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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (790)

Verehrte Hochzeitsgäste, ein erfreulicher Anlass führt uns heute hier, am Sonntag des 10.10.2010 zusammen – zwei junge Menschen, die schon vor einiger Zeit ihr Zuneigung zueinander entdeckt haben, sind heute hier, um öffentlich ihre Liebe zueinander zu bekunden. Oft ist es die Liebe auf den ersten Blick, manchmal braucht es auch etwas länger. Doch immer, wenn sich zwei Menschen finden, dann kommt in ihrem Leben jener Augenblick, wo ein ganz kleines Wörtchen, ein Ja über ihre weitere Zukunft entscheidet. Und so seid Ihr heute mit Ihren Trauzeugen, Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden hierher gekommen um im Kreise Ihrer Lieben einander das JA-Wort zu geben und den Bund der Ehe zu schließen. Liebes Brautpaar, die Ehe, die ihr beide heute hier schließen wollt, die kann man sich bildlich auch sehr gut mit einem Weg in unserer schönen hügeligen weststeirischen Landschaft vorstellen. Viele dieser Wege haben ihren Ursprung im Tal, und entlang von Wiesen und Wäldern schlingeln sie sich durch die herrliche Landschaft. Oft kann es aber auch sehr hügelig werden und starke Kurven und Kehren prägen den Wegverlauf. Mitunter kann es auch vorkommen, dass mitten in der Einöde der Weg aufhört und man gezwungen ist, umzukehren, um einen anderen Weg zum gemeinsamen Ziel zu suchen. Wie soll man sich nun als Ehepaar auf dem Weg des gemeinsamen Glücks verhalten, um nicht davon abzukommen? Bei der Suche nach der Antwort auf diese Frage, wurde einmal einer zu vielen Personen geschickt, die ihm dabei behilflich sein könnten. Einer davon war ein Bergsteiger. Also ging er zu ihm und stellte ihm die Frage: Kannst du mir sagen, was ich beachten soll, wenn ich mit jemanden gehen will? „Gehen? ….. Wohin?“ „Wohin“? „In die Zukunft. Ich möchte mit jemanden in eine gemeinsame Zukunft gehen!“ „Das weis ich nicht“, sagte der Bergsteiger, „aber ich kann dir sagen, wie es ist, wenn du mit jemanden auf einen Berg gehen möchtest!“ „Das Wichtigste dabei ist: Du brauchst beide Hände frei, um sicher und zügig voranzukommen. Jeder muss in der Lage sein, den Weg auch alleine gehen zu können. Jeder hat sein eigenes Tempo, wer ein fremdes Tempo gehen muss, der kann den Weg, die Landschaft nicht genießen! „Und es gibt Abschnitte, wo du warten musst, wo du alleine chancenlos bist, wo du deinen Partner brauchst, weil ihr euch einander helfen müsst um weiter zu kommen. Und es gibt Stellen, wo ihr verweilen sollt, um den Augenblick und die Situation gemeinsam zu genießen. Dann – im Stehen, im Verweilen, im Genießen – dann kannst du deine Hände reichen, beide. Um den Partner festzuhalten, um ihm zu umarmen, um alles das, wofür es keine Worte mehr gibt zu sagen. Wenn du wieder ein Stück vorankommen willst, musst du dich aber wieder lösen. Denn zum gemeinsamen Gehen brauchst du wieder beide Hände frei! Liebe Daniela, lieber Hans-Peter, ich denke, dass ihr beide schon vorher nach diesen Grundsätzen gelebt habt. Ihr beide habt sicherlich das feste Gefühl, füreinander bestimmt zu sein und auch die echte Überzeugung, in eurem gemeinsamen Leben nicht nur gut miteinander auszukommen, sondern auch glücklich zu werden. Ein Gedicht von Johann Gottfried von Herder lautet: Es ist immer ein Glück wenn sich zwei Menschen finden und einander so gut verstehen dass sie zusammen gehn. Denn das Glück, geliebt zu werden ist das höchste Glück auf Erden. Zum Glück und Glücklichsein, von dem alle sprechen, nach dem sich alle sehnen, gehört aber zweifellos die Zuverlässigkeit und vor allem die Treue des Ehepartners. Ohne sie ist eine dauerhafte Partnerschaft fast nicht möglich. Denn, wir möchten uns ja immer auf den anderen in jeder Situation verlassen können. Und wenn zwei Menschen zusammen leben, muss einer auf den anderen auch Rücksicht nehmen. Und so wird es auch nicht ausbleiben, dass es auch in eurer Ehe Ärger, Streit und Spannungen geben wird, und manchmal können sogar ernsthafte Krisen aufkommen. Am Anfang eurer Beziehung, als ihr euch kennen gelernt habt, habt ihr sicherlich auch das Gefühl verspürt, so viel Zeit als möglich miteinander zu verbringen um so auch viel vom Partner zu erfahren. In dieser Phase des Kennen Lernens hat sich dann allmählich Vertrauen entwickelt. Das Vertrauen, sich auf seinen Partner verlassen zu können, das Vertrauen, einen Menschen gefunden zu haben, mit dem man seine Ängste und Sorgen aber auch Erfolge und Freuden besprechen kann, ohne dabei Angst haben zu müssen, das die eigenen Schwächen von ihm ausgenützt werden. Und in diesem gegenseitigen Vertrauen habt ihr ja bereits vor einiger Zeit begonnen, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. In