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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (771)

Als ich erfahren habe, dass Sie sich standesamtlich „trauen wollen“, habe ich mir Gedanken gemacht, mit welchen Worten ich Ihren neuen Lebensabschnitt einleiten könnte. Ich hoffe, dass Ihnen die nachfolgenden Anregungen etwas für Ihren gemeinsamen Weg in der Ehe hergeben werden, vielleicht sogar Denkanstöße darstellen könnten. Zur Untermauerung meiner Worte habe ich vier Gegenstände mitgebracht, die jeweils symbolisch den Inhalt des Begriffs „Ehe“ erläutern sollen. Zuerst einmal habe ich diese „Brille“ mitgebracht. Was mag diese wohl bedeuten? Ich habe meine Gedanken etwas spielen lassen und möchte Ihnen nun sagen, was für mich dieses Symbol in Bezug auf die Ehe darstellen soll. Zu Beginn einer Ehe sieht man meist alles durch rosafarbene Brillengläser. Doch für den Erhalt einer Ehe ist es von Bedeutung, dass man die Realität, die Wirklichkeit, betrachtet. Man darf weder zu kurzsichtig noch zu weitsichtig gemeinsam durch die Welt gehen. Kurzsichtigkeit würde bedeuten, dass man nur die Gegenwart betrachtet und nicht vorausschauend denkt, Gefahren und Risiken eventuell zu spät erkennt und man somit erst zu spät eine gemeinsame Lösung für die Probleme sucht. Man sollte daher in der Ehe umsichtig sein, das heißt sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft aus dem richtigen Blickwinkel betrachten. Nicht zu pessimistisch und nicht zu optimistisch. Das ist zwar einfach gesagt, aber schwer durchführbar, daher sollte man es immer wieder versuchen. Zum Symbol der „Rose“ möchte ich nur kurz sagen: Ihre Ehe sollte so schön sein wie diese Rose, jedoch nicht so schnell verwelken. Die beste Voraussetzung, sie am Blühen zu erhalten, ist die aufrichtige Liebe, die jedoch nicht ohne Dornen ist, wie diese Rose zeigt. Der „Backstein“ soll als Symbol bedeuten, dass Ihre Ehe der Grundstein für den neuen Lebensabschnitt ist. Ihre Ehe sollte so fest sein wie dieser Backstein, jedoch nicht so leblos. Die Ehe, das heißt die Gemeinsamkeit, soll Sie schützen wie eine Mauer aus Backstein und Schutz Ihren Kindern gegen Risiken und Gefahren gewähren. Wie heißt ein Sprichwort doch gleich: „Gemeinsam sind wir stark.“ Doch dies sollte nicht soweit führen, dass jeder seine eigene Persönlichkeit aufgibt, sondern es ist erforderlich, dass jeder seinen Freiraum hat, um sich auch selbst zu verwirklichen, sich selbst entfalten zu können. Ihre Ehe wird nämlich mit Leben erfüllt, wenn gegenseitiges Verständnis, Vertrauen, Aufgeschlossenheit, Toleranz, Achtung, Liebe und Treue herrscht. Liegen diese Voraussetzungen vor, so kann auch jedem sein eigener Freiraum gewährt werden. Bemühen Sie sich daher immer, miteinander zu Reden, über das, was Sie freut und vor allem über das, was Sie bedrückt. Lassen Sie es nicht zur Sprachlosigkeit in Ihrer Ehe kommen. Es ist vor allem auch wichtig für Ihre Kinder. Denn jeder Mensch braucht eine Person, mit der er Reden kann. Ohne einen solchen Menschen zermürbt er sich selbst. Durch Reden können viele Unklarheiten beseitigt werden. Gefahren und Risiken, die in einer Ehe auftauchen, überwunden werden. Eine Ehe ohne Gefahren und Risiken gibt es nicht. Ich bringe gerne das Beispiel von der Natur und stelle fest, dass Sie sich heute einen schönen Tag herausgesucht haben, aber wie im alltäglichen Leben wird es auch in Ihrer Ehe nicht nur Sonnenschein geben, sondern es werden auch mal dunkle Regen- und Gewitterwolken aufziehen. Und gerade wenn einmal schwierige Zeiten kommen sollten ist es wichtig, immer miteinander im Gespräch bleiben zu können und die Probleme zu besprechen. Dies erscheint mir für eine Ehe besonders wichtig. Ein altes chinesisches Sprichwort bringt dies wohl treffend auf einen Nenner: „Ein liebes Wort hat Wärme für drei Winter.