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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (856)

Liebes Brautpaar, sehr geehrte Gäste, Herzlich willkommen im Sitzungs- und mittlerweile auch Trausaal der Gemeinde ......... Ich möchte mich selbst kurz vorstellen. Mein Name ist, ich bin seit dem Jahr 2005 Standesbeamtin der Gemeinde ...... und arbeite schon seit über 20 Jahren auf dem Rathaus. Sie beide waren schon im März 2011 bei mir auf dem Standesamt, um Ihre Eheschließung anzumelden. Die Unterlagen habe ich geprüft und konnte schnell feststellen , dass einer Eheschließung nichts im Wege steht. Haben sich seit der Anmeldung der Eheschließung Änderungen ergeben ???? Bei der Anmeldung der Eheschließung haben Sie bereits eine Erklärung zur Namensführung in der Ehe abgegeben. Sie haben sich für den Geburtsnamen des Mannes „…“ als Ehenamen entschieden. Sind diese Angaben so richtig ???? Bevor ich zum eigentlichen Teil der Eheschließung komme, möchte ich ein paar persönliche Worte an Sie richten. Sie beide haben sich entschlossen, Ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen, und wollen dies heute besiegeln. Gibt es einen unfehlbaren Tipp, wie man eine glückliche Ehe führt ??? Gerne würde ich Ihnen ja mit dem Trauschein auch den unfehlbaren Tipp überreichen, wie man eine glückliche Ehe führt. Doch dass es den nicht gibt, das wissen wir wohl alle. Mit Ratschlägen und Rezepten ist das so eine Sache: Was dem einen gut tut, geht beim anderen daneben. Jedes Paar ist eben anders, jedes Paar hat seine ganz individuellen Vorstellungen und Ziele für die Ehe. Jedes Paar braucht mehr oder weniger lang, sich für die Ehe zu entscheiden. Doch da sich die wahre Meisterschaft – nicht nur beim Kochen – darin zeigt, ein vorgegebenes Rezept gekonnt abzuwandeln und eine neue Kreation zu schaffen, will ich es dennoch wagen, Ihnen heute ein Eherezept mit auf den Weg zu geben. Ein Eherezept, gar nicht so einfach ! Ein Backrezept wäre da schon einfacher. Wie backe ich mir den idealen Partner ?? Das Rezept stammt von Karl May, der durch seine Abenteuerromane berühmt wurde, offenbar aber auch eine gute Ehe führte, und es lautet: Drei Pfund Liebe, etwas Glück, Toleranz ein gutes Stück, Paprika und Frohsinn mischen, etwas Pfeffer gib dazwischen, Treue rühre noch hinein, und die Eh‘ wird glücklich sein. Dass die gegenseitige Zuneigung an erster Stelle steht, ist kein Wunder: Ist es doch die Liebe, die zwei Menschen zusammenführt und dazu bewegt, sich aufeinander einzulassen und aneinander festzuhalten, selbst wenn trübe Stunden kommen. Wahrscheinlich wird die Liebe sich im Laufe eines langen gemeinsamen Lebens verändern, doch es wird immer Zuneigung sein, die den Grundtenor einer Beziehung bildet. Von daher ist jedes gute Eherezept auch ein Rezept, sich die Liebe zu erhalten. Auf die Liebe folgt in dem sinnigen Ehespruch das Glück – das Quäntchen Glück, das wir überall im Leben brauchen, damit etwas richtig gut gelingt. Aber Glück haben allein macht noch keine glückliche Ehe – vieles liegt, zum Glück, auch an den Eheleuten selbst. Denn eine Ehe wird glücken, wenn beide etwas für ihr Glück tun. Wenn sie die Ehe nicht bloß hinnehmen, sondern sich ihrer annehmen, wenn sie sich aufeinander verlassen können und Verständnis füreinander haben. Viel Toleranz brauchen beide, hieß es deshalb in dem Spruch; Toleranz für die Eigenheiten des anderen, Toleranz für seine