dieser Zeit des Kennenlernens habt ihr dann festgestellt, dass ihr vielfach die gleichen Interessen, Vorstellungen und Hobbies habt und dass euch zumeist die gleichen Dinge im Leben wichtig sind. Aufbauend auf eure Gemeinsamkeiten und vor allem dem Wunsch, die Zukunft gemeinsam zu bestreiten, habt ihr bereits eurer erstes großes gemeinsames Werk begonnen, und zwar das Elternhaus vom Stefan so auszubauen, wie es euren Vorstellungen und Wünschen entspricht. Eurer Verantwortung bewusst, habt ihr dann auch Ja zu Eurer Tochter xxxxxxxxxxx gesagt, der am 5. Juni bereits ihren 2. Geburtstag feierte. Und ich finde es sehr schön, dass sie heute diesen Tag mit euch mitfeiern kann. Dabei ist vielen Menschen der berufliche Erfolg, ihre Freiheit – oder ganz einfach das Verlangen, vorher noch etwas zu erleben viel wichtiger, als die große Verantwortung Kinder groß zu ziehen. Ihr werdet aber sicherlich auch schon festgestellt haben, dass ein Kind eine ungeheuere Bereicherung für eine Partnerschaft sein kann. Liebes Brautpaar, wenn man eure bisherige Partnerschaft von der rechtlichen Seite betrachtet, so muss man feststellen, dass das nur eine lose Bindung ist. Eine Lebensgemeinschaft, wie man sie heute auch nennt und wie sie in unserer Gesellschaft durchaus üblich geworden sind. Mit Eurem heutigen JA-Wort schließt Ihr aber eigentlich auch einen Vertrag. Einen Vertrag, der euch beide auf unbestimmte Zeit – und ich hoffe doch – lebenslange Zeit aneinander bindet. Denn, nicht ich schließe Eure Ehe, sondern Ihr mit Eurem JA-Wort. Meine Aufgabe ist nur die Feststellung, dass ihr dadurch rechtlich verbundene Eheleute seid. Jetzt stellt sich aber die berechtigte Frage, warum soll man heutzutage überhaupt noch heiraten, wenn man in einer Lebensgemeinschaft eigentlich das gleiche haben kann. Liebes Brautpaar! Es muss heutzutage niemand heiraten – und doch passiert es immer wieder, so wie auch bei Euch: Da sind zwei Menschen die sich in der Blüte ihres Lebens kennen und lieben gelernt haben. Du, lieber Stefan hast festgestellt, dass deine Martina eine Frau ist, die das Herz am rechten Fleck hat. Mit jedem Herzschlag wirst du daran erinnert, dass es füreinander schlägt und dass man mit so einer Frau eine euch auch ungewisse Zukunft gemeinsam meistern kann. Und in diesem gegenseitigen Vertrauen, dass jeder dem anderen beisteht, in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit übernimmt jeder von Euch auch Verantwortung. Verantwortung für seinen Partner aber auch Verantwortung für die gemeinsame Zukunft, Verantwortung für die ganze Familie. Und wenn man das Ganze betrachtet, stellt man fest, dass Ihr beide schon ein schönes Stück des Weges gemeinsam gegangen seid und auch schon einiges an Lebenserfahrung sammeln konntet. Und dennoch habt Ihr das Gefühl, dass bei Eurem Glück noch etwas fehlt! Es freut mich, dass Ihr richtig erkannt habt, dass Eure Liebe noch ORDNUNG braucht. • Und diese Ordnung stellt Ihr mit Eurem heutigen Eheversprechen her. • Und als sichtbares Zeichen nach außen hin werdet Ihr neben den Eheringen auch einen gemeinsamen Familienamen führen. Man darf sich aber dennoch nicht der Täuschung hingeben, dass mit der Eheschließung an der gegenseitigen Beziehung nicht mehr gearbeitet werden muss. Es ist nämlich genau umgekehrt. Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen, dass man im Gespräch bleibt und so eine lebendige Ehe führen kann. Auch unser berühmte Künstler Prof. Gustinus Ambrosi hat sich mit dem Spannungsfeld über das Zusammenleben von Mann und Frau beschäftigt und ein Werk geschaffen, das die Sehnsucht des Menschen in eindrucksvoller Weise darstellt. Dabei handelt es sich um das Werk „Promethidenlos“ zu meiner Rechten. Und er beschreibt es wie folgt: Im Zentrum sieht man einen Felsen der das Leben darstellt. Darüber schwingt sich eine Frau glücklich durch den Raum. Auf der anderen Seite ist ein Mann sichtbar, wie an den Felsen angekettet erscheinend. Die Fesseln aber sind die Hände der dahinschwebenden Frau. Und beide: Mann wie Frau, berühren sich in einem ewigen Kuss der Glückseligkeit! Und doch leiden beide aneinander: Der Mann leidet an der Frau und liebt sie doch, die Frau liebt den Mann und leidet an ihm... Beide wollen auseinander und müssen doch ewig zusammen bleiben. In diesem Sinne wünsche ich Euch, dass Ihr die Liebe in Eurer Ehe findet und diese ein Leben lang anhält. Und, wenn auch immer dunkle Wolken über Euren Beziehungshimmel aufziehen, dass Ihr die richtigen Worte finden, diese Zeit gemeinsam zu überstehen Denkt dabei immer an das Zitat: „Du bist mir so viel wert, dass ich zu allem Guten bereit bin, um Dich glücklich zu machen!“

 
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