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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (847)

Liebes Brautpaar, sehr geehrte Gäste, ich begrüße Sie ganz herzlich hier in unserem Trausaal. Heute ist er nun gekommen, der festliche Tag, an dem Sie beide sich das Jawort geben. Glücklich und zuversichtlich sehen Sie in die Zukunft, denn Sie fühlen sich durch Ihre gegenseitige Liebe verbunden und Ihre Beziehung hat auch bereits die ersten Bewährungsproben gut überstanden. Sie verstehen sich, Sie passen zusammen, Sie sind sich einig – und wollen deshalb Ihren weiteren Lebensweg als verheiratetes Paar beschreiten. Wobei Sie natürlich wissen, dass auf diesem gemeinsamen Weg nicht nur Rosen blühen, sondern sich auch ein paar Dornen verbergen. Denn in allen Bereichen des Lebens gibt es nicht nur Hochs, sondern auch Tiefs. Und deshalb haben Sie sich vielleicht schon gefragt, was ein Paar machen kann, damit seine Ehe gut funktioniert, damit die Beziehung glücklich wird und bleibt. Denn wir können ja nicht damit rechnen, dass sich alles ganz von allein zum Besten entwickelt. Antworten auf Fragen zur Ehe lassen sich heute an allen Ecken und Enden finden, schließlich leben wir in einer Zeit, in der es Ratgeber für alles und jeden gibt, vom Kochen über das Styling bis zu den intimsten Beziehungsproblemen. Doch wie wirkungsvoll oder wie allgemein gültig sind eigentlich solche Ratschläge? Mario Adorf, der seit vielen Jahren glücklich verheiratete Schauspieler, hat dazu seine ganz eigene Ansicht, und sein Eherezept möchte ich Ihnen heute mit auf den Weg geben. Es lautet: Es gibt kein Rezept für eine glückliche, funktionierende Ehe. Nur einfach Liebe. Also kein Rezept, kein: Schlag nach bei Shakespeare oder wem auch immer? Aber das versteht sich eigentlich ganz von selbst. Denn Menschen sind verschieden, und in einer Ehe treffen immer zwei Individuen aufeinander, die ein Paar mit jeweils eigenen Ansprüchen und Auffassungen bilden. Das ist heute vielleicht noch ausgeprägter als früher, da es kaum noch vorgegebene Rollenmuster für Ehemänner und Ehefrauen gibt. Es bleibt also jedem Paar überlassen, seinen eigenen Weg zum Glück zu finden beziehungsweise seinen eigenen Weg zu gehen, um eine stabile Beziehung zu entwickeln. Was soll ein Paar mit dem Rat, immer gleich über alles zu reden, wenn der eine Partner zu den Menschen gehört, die manches erst mal mit sich allein abmachen müssen? Oder was soll ein Paar mit dem Tipp, jeder sollte sich für alles, was der beziehungsweise die andere tut, interessieren, wenn es sich gar nicht verbergen lässt, dass Fußball oder Shopping oder Oper einem Partner überhaupt nicht liegen? Sicher gibt es ein paar Hinweise für eine funktionierende Ehe, die ganz brauchbar sind. Doch jedes Paar wird auf etwas anderes ansprechen und muss also selbst herausfinden, wie es sich sein Glück erhält. Und worauf es dabei ankommt, ist etwas ganz anderes, als sich Ehrerezepten entnehmen lässt. Das, worauf es ankommt, das ist die Grundstimmung der Ehe, das ist die gegenseitige Liebe. Diese Liebe schafft die Verbindung zum anderen und prägt die Beziehung. Dabei geht es um das Gefühl, zusammenzugehören und beim anderen gut aufgehoben zu sein; dabei geht es um die Gewissheit, miteinander durch dick und dünn zu gehen. Ist das vorhanden, dann werden zwei Menschen zusammenhalten, egal was kommt, dann kann ihnen nichts und niemand etwas anhaben. Dann sind zwei Menschen bereit, schöne wie traurige Momente zu teilen und in guten wie in schlechte Zeiten zusammenzubleiben. Und indem sie das tun, entwickeln sie eine stabile, eine gut funktionierende Ehe. Es wird manche Veränderungen geben im Laufe einer langen Partnerschaft durch neue Verpflichtungen oder neue Interessen. Doch wen beiden der jeweils andere und ihre Beziehung wichtig sind, dann wir es immer Liebe bleiben, die sie miteinander verbindet. Wir werden nun in kurzer Zeit bald Augen- und Ohrenzeuge werden, daß Sie sich beide dieser gemeinsamen Verantwortung freiwillig stellen und zum Ehebund bekennen wollen. Lassen Sie mich abschließend noch die Stützpfeiler – Verantwortung, Pflicht, Treue – näher definieren. Eine Verantwortung eingehen heißt, für jemanden immer da zu sein, für das Tun und Handeln des Partners bewusst mit ein zustehen. Die Verantwortung in der Ehe bedeutet von nun an aber nicht, dass die eigene “Selbstverantwortung” konkludent an den Partner übergeht. Bewahren Sie Ihre eigene Persönlichkeit in der Ehe und machen Sie diese zum Bestandteil Ihrer Partnerschaft. Ehe bedeute aber auch Pflichten zu übernehmen. Die Pflicht vielleicht gegenüber dem Partner, in allen Dingen des Lebens für ihn zu sorgen, ihn in Krankheit auch zu versorgen und ihm ein Partner mit Rat und Tat zu sein. Diese Pflicht sollte in vertretbaren Dosen verordnet werden. Bildlich orientieren wir uns hierbei am Gärtner, der seine Blumen pflegt und hegt, düngt und gießt und das Maß an Zuwendung fürsorglich bestimmt. Ein zu starkes in die Pflicht nehmen, fordert den Umkehreffekt nahezu heraus. Ebner-Eschenbach definiert die Pflicht so: “Tue deine Pflicht so lange, bis sie deine Freude wird”. Selbstverständlich sind nicht alle Pflichten der freudigen Natur zuzuordnen. Doch bemühen und versuchen Sie sich daran und finden ein gesundes Maß der Selbsterfahrung. Die Partnerschaft wird dann fruchtbarer, akzeptabler und ertragreicher sein. Als letztes Element möchte ich noch die Treue ansprechen. Treue in der Liebe. Herder stellt fest: “der Liebe ist treu sein die schönste Pflicht”. Treue heißt, in allen Dingen des Lebens dem Partner mit offenen Ohren und Herzen zu begegnen, Entscheidungen des gemeinsamen Lebensweges vorzubereiten und im Grunde seiner Persönlichkeitsstruktur immer offen zueinander zu sein, offen miteinander zu reden und offen aufeinander zuzugehen. Um Ihre Ehe nun zu schließen, bitte ich Sie und Ihre Trauzeugen sich von den Plätzen zu erheben.

 
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