logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (764)

Liebes Brautpaar, werte Trauzeugen, sehr geehrte Hochzeitsgäste, ich darf Sie zur heutigen Trauung im Standesamt der Gemeinde ………. recht herzlich begrüßen. Liebe………….., sehr geehrter Herr ……………., ihr beide habt denselben Wunsch und Willen geäußert, die Ehe miteinander einzugehen und aus diesem Grunde beim Standesamt den Antrag auf Trauung gestellt. Ich durfte euren Antrag entgegennehmen und überprüfen. Nachdem keine Ehehindernisse gegeben sind, habe ich heute die ehrenvolle Aufgabe, eure Eheschließung nach österreichischem Recht vorzunehmen. Heute ist er gekommen, der Tag, an dem Ihr beide, liebes Brautpaar, auch offiziell „Ja“ zueinander sagt. Ihr seid vermutlich ein bisschen aufgeregt angesichts der Formalitäten und Festivitäten, die jetzt vor euch liegen. Aber Ihr blickt auch erwartungsvoll und glücklich in die Zukunft und habt wahrscheinlich schon viele Pläne für den weiteren gemeinsamen Weg geschmiedet. Dieser Weg wird euch auf manche Höhenpfade führen, doch manchmal werdet Ihr wohl auch holprige Strecken zu bewältigen haben. Denn das Leben hält ja für jeden gute wie schlechte Zeiten bereit. Ihr beide wollt diese Zeiten gemeinsam bestehen, ganz gleich, was kommt. Denn ihr wollt euch ein gemeinsames Leben aufbauen. Ihr habt euch gefunden und wollt nun auch in Zukunft zusammenhalten. Ihr glaubt, dass ihr zusammen glücklich werden könnt. Ihr wisst, dass zwei Menschen, die sich schätzen, einander viel geben können. Der russische Schriftsteller Alexander Herzen hat dafür folgendes schöne Bild gefunden: Liebe und Freundschaft sind wie ein Echo, sie geben zurück, was sie erhalten. Und was für Liebe und Freundschaft gilt, das gilt natürlich auch für die Ehe, die ja auf Liebe und Freundschaft basiert. Die Ehe lässt sich deshalb als ein Austausch von Geben und Nehmen verstehen. Beide Partner geben sich viel, weil sie sich mögen und sich durch gemeinsame Ziele und Interessen verbunden fühlen. Sie geben sich viel, weil sie den anderen und ihre Partnerschaft wichtig nehmen. Und dadurch bekommen beide auch viel zurück. Heute herrscht ja manchmal die Einstellung vor, es stünde einem alles Mögliche zu oder man müsse erst mal an sich denken und sehen, wo man selbst bleibt. Doch in zwischenmenschlichen Beziehungen geht es um ein Miteinander, um Glück für beide. Die Ehe ist nichts Einseitiges, sondern ein Unterfangen auf Gegenseitigkeit. Die Eheleute beziehen sich aufeinander, sie antworten einander. Nicht bloß wie ein Echo, das nur dann reagiert, wenn jemand etwas gesagt hat, und nur das zurückgibt, was es sozusagen gehört hat, sondern Eheleute werden auch von sich aus initiativ. Bei ihnen gehen Geben und Nehmen ineinander über. Beide geben dem anderen viel und bekommen daher auch viel. Beide machen etwas aus ihrer Verbindung, und dadurch kann ihnen die Partnerschaft viel geben. Was Eheleute sich geben, mag sich im Einzelnen unterscheiden. Schließlich hat jedes Paar eine etwas andere Vorstellung davon, wie eine Ehe aussehen soll; schließlich hat jedes Paar etwas andere Erwartungen. Dennoch gibt es einiges, was wohl in jeder Ehe ein Rolle spielt. Da ist zunächst einmal die Zuneigung – denn Liebe ist ja das, was zwei Menschen zusammenführt und was sie auch Schwierigkeiten überwinden lässt. Liebe ist das, was Farbe in ihr Leben bringt. Sie ist die Basis der Beziehung, auf der sich viel aufbauen lässt. Wichtige Bestandteile des Zusammenlebens sind zudem das Verständnis und das Vertrauen, das Eheleute sich geben. Sie haben ein offenes Ohr für alles, was den anderen beschäftigt und bewegt, sie sind bereit sich in den anderen hineinzuversetzen. Sie können sich ihre Gedanken und Gefühle anvertrauen und sich aufeinander verlassen. Sie geben sich emotionalen Rückhalt und unterstützen sich in der Bewältigung des Alltags oder bei der Durchführung ihrer Pläne. Sie sind füreinander da, weil sie zusammen durch dick und dünn gehen wollen. Weil sie vom anderen oder in ihrer Ehe viel bekommen, können sie dem Leben gut gegenübertreten. In einer funktionierenden Partnerschaft, in der beide auftauchenden Problemen gemeinsam begegnen, können Schwierigkeiten leichter überwunden und traurige Stunden besser überstanden werden. Eine Partnerschaft, in der beide Zuneigung und Rückhalt finden, wird das Lebensglück beider vergrößern. Zusammen mit einem Partner beziehungsweise einer Partnerin, die einem viel bedeutet, lässt sich dem Leben mehr abgewinnen. Der Dichter Matthias Claudius schrieb einst an seine Frau Rebecca: Ich war wohl klug, dass ich dich fand …… Das ist vielleicht das Beste, was Eheleute zu Beginn und während einer Ehe einander sagen können. Dass es gelungen ist, den Menschen zu entdecken, mit dem sich ein gemeinsames Leben aufbauen lässt und ein Austausch von Geben und Nehmen möglich ist. Und dass es gelungen ist, eine stabile Partnerschaft, in der beide viel geben und viel bekommen, zu entwickeln und zu erhalten. „Trauungsformel“
 
zurück zur Übersicht