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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (821)

Ich begrüße Sie ganz herzlich hier im Standesamt. Weiter heiße ich Ihre Trauzeugen und die anwesenden Gäste und besonders die Eltern des Brautpaares recht herzlich willkommen. Eigentlich hatte ich mir für Ihre Traurede schon was anderes ausgedacht und mir im Geiste auch schon angefangen auszuformulieren. Aber als ich mir Ihr mitgebrachtes Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe durchlas, habe ich alle meine Gedanken verworfen. Beginnen möchte ich mit diesem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe: Gingko Biloba Dieses Baums Blatt, der von Osten Meinem Garten anvertraut, Gib geheimen Sinn zu kosten, Wie’s den Wissenden erbaut, Ist es Ein lebendig Wesen, Das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, Dass man sie als Eines kennt? Solche Frage zu erwidern, Fand ich wohl den rechten Sinn, Fühlst du nicht an meinen Liedern, Dass ich Eins und doppelt bin? Dann habe ich im Internet recherchiert und festgestellt, dass im eingebürgerten botanischen Fachnamen „Gingko biloba“ das lateinische Adjektiv bi-loba, also zwei-lappig, zwei-spaltig, zwei-teilig bedeutet. Und das wiederum fand ich ganz passend für die Ehe. Und so finde ich, dass das Gingkoblatt ein gutes Symbol für die Ehe darstellt. Nicht ohne Grund haben Sie sich dieses Gedicht ausgesucht. Sie, Frau NN sagten in unserem gemeinsamen Gespräch über Herrn NN, dass er der ruhende Pol in ihrer Beziehung ist. Wenn er der ruhende Pol ist, dann können Sie nur der dazugehörende Gegenpol sein. So ist das eben mit den Polaritäten. Und Polarität ist nicht einfach Dualität. Dualität bedeutet zwei unverbundene nebeneinander stehende Pole. Also im übertragenen Sinne lernten sich zwei selbständige Menschen -Mann und Frau- am TT.MM.JJJJ kennen und verlieben sich ineinander. Und so entstand die Polarität NN und NN, eine spannungsvolle Einheit aus zwei Polen. Oder noch anders ausgedrückt, würde ich Sie als aufeinander bezogene Verschiedenheit beschreiben. Das eröffnet Möglichkeiten, die heute noch gar nicht abzusehen sind. Trotz Ihrer Polarität, sind Ihre grundlegenden Fragen geklärt. Sie sind sich Ihrer und Ihrer Beziehung sicher und Sie konzentrieren sich ganz auf Ihr Miteinander. Sie haben gerade wegen dieser Polarität erfahren, dass Sie einander viel geben können, wie z.B. die Fröhlichkeit, das einfühlsame und doch temperamentvolle Wesen von NN oder die Ausgeglichenheit und Geborgenheit, die Sie NN Ihrer Partnerin geben. Sie schenken einander Vertrauen und daraus hat sich die Achtung füreinander entwickelt. Dadurch vertieft sich Ihre gegenseitige Liebe täglich immer mehr. Aber trotzdem ist es Ihnen wichtig, dass Sie sich den Freiraum gewähren, den Sie für die eigene, persönliche Entwicklung brauchen. So unterstützen sich darin gegenseitig. Auch als Ehepaar, das durch Ihr gemeinsames „JA-Wort“ als neue Struktur entsteht, bleiben Sie die beiden Personen und Persönlichkeiten. Die Zweiheit in der Einheit sozusagen. Die Grundstruktur der Ehe ist daher die Polarität von Nähe und Distanz, von Bindung und Freiheit, von Zweisamkeit und Einsamkeit. Diese Polarität in einem ausgeglichenen Verhältnis im Alltag integrieren zu können, ist die eigentliche Herausforderung jedes einzelnen von Ihnen. Einer Ihrer Wünsche für Ihre gemeinsame Zukunft ist die Offenheit. Sie sind bereit für Veränderungen und nehmen Neues gerne mit Toleranz und Verständnis in Kauf. So sind Sie gut auf die genannte Herausforderung vorbereitet. Damit wir nun den Grundstein für die Einheit in der Zweiheit legen können, bitte ich Sie sich mit mir zu erheben. Liebe Frau NN, lieber Herr NN, oft sprechen wir im Alltag das kleine Wörtchen „JA“ aus. Aber nur selten hat es eine solche Bedeutung wir in diesem Moment, da Sie beide sich gegenseitig durch dieses „JA“ die Bereitschaft erklären, Ihrer Liebe eine neue Form zu geben und somit stets füreinander da zu sein. Die Form des Gingkoblattes – als Symbol für Ihre gegenseitige Liebe stellt somit Ihre Einheit in Ihrer Zweiheit dar.

 
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