Vorstellungen, Interessen und Überzeugungen, die vielleicht von den eigenen abweichen. Wir sollten den anderen schon so nehmen, wie er ist, und versuchen, ihn zu verstehen, wenn wir uns auf einen gemeinsamen Weg begeben wollen. Und beide werden sich des Weiteren darüber verständigen, wie dieser gemeinsame Weg aussehen soll. Das wird nicht immer ohne Konflikte abgehen, doch Auseinandersetzungen reinigen die Atmosphäre, und ein Paar sollte nicht davor zurückschrecken, strittige Punkte durchzusprechen. Um dann eine Lösung zu finden, helfen auch hier Verständnis und Kompromissbereitschaft. Und selbstredend Humor, also die Fähigkeit, die Dinge nicht so schwer zu nehmen, auch über sich selbst lachen und dem Leben die heiteren Seiten abgewinnen zu können. Miteinander zu lachen verbindet zwei Menschen genauso wie sich zusammen über etwas zu freuen. Ein bisschen Fröhlichkeit ist nicht das schlechteste Mittel, dem Alltagsstress zu entkommen. Um dem Alltagstrott und eingefahrenen Bahnen zu entgehen, braucht eine Ehe manchmal auch wieder etwas Würze. Ein neuer Schub oder ein neues Ziel tun Wunder, damit die Gefühle wieder aufleben oder die Ehe eine neue Richtung bekommt. Und dann werden beide sich wieder deutlich bewusst, was sie aneinander haben. Denn in einer funktionierenden Ehe haben sich beide ja viel zu geben. Es bedeutet nicht nur Glück, sondern auch emotionalen Rückhalt, jemanden zu haben, auf den man sich verlassen kann und der einem treu zur Seite steht. Denn Trauung hat auch etwas mit sich trauen und sich vertrauen zu tun. Vor allem, wenn es für einen nicht so gut läuft, ist es hilfreich, dass der andere zu einem hält, einen unterstützt und alles gemeinsam mit einem durchsteht. Sich zusammen auf einen gemeinsamen Weg zu begeben heißt ja, nicht nur gemeinsam auf den Höhenpfaden zu wandeln, sondern auch zusammen die dornigen Pfade zu überwinden. Und wenn zwei Menschen sich zusammen daransetzen, ein Problem zu bewältigen, dann fällt es ihnen auch leichter, den Konflikt durchzustehen und eine Lösung zu finden. So wie auch jedem Einzelnen der beiden schon das Wissen hilft, nicht allein dazustehen. Und ebenso viel hat die Gemeinsamkeit im gegenteiligen Fall für sich: Auch schöne Stunden machen mehr Spaß, wenn man sie zu zweit erlebt. Was das Leben auch bringen mag, Sie werden es zusammen erleben und gemeinsam versuchen, aus allem das Beste zu machen. Und dieses Miteinander ist wohl das beste Rezept für eine Ehe. Zum Schluss möchte ich Ihnen noch ein Zitat von Friedrich Rückert mit auf den Weg geben. Es steht in einem Buch, das Sie nachher als kleine Aufmerksamkeit überreicht bekommen. Du hattest kein Glück, und ich hatte keins; wir nahmen einander, nun haben wir eins. Wo haben wir es denn hergenommen ? Es ist vom Himmel auf uns gekommen. Nun ist also der lang ersehnte, feierliche Moment gekommen, wo Sie durch Ihre Ja-Worte die Ehe schließen können. Ich möchte Sie dazu bitten, aufzustehen. Tausch der Eheringe. Ein Ring steht sinnbildlich für die Treue und Beständigkeit der ehelichen Bindung. Denn so wie der Ring keinen Anfang und kein Ende hat, so soll die Beziehung des Paares ewig währen. Der Brauch, den Trauring am nach ihm benannten Ringfinger zu tragen, hat sich bis heute erhalten. Sie können sich nun Ihre Ringe anstecken, die auch heute immer noch ein Symbol dafür sind, dass Sie nunmehr fest verbundene Ehegatten sind.

 
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