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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (801)

Es geht also um das kleine Wort „Ja“, dass Ihr schon vor einiger Zeit für sich als das richtige Wort angenommen haben. Und dieses entscheidende Wort möchte ich auch zum Mittelpunkt meiner kleinen Ansprache an Euch machen. Denn dieses Wörtchen wird Euch heute miteinander verbinden vor der Gesellschaft, in der wie leben, vor dem Recht, das uns gegeben ist, und vor dem Staat, für den verheiratete Paare in vielem etwas anderes sind als die, die das Wörtchen „Ja“ noch nicht für sich entdecken konnten. So kurz das Wort, so groß sind die Veränderungen, die es herbeiführen kann, und so groß ist das Versprechen auf Glück, das es in sich trägt. Warum kann dieses kleine Wort soviel bewirken und bedeuten? Es unterscheidet sich beispielsweise vom Wort „Vielleicht“. Viel Leichtes steckt in diesem Wort, und darum heißt es auch so: vielleicht. Etwas ist immer dann „vielleicht“, wenn man eine Entscheidung nicht treffen will, und nicht selten steckt Bequemlichkeit dahinter. Eine nicht getroffene Entscheidung läßt Wege offen, ver- meidet die Festlegung und ermöglicht es einem, seiner Verantwortung aus dem Weg zu gehen. Wenn zwei Menschen, wie ihr beide, sich aber dafür entscheiden, das weitere Leben als Ehepaar zu führen, dann habt es Ihr Euch ganz gewiß nicht leicht gemacht. Ihr sorgt euch künftig nicht mehr nur für sich selbst, sondern der Partner braucht Eure Aufmerk- samkeit, Rücksichtnahme und Unterstützung. Eine Ehe zu gestalten ist nicht immer ganz leicht, so sehr sie auch die Möglichkeit großer Erfüllung im Zusammenleben bereithält. Bettina und Günter, mit Ernst und Freude habt Ihr das „Vielleicht“ aus Eurem Leben gekehrt und Euch für ein einvernehmliches „Ja“ entschieden. Ein anderer Widersacher des „Ja“ ist das Wort „Egal“. Egal ist heute vieles geworden, feste Überzeugungen sind im Schwinden und die Beliebigkeit im Vormarsch. Manch- mal kommt es vor, dass die Frage „Möchtest du mich heiraten?“ beantwortet wird mit einem lapidaren: „Warum nicht?“. Andere fragen „Wie soll es weitergehen?“ und hören dann: „Schau’n mer mal!“. Euer „Ja“ zur Ehe, liebes Brautpaar, das ihr Euch heute gebt, ist eine feste Entscheidung für den Partner und dafür, die kommenden guten und manchmal auch schlechten Zeiten gemeinsam zu bewältigen. Das fragende „Warum nicht?“ habt Ihr hinter Euch gelassen und dafür das entschiedene „Ja“ gesetzt. Es gehört zum Wesen der Entscheidung für die Ehe, dass man zusammenstehen will „komme, was da wolle“. Beliebigkeit gilt dann nur für all die Dinge, die in Eurem Leben zu zweit auf Euch zukommen werden; sie soll aber nie für das Leben gelten, das ihr miteinander führt. Hier darf nichts beliebig sein von dem, das den Kern Ihrer Ehe ausmacht: Aufmerksamkeit für den Partner, Unterstützung in allen Lagen, gegenseitiger Re- spekt, Zuspruch und Vertrauen. Von dem romantischen Dichter Joseph von Eichendorff ist uns ein Gedicht überliefert, das ich Euch gerne vortragen möchte: Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort. Dieses Zauberwort, das in das Leben von uns Menschen ein Lied hineinträgt, ist für jeden, der danach sucht, ein anderes. Es kann eine Geschichte sein, die man erlebt; es kann ein Gespräch mit einem guten Freund sein; auch kann es ein Wort sein, von dem man nur träumt, das aber doch den Tag verwandelt. Bettina und Günter, ihr habt es gefunden, dieses kleine Wort, und es wird Euer Leben ab heute verwandeln. Es bedeutet den Anfang Eures gemeinsamen Lebens, es wird auf Eure Zukunft wirken; und es ist – so kenne ich Euch - Ausdruck für die Art und Weise, in der ihr beide Euch entschlossen haben, heute die Ehe einzugehen: ein freudiges und entschiedenes „Ja“.
 
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