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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (772)

Sehr geehrte Frau………………, sehr geehrter Herr ……………………..,
sehr geehrte Trauzeugen
sehr geehrte Anwesende


So ist es ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden? Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.
Diese Worte habe ich gefunden im Buch des Predigers aus dem alten Testament und sie beschreiben genau jene Absicht, die ich aus Ihrer Einladung zu dieser Hochzeitsfeier heute herausnehmen konnte, nämlich –

Zusammen durch die Welt zu gehen ist schöner als allein zu stehen; und sich darauf das Wort zu geben, ist wohl das schönste im Leben.

Ihr Leitspruch zur heutigen Hochzeitsfeier enthält alles, was Mann und Frau miteinander verbindet zu diesem Erlebnis Ehe.

Ja, was ist diese Ehe eigentlich? Ein Sakrament, das wissen wir. Die seit tausendenden von Jahren gefundene rechtliche Form des Zusammenlebens von Mann und Frau. Aber man muss auch fragen können, was die Ehe nicht ist.
Mit Sicherheit ist die Ehe kein munter dahinplätscherndes Wässerchen, wenn ich mir diesen Vergleich erlauben darf, in dem man am liebsten Erfrischung und Abkühlung sucht für ein vielleicht heiß- weil viel zu schnell laufendes Leben. Im profanen Leben ist sie tatsächlich ein nie endendes Abenteuer, spannend, kurzweilig, unterhaltsam, toll - aber durchaus auch gespickt mit vielen Gefahren. Wenn man diese Gefahren kennt und vor allem erkennt und deshalb dann auch richtig darauf reagiert, dürfte eigentlich nichts schief gehen. Man muss sich nur ständig neu motivieren und sich Tag für Tag um die Gunst des Partners bemühen, aber sich auch um seine Befindlichkeiten kümmern.

Wie man weiß, bedarf das Bestehen von Abenteuern einer gewissen Portion Mut.
Obwohl irgendein großer Denker einmal gesagt hat, Mut wäre das sichtbare Zeichen von Dummheit. Das wird im Großen und Ganzen wohl so auch stimmen und den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf treffen - aber nur dann, wenn man die Gefahren, von denen ich gesprochen habe, nicht erkennen würde oder unüberlegt auf sie zusteuert. Aber da bin ich mir gerade bei Ihnen beiden sicher, dass Sie das im Griff haben, weil Sie dem Sturm- und Drangalter entwichen sind und nicht in diese Ehe hineinstolpern.
Ich möchte natürlich mit meinen Worten aber nicht sagen, die Ehe wäre eine einzige Hindernisbahn, gespickt mit allen möglichen und unmöglichen Fallen und Hindernissen. Nein. Bestimmt nicht. Aber man muss nur wissen - sich bewusst sein, dass im Laufe dieses gemeinsamen Lebens nicht immer alles eitel Sonnenschein sein kann und sein wird.

Deshalb darf man die großen und wichtigen Dinge des Lebens nie angehen, ohne sie genau hinterfragt zu haben. Man überlegt, oder sollte überlegen, wenn man ein neues Auto kauft. Man sollte gut überlegen, wenn man ein Haus baut, oder einen Jobwechsel anstrebt. Das sind natürlich wichtige Entscheidungen, die einem so im Laufe eines Lebens abverlangt werden, und doch sind sie wahrscheinlich schnell getroffen und meist nicht von lebenslanger Bedeutung. Die heutige Entscheidung zu treffen, sich jetzt ein Leben lang an einen Partner zu binden, den man dann nicht einfach abgeben oder verkaufen kann, wie ein Auto oder eine Wohnung, wenn sie einem nicht mehr gefallen - diese Entscheidung zu treffen, das bedarf wirklich einer reichlichen, langen und kompromisslosen Überlegung - denn sie wird das Leben jedes einzelnen von Ihnen grundlegend ändern.
Sie haben Ihre Entscheidung getroffen, Sie beweisen nach reichlicher Überlegung Ihren Mut zu diesem Schritt – Sie wollen sich von heute an ein Leben lang an diesen Menschen, Ihren Partner binden.

Dabei ist jeder Mensch ist ein koplexes Ganzes für sich, der seine eigenen Neigungen, seine Vorlieben, seine Stärken, aber auch seine Schwächen hat. Versuchen Sie in Ihrer gemeinsamen Lebenswelt nicht, sich den Partner so zurecht zu richten, wie er einem passen mag. Das funktioniert nicht. Gelebte Partnerschaft darf niemals soweit gehen, dem anderen die Luft zum Atmen zu nehmen - in einer perfekten Partnerschaft entwickeln sich Mann und Frau selbständig, kreativ, innovativ weiter in Richtung Alter - daraus entstehen täglich neue, positive Herausforderungen, die in einer Ehe die gleiche Funktion haben, wie das Salz in der Suppe. Schmeckt sie schal und lind wird man sie bald nicht mehr mögen. Und das ist in der Ehe nicht anders.

Diese Feststellung und Tatsache führt uns direkt zur Frage des Vertrauens. Und glauben Sie mir; eine Ehe kann auf Dauer nur dann bestehen, wenn ein unbedingtes Vertrauen zum Partner besteht. Ein ständiges Hinterfragen oder gar in Frage stellen der Position seines Partners ist genau so tödlich für dieses Abenteuer Ehe, wie das Misstrauen eines Bergsteigers zu seinem Bergpartner in 8000 m Höhe.

Zum Schluss noch den Spruch eines alten Römers
Die Menschen glauben das, was sie sich wünschen - sagt Julius Caesar.
Wie recht er doch hat. So alt dieser Spruch auch ist, so aktuell ist er. Warum suchen sich junge Menschen und finden zusammen, um eine Familie zu gründen und in trauter Zweisamkeit alt zu werden - animalischer Fortpflanzungstrieb ist es sicher nicht - sie finden deshalb zusammen, weil sie sich ein erfülltes Leben wünschen mit dem Menschen, den sie gern haben und der bereit ist, mit ihm das Glück zu teilen. Das wünschen wir uns alle und glauben, es auch zu finden.

Mit einem Zitat von Kaiserin Maria Theresia möchte ich heute aufhören.
Sie hat gesagt:
Nichts auf dieser Welt fällt schwer, wenn man sich wahrhaft liebt, denn es ist der einzige Weg glücklich und zufrieden zu werden.
Und was gibt es schöneres und wünschenswerteres auf der Welt als Glück und Zufriedenheit.
Genau dieses Glück möchte ich Ihnen heute wünschen. Aber auch die Zufriedenheit in Ihnen und mit Ihnen selbst und mit dem was Sie in Ihrem neuen gemeinsamen Leben schaffen werden.

Alles Gute noch einmal für Sie beide.
 
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