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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (813)

Liebes Brautpaar, lieber ......, sehr verehrte Gäste, ich als Ihre Standesbeamtin heiße Sie herzlich im Standesamt von .......... willkommen. Mein Name ist ......... und ich habe heute die ehrenvolle Aufgabe Ihre Eheschließung vorzunehmen. Doch bevor ich zum eigentlichen Teil der Eheschließung komme, möchte ich ein paar persönliche Worte an Sie richten. Hinter dem Entschluss zu heiraten steht meist eine große, gegenseitige Zuneigung. Zwei Menschen haben sich füreinander entschieden, sie haben erfahren, wie wichtig ihnen diese Liebesbeziehung geworden ist, sie möchten ihren Gefühlen folgen. Ich will mit dem gehen, den ich liebe fängt deshalb ein Liebesgedicht von Bertolt Brecht an, in dem es darum geht, diesen gemeinsamen Weg ohne jedes Wenn und Aber zu beschreiten. Auch Sie haben sich dazu entschlossen: mit dem Menschen zu gehen, den Sie lieben. Sie fühlen, dass Sie zusammengehören; Sie vertrauen einander und der Stärke Ihrer Bindung. Sie folgen Ihren Gefühlen, Ihrer Liebe zueinander. Darüber hinaus hat diese Entscheidung auch für Ihren gemeinsamen Sohn eine große Bedeutung. Sie alle zusammen formieren sich heute zu einer neuen Einheit, einer neuen Familie. Und dass Sie eine glückliche Familie sind, zeigt Ihr Wunsch, heute zu heiraten. Liebe, Treue, Zweisamkeit sind heute keine altmodischen Begriffe mehr. Ganz im Gegenteil, junge Leute von heute zeigen wieder aller Welt: „Wir gehören zusammen!“ Und das ist gut so! Sie wollen nicht nur Wasser- und Stromrechnungen teilen, ein gemeinsames Konto führen und in derselben Zeitung lesen, sondern auch den Rest ihres Lebens zusammen glücklich sein. Doch was ist Glück? Der große Lottogewinn und ein dickes Konto, Glück im Beruf, Glück in der Liebe? Alle Menschen haben die Sehnsucht nach einer glücklichen Welt. Romantisch Verliebte spielen die Sinfonie des Lebens gern vierhändig. Steuerersparnis und günstige rechtliche Rahmenbedingungen sind dabei Nebensache. Was wirklich zählt, sind nicht Geld und Reichtum oder Ansehen und Macht, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen. Nun will ich hiermit natürlich nicht abstreiten, dass man auch Geld zum Leben braucht und es recht angenehm ist, sich etwas leisten zu können. Und gleichermaßen ist es für die Menschen wichtig, Erfolg zu haben, im Beruf voranzukommen, sich etwas aufzubauen. Doch das, was uns richtig glücklich macht, was uns Kraft und Rückhalt gibt, das liegt im zwischenmenschlichen Bereich, das liegt auf einer gefühlsmäßigen Ebene. Jeder braucht einen Menschen, bei dem er sich mal aussprechen kann, der ihn so akzeptiert, wie er nun mal ist, der ihm, wenn nötig, mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie, liebes Brautpaar, sind gerade dabei, und nehmen sie es mir bitte nicht übel, wenn ich den Begriff gebrauche, Ihre „Wilde Ehe“ zu zähmen und den Wechsel vom „Paar ohne Trauschein“ zum „Paar mit Trauschein“ zu vollziehen. Die Ehe ist ein Bund fürs Leben. In unserer Rechtsgrundlage, dem BGB, steht hierzu ganz nüchtern: „Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen füreinander Verantwortung.“ Wie viel leichter ist es, ganz unverbindlich mal Ja und bei ersten kleinen Problemen dann Nein zu einem „Lebensabschnittspartner“ zu sagen, das passt sicher gut in unsere schnelllebige, oftmals oberflächliche Zeit. Sie haben sich bewusst für den schwierigeren Weg entschieden, weil sie einander vertrauen, weil sie darauf vertrauen dürfen, dass ihre Liebe so reich vorhanden ist, dass sie für ein langes gemeinsames Leben reicht. Nehmen sie den anderen wie er ist! Oftmals denkt man, na ja die kleinen Macken und Besonderheiten werde ich ihm/ihr noch abgewöhnen mit der Zeit und man glaubt, sie oder ihn in der Ehe dann so zu erziehen, wie es dem eigenen Idealbild entspricht. Tuen sie dies nicht! Versuchen Sie nicht die Ecken und Kanten glatt zu feilen. Denn dann ist das plötzlich ein ganz anderer Mensch und nicht mehr der, in den sie sich verliebt haben, der doch der Richtige war. Haben sie Geduld und Ausdauer, Verständnis und auch Achtung vor der Persönlichkeit des Anderen. Das heißt auch, Freiräume zu gewähren und den anderen nicht einzuengen. Auch wenn dies vielleicht bedeutet, sich selbst ein Stück zurück zu nehmen, weil z. B. das Hobby des anderen manchmal wichtiger scheint. Der Tag der Eheschließung stellt mit Sicherheit einen besonderen Höhepunkt im Leben der Menschen dar; es ist der Tag, an dem sich zwei Menschen aus Liebe ihr Ja-Wort geben. Dieses Ja gilt aber nicht nur für freundliche, schöne und harmonische Tage und Zeitabschnitte, dieses Ja muss auch Bestand haben, wenn einmal schwere Zeiten eine Ehe belasten oder überschatten. Es wird nicht immer eitel Sonnenschein sein, das