonie. Oft ist uns im Leben auch ein bestimmter Takt vorgegeben, dem wir uns irgendwie anpassen müssen. Zum Beispiel haben wir in Beruf und Alltag vielerlei Pflichten zu erfüllen. Oft sind wir fremdbestimmt, müssen tun, was die Situation von uns fordert. So sehr viel Freiräume, die frei von irgendwelchen Anforderungen sind, bleiben uns nicht. Harmonie zu empfinden, ist da nicht immer ganz leicht. Der Partnerschaft kommt daher eine ganz beson¬dere Rolle zu. Harmonie läßt sich noch am ehesten zu Hause mit dem Partner erleben. Doch das auch nur unter bestimmten Bedingungen. Der Unterschied zwischen dem Tanzen und der modernen Partnerschaft ist der, dass es nicht nur einen gibt, der führt, der die ganzen Geschicke lenkt und sagt wo\'s lang geht und sich der andere nur unterord¬net und mitmacht ohne eigenes Stimmrecht. Sicherlich hat phasenweise mal der eine, mal der andere mehr Ideen, denen sich der andere dann anpasst. Wichtige Entscheidungen werden jedoch gemeinsam getroffen. Anderenfalls würden wir eine Partnerschaft nicht als harmonisch erleben. Wie beim Tanzen, so auch in der Ehe kann man Harmonie erleben, wenn man einen gleichen Schritt hat. Damit meine ich: jeder Partner ist sen¬sibel für das Wesen des anderen, geht auf ihn ein und nimmt auf ihn Rücksicht. Beim Tanzen weiß man auch, wie groß man seine Schritte machen darf, um den anderen nicht zu treten und harmo¬nisch im Takt zu bleiben. In einer Lebensgemein¬schaft ist es ebenfalls von großer Bedeutung, zu wissen, wie weit kann ich gehen, um den anderen nicht zu verletzen. Beim Tanzen gibt es Figuren, wo sich die Tänzer kurzzeitig trennen, um sich dann wieder ganz nah zu sein. Auch in einer Ehe ist Nähe und Distanz ein wichtiges Thema. Ihr beide werden in Ihrer Ken¬nenlernzeit ausgelotet haben, wieviel Freiheit Ihr einander lassen und wie Ihr Ihre Zweisamkeit gestalten. Dies ist stets ein wichtiger Punkt in einer Partnerschaft, der mitverantwortlich für die Har¬monie in der Ehe ist. Tanzen ist auch ein Ausdruck von Lebensfreude. Diese Lebensfreude wünsche ich Ihnen auch für Ihre Ehe. Ich möchte meine Kleine Ansprache noch einmal mit zwei Sätzen zusammenfassen: Ich wün¬sche Euch ein harmonisches Eheleben, dass es Euch gelingt, eine partnerschaftliche Ehe zu füh¬ren, in der jeder auf den anderen Rücksicht nimmt. Ich wünsche Euch auch, dass Ihr neben der Freiheit, die Ihr einander lasst, die Zweisamkeit so richtig genießen könnt.
 
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