“ Und falls dann in Ihrer Ehe auch mal dunkle Wolken auftauchen, habe ich dieses „Taschentuch“ mitgebracht. Niemand sollte sich seiner Tränen schämen. Seien es Tränen der Freude oder Tränen der Trauer bzw. Sorgen. Üben Sie Toleranz in Ihrer Ehe. Übersetzt heißt Toleranz „Entgegenkommen“ und „Geduldsamkeit“. Dies soll aber nicht dazu führen, dass man nur aus Bequemlichkeit Auseinandersetzungen aus dem Weg geht. Toleranz soll auch nicht ständiges nachgeben oder Ja-Ja-Sagen bedeuten. Man muss sich eben mit den Alltäglichkeiten wie z. B. Berufsproblemen, unterschiedlichen Lebensauffassungen, persönliche Krisen des einen oder anderen oder eventuellen Geldproblemen auseinandersetzen und versuchen, sie zu meistern. Hierfür ist Toleranz erforderlich. Man muss auch etwas vergessen oder vergeben können. Sicher stellt eine Ehe immer auch ein Wagnis dar, denn man setzt sich das Ziel, für Jahrzehnte als Paar zusammenzuleben. Das ist nicht immer ganz einfach. Darum wünsche ich Ihnen, dass es gelingt, über diese lange Zeitspanne stets immer wieder neu aufeinander zuzugehen, so dass Ihre Liebe zueinander nicht eingeht wie eine Pflanze, die man vergessen hat zu gießen, sondern stets eine Basis ist für eine glückliche und harmonische Zukunft. In diesem Sinne möchte ich Ihnen noch eine Zitat von Friedrich von Bodel-schwingh mit auf Ihren gemeinsamen Lebensweg geben, das Sie beide sich in guter Erinnerung halten sollten: „Ein Tröpflein Liebe ist mehr Wert, als ein ganzer Sack von Gold.“ Zum Schluss möchte ich, liebes Brautpaar, in Ihrem Namen ein herzliches Dan-keschön an Ihre anwesenden Eltern richten, für all die Jahre in denen Sie, liebe Eltern, mit Trost und Geduld an der Seite Ihrer Kinder standen. Sie, liebe Eltern, sind an dem heutigen Tag in ganz besonderer Weise beteiligt, da Sie unendlich viel Zeit und Liebe mit der Erziehung Ihrer Kinder verbracht haben. Diese sind längst erwachsen, werden aber immer Ihre Kinder bleiben, auch wenn sie heute eine eigene Familie gründen. Wir kommen nun zum Trauakt und ich bitte alle Anwesenden, sich von den Plätzen zu erheben. Ich werde Sie jetzt beide fragen, ob Sie die Ehe miteinander eingehen wollen und bitte mit einem lauten und vernehmlichen „Ja“ zu antworten. Ich frage zunächst Sie, Herr……., ist es Ihr freier Wille, die Ehe mit Frau ….. zu schließen, dann antworten Sie bitte mit „Ja“. Auch an Sie, Frau ………, stelle ich die Frage: Ist es Ihr eigener Entschluss, die Ehe mit dem hier anwesenden Herrn ………. einzugehen, dann antworten Sie bitte mit „Ja“. Mit diesem Bekenntnis, das Sie soeben vor mir abgelegt haben, sind Sie nunmehr kraft Gesetzes rechtlich verbundene Eheleute. Nicht vergessen wollen wir auch Ihre Ringe, die Sie sich nun als Zeichen Ihrer partnerschaftlichen Verbundenheit gegenseitig anstecken können. So, nun darf die Braut auch geküsst werden. Herzlichen Glückwunsch!
 
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