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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (846)

Liebes Brautpaar, liebe Gäste, ich begrüße Sie ganz herzlich hier in unserem Rahaus Wenn ein Paar sich das Jawort gibt, dann hat es wahrscheinlich eine ganze Reihe von Gründen für diesen Schritt. Aber ein Motiv wird sicher in der Überzeugung liegen, miteinander glücklich werden zu können. Denn nach Glück sehnen wir uns doch alle, und zu den Bereichen, von denen wir uns Glück erhoffen, gehört vor allem eine Liebesbeziehung beziehungsweise die Partnerschaft. Deshalb möchte ich meine kleine Ansprache auch mit ein paar Worten über das Glück beginnen. Und dazu möchte ich Ihnen einen Ausspruch von Albert Schweitzer, dem berühmten Tropenarzt zitieren, der einmal sagte: Das Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Wenn man andere an seinem Glück teilhaben lässt, gibt man also nichts weg, sondern bekommt etwas hinzu: Man wird glücklicher. Schweitzer hat sich bei diesem Ausspruch vielleicht auf sein Wirken in Afrika bezogen. Doch vermutlich hat er auch seine Ehe gemeint. Denn das, was er anspricht, trifft ja genau auf eine Paarbeziehung zu, in der beide ihr Glück miteinander teilen wollen. Wer selber glücklich ist, möchte dem anderen etwas von seinem Glück abgeben. Er möchte ihn glücklich sehen, ihn glücklich machen, und ist auch selber glücklich, wenn ihm das gelingt. Wenn zwei sich gemeinsam freuen, erleben sie dieses Gefühl viel intensiver. Das Glück erfährt also eine Steigerung, wenn wir den anderen daran teilhaben lassen oder wenn wir es gemeinsam empfinden. Geteilte Freude ist doppelte Freude heißt es deshalb so treffend in einem Sprichwort. Dieses Sprichwort beginnt, wie Sie sicher wissen, mit einem anderen, ähnlich paradox klingenden Ausspruch, nämlich: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Hier geht es nun darum, dass etwas weniger wird, wenn man es teilt. Und auch dies trifft vor allem zu, wenn zwei Menschen eng miteinander verbunden sind. Denn wenn jemand Kummer mit einem trägt, Sorgen oder Probleme mit einem durchsteht, oder wenn zwei Menschen schwierige Zeiten zusammen durchleben, dann ist das Leid leichter zu ertragen oder kommt einem nicht mehr so schwerwiegend vor. Vielleicht geht es Ihnen ja auch so, dass Sie nicht immer nur Glück verspüren und das Kommende freudig erwarten. Vielleicht sind Sie auch ein bisschen unsicher, wie es nun weitergehen wird, obwohl Sie sich lieben, sich vertrauen und einander gut kennen. Immerhin markiert dieses offizielle Jawort den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Wenn Sie also ein bisschen unsicher sind, sollten Sie sich sich das ruhig eingestehen. Denn es ist ja ganz normal, neben Freude oder Stolz auch so etwas wie Leere zu verspüren, wenn ein Ziel erreicht wurde. Das eröffnet zudem die Chance, diese Leere mit neuen Zielen und Inhalten zu füllen. Mit Zielen, die Sie von nun an gemeinsam erreichen wollten und mit Inhalten, die Ihr Eheleben ausmachen sollen. Die enge Verbindung zu einem anderen Menschen ist also eine Lebensform, die das Leben leichter macht und die zu einer Quelle des Glücks werden kann. Denn gemeinsam lässt sich mit Problemen und Konflikten viel besser fertig werden, und gemeinsam erlebt jeder die schönen Seiten des Lebens viel intensiver. Und beides, die dunklen wie die hellen Zeiten, hält das Leben nun mal für einen bereit. So wie jeder erwarten darf, dass die Liebe ihm schöne Stunden schenkt, so muss jeder auch damit rechnen, dass im Leben nicht immer alles glatt läuft. Und dann ist es immer gut, nicht allein dazustehen. Denn wie für das Glück trifft auch für die Zweisamkeit eine Art von Paradox zu: Jeder hat mehr vom Leben, wenn er es mit einem anderen teilt. Wenn er jemanden hat, mit dem er die Sorgen und Freuden des Lebens teilt. Wir gewinnen an Lebensqualität, wenn wir nicht allein dastehen, sondern unser Leben mit jemandem zusammen verbringen. Denn beim anderen finden wir Verständnis sowie Rückhalt und Unterstützung, und das Zusammenleben mit dem Menschen, den man liebt und dem man vertraut, gewährt Glück und Zufriedenheit. Das Zusammenleben ist also ein Weg, ein zufriedenes Leben zu führen. Zum einen, weil es hilft, mit schwierigen Phasen fertig zu werden, und zum anderen natürlich, weil es selbst zu einer Quelle des Glücks wird. Aber: Es sind nicht immer große Taten, die fürs Leben zusammenschweißen: In einem Gedicht von Wiebke Herich kommt das zum Ausdruck: Nur einen Augenblick Zeit haben für ein Gespräch für einen Händedruck für ein Lächeln Nur einen Augenblick Zeit haben für den anderen für seine Gedanken für seine Ängste für seine Freude. Diese kleinen Augenblicke Zeit halten Ihre Beziehung immer lebendig, lassen die Faszination füreinander bis ins hohe Alter überdauern. Ich wünsche Ihnen, dass Sie alles, was Ihnen im Leben widerfährt, gemeinsam bewältigen und dass es viele Stunden des Glücks gibt, die Sie gemeinsam genießen können. ...

 
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