eine oder andere Wölkchen wird sich einschleichen, ab und zu auch ein Gewitter. Sein sie sich bewusst, dass sie für das Wetter in ihrer Ehe selbst verantwortlich sind. Und wenn sich trotz sorgfältigem Bemühen ein Gewitter nicht so leicht vertreiben lässt, dann denken sie an Heute und Morgen und an das Herzklopfen und die Vorfreude auf ihre schönsten Tage und wie wunderbar diese Tage waren, trotz aller Hektik und Arbeit der Vorbereitungen. Manchmal hilft es auch, sich „Wolkenschieber“ zu holen, ihre Trauzeugen zum Beispiel, die sie mitgebracht haben und die das eine oder andere Auge auf ihre Ehe haben. Sie kennen sich nun genau 10 Jahre, haben bereits einiges miteinander erlebt und dabei erfahren, dass sie gut miteinander auskommen. Sie sind sich ihrer Gefühle sicher, sie wissen, dass sie zusammenbleiben wollen. In der Phase des Kennenlernens wurde ihre Liebe auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Sie waren beide noch in der Ausbildung und hatten nur an den Wochenenden und an den gemeinsamen freien Tagen Zeit, die Zweisamkeit zu genießen. Aus ihrer anfänglichen Zuneigung ist Liebe gewachsen. Liebe bedeutet, die Wünsche des Anderen wichtig zu nehmen und füreinander da zu sein. Liebe bedeutet, zuzuhören, Anteil zu nehmen, zu trösten, zu lachen, zu weinen, sich zu beschenken – und noch vieles vieles mehr. Sie haben gemeinsam Lebenspläne geschmiedet und wollen die Zukunft Seite an Seite meistern. Um ihre Liebe, Ihr Familienleben zu genießen, haben Sie sich den Traum vom eigenen Haus wahr gemacht und damit der der Familie ein Heim der Geborgenheit geschaffen. Auch ihre Ehe ist ein gemeinsames Haus, in dem sie Schutz und Geborgenheit erfahren. Mit der Geburt Ihres Sohnes ....., ihrem Wunschkind, der heute mit dabei ist, wurde ihr Lebensglück perfekt. Eine runde Sache wird die Ehe erst mit der Familie. Zu erleben, wie werdendes Leben beginnt, wie es sich entwickelt, über die Geburt, bis zum ersten gesprochenen Wort gehört zu den glücklichsten Erfahrungen im Leben eines Paares. Sie konnten es bereits gemeinsam erfahren. Der Dichter Novalis hat einmal geschrieben: Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter. Ihre Liebe, die Liebe zu Ihrem Kind ist der Grund diese Ehe einzugehen und das Fundament für ein gemeinsames langes und glückliches Familienleben. Bis zum heutigen Tag fanden sie eine große Unterstützung in ihren Eltern. Ohne sie wäre manches sicher nicht möglich gewesen. Sie standen ihnen so manches Mal mit Rat und Tat zur Seite. Dafür liebe Eltern danken ihnen Ihre Kinder von ganzem Herzen. In ihrem Herzen haben ja schon früher zueinander \"Ja\" gesagt, \"Ja\" gesagt, einen gemeinsamen Lebensweg zu gehen. Heute soll er offiziell werden. Doch wie soll er aussehen, der gemeinsame Lebensweg? Gibt es ein Rezept dafür? Was machen Sie aus Ihrer Ehe? Gern würde ich Ihnen heute eine kleine Zauberflasche mit der Aufschrift: \"Glück\" \"Zufriedenheit\" \"Zärtlichkeit\" \"Weisheit\" \"Treue\" \"Demut\" usw. schenken. Das kann ich leider nicht, aber ich möchte Ihnen eine Geschichte mit auf den Weg geben: Es war einmal ein Bildhauer, der einen riesigen Granitblock bearbeitete. Jeden Tag hieb und hackte er an dem formlosen Stein herum. Ein kleiner Junge kam vorbei, schaute ihm eine Zeitlang zu und fragte ihn: \"Was suchst du denn?\" \"Abwarten\", sagte der Bildhauer. Eine Woche später kam der Junge wieder. Inzwischen hatte der Bildhauer ein wunderschönes Pferd aus dem Granitblock herausgemeiselt. Der Junge starrte sprachlos das Pferd an und fragte den Bildhauer: \"Woher hast du denn das gewusst, dass das schöne Pferd darin steckt?\" Am Start Ihrer Ehe stehen Sie vor einem unbehauenen Fels ihrer Liebe. Die gemeinsame Arbeit kann beginnen, um Ihre Träume von Ehe und Glück in die Realität umzusetzen. Es kann nur Ihr Werk sein, die Ehe in bestimmter Form zu verwirklichen. Ab heute sind Sie der Bildhauer Ihres gemeinsamen Lebens und dazu wünsche ich ihnen alles Gute. Sammeln Sie in der Ehe nicht Jahre mit Gewohnheiten und Langeweile, sondern sammeln Sie Verständnis füreinander. Versuchen Sie nicht nur durch Ihre Augen zu sehen, durch Ihre Ohren zu hören, durch Ihre Seele zu fühlen, sondern durch die Augen des anderen zu sehen, durch die Ohren des anderen zu hören, durch die Seele des anderen zu fühlen. Dann werden Sie immer füreinander Verständnis haben. Sie haben sich das wunderschöne Lied von Xevier Neido ausgesucht: Sag es laut, wenn du mich liebst Sag es laut, dass du mir alles gibst Sie haben viele liebe Menschen mitgebracht, die alle nur dabei sind, um dieses eine Wort von ihnen zu hören, also, lassen sie ihr Herz sprechen! Ich darf Sie nun bitten sich gemeinsam mit mir von den Plätzen zu erheben, damit alle ihr lautes „Ja“ hören können

 
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