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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (74)
Zeit haben, heißt wissen, wofür man Zeit haben will und wofür nicht.

Sehr geehrte Hochzeitsgäste,
ich darf Sie als Standesbeamter zur Eheschließung der Brautleute

Musterfrau und Mustermann

herzlich begrüßen.

Ein ganz besonderer Gruß gilt natürlich Euch, dem Brautpaar VN und VN.

Liebes Brautpaar,

ihr oder der eine oder andere Hochzeitsgast wird sich vielleicht ein bißchen über meine Einleitung gewundert haben.

Zeit haben, heisst wissen, wofür man Zeit haben will und wofür nicht. Nein es war kein Versehen. Ich habe diesen Gedanken ganz bewußt am Anfang der heutigen Trauung gestellt und zwar aus folgendem Grund:

Wenn ich so in die Runde blicke, dann kann ich feststellen, dass sich eine große Zahl an Hochzeitsgästen eingefunden hat um mit Euch diesen schönen Festtag zu feiern. Sie haben sich die Zeit genommen und Eure Hochzeit als erste Priorität gewählt. Sie haben sich mit Sicherheit Gedanken gemacht, wie sie Eurer Fest in irgend einer Form mit gestalten können.

Vor allem Ihr selbst habt wochen- und wahrscheinlich monatelang intensiv an den Vorbereitungen für den heutigen Tag gearbeitet und Euch die Zeit genommen, einen wirklich wunderschönen Rahmen zu schaffen.

Es muss doch etwas ganz besonderes sein, was einem so viel Zeit wert ist. Und es ist auch etwas Besonderes. Eure heutige Eheschließung ist ein Tag, der sich durch große Freude aus den übrigen Tagen abhebt. Ihr habt ja in Euerem Leben schon einige ganz besonders schöne Tage erleben dürfen.

Ich denke da im Besonderen an Euren Maturaabschluß, an Deinen ersten Arbeitstag in der Bank, an Deinen Beginn des Studium usw.

Heute ist eben wieder ein besonderer Tag. Ein Tag, an dem Ihr Euch ganz offiziell vor Gott, vor dem Staat, vor den Eltern, den Geschwistern und Euren vielen Freunden füreinander bekennt;
wo Ihr Euch Euer Ja-Wort gebt.

Es ist erfreulich, dass Ihr Euch zu diesem wohl überlegten Schritt entschlossen habt und ganz bewußt die Ehe miteinander eingehen wollt mit allen Konsequenzen, die zum Teil im Ehegesetz geregelt sind.

Manches läßt sich gesetzlich regeln, aber eine gute Ehe erfordert mehr als die Einhaltung gesetzlicher Normen.

Hier braucht man Verständnis, Einfühlungsvermögen, Rücksicht und Liebe zueinander.
Das Wort Liebe ist eines der meist mißbrauchten Wörter, obwohl es eines der wichtigsten in unserem Sprachgebrauch ist.

Ein liebender Mensch stellt nicht sein eigenes ICH in den Mittelpunkt. Er versucht immer vom Partner aus zu denken, sich in ihm hinein zu fühlen, von seinen Interessen aus Entscheidungen zu fällen. Er versucht also immer, sich in die Position des anderen hinein zu versetzen unter dem Leitgedanken:
Du bist mir soviel wert, daß ich zu allem Guten bereit bin, um dich glücklich zu machen.

Liebe verlangt Denken
Das klingt aufs erste ungewohnt. Man würde eher erwarten: Liebe ist ein herrliches Gefühl! Gewiß, das stimmt auch. Aber ist sie nur Gefühl?
Wer lieben will, muss bedenken, dass er sich damit auf einen anderen Menschen einstllt, das heisst also auf eine Person, die anders ist als er selbst.

Liebe verzeiht
Es sind meistens Kleinigkeiten, die einem auf die Nerven gehen. Eigenarten und Gewohnheiten des Partners, die man einfach nicht mag. Hier ist ein wichtiger Test für die geistige Größe eines verheirateten Menschen:
Ob man fähig wird, dem Partner sein Anderssein zu verzeihen oder einfach anzunehmen.
In einer Ehe kann es auch schwere Krisen geben, in den die Liebe gefordert ist und oft nur durch sie bewältigt werden können.

Liebe baut kein Gefängnis.
Die Ehe ist zwar eine Institution, und das gültige Ja-Wort bringt ganz bestimmte Pflichten mit sich. Damit ist aber noch keine Garantie für eine ständige Zuneigung gegeben. Die kann nie erzwungen bzw. "verordnet" werden. Sie kann sich nur in Freiheit entfalten. Das heisst mit anderen Worten, dass auch in der Ehe die eigenständige Persönlichkeit des Partners respektiert werden muss.

Liebe braucht das Gespräch.
In vielen Familien entwickelt sich nach einigen Jahren der Brauch, das der Mann seine Frau "Mama", und sie ihn ganz unbefangen "Papa" nennt. Das ist Geschmacksache. Aber Eheleute dürfen nicht ganz in ihrer Elternrolle aufgehen. Sie sollten immer bedenken, dass sie nur für eine begrenzte Zeit Familie haben.
Die Kinder werden eines Tages aus dem Haus gehen und ein eigenes Leben aufbauen. Was bleibt, ist die Ehe.
Wenn die Gatten auch in der letzten Phase ihres Lebens miteinander glücklich sein wollen, dürfen sie es nicht versäumen, in den mittleren Jahren des Lebens eine echte Freundschaft aufzubauen. Sie sollten wie Freunde werden, die einander alles sagen können. Dazu braucht man das Gespräch.

Eine notwendige Voraussetzung für die vertiefte geistige Einheit ist schließlich auch das gegenseitige Vertrauen. Dem Partner muss ständig neu bewiesen werden, dass er alles - auch scheinbar unvernünftige Gedanken - äußern kann und immer Verständnis findet.

In mir keimt jetzt der nicht unvernünftige Gedanke, die Trauung vorzunehmen und ich bitte Euch und die Trauzeugen, sich von den Plätzen zu erheben.

Ich möchte nun an Euch, geschätztes Brautpaar eine Frage richten, die Euer zukünftiges Leben einschließt. Eine Frage, die Ihr nicht nur mit den Lippen, sondern auch mit dem Herzen beantworten sollt.


So frage ich Dich, geschätzter Bräutigam:

Ist es Dein freier, ungezwungener Wille, mit Deiner hier anwesenden Braut,

Frau NN

die Ehe zu schließen und Ihr die Treue zu halten, dann antworte bitte mit einem deutlichen Ja.

Desgleichen richte ich auch an Dich, geehrte Braut die Frage:

Ist es ebenfalls Dein freier, ungezwungener Wille, mit Deinem hier anwesenden Bräutigam,

Herrn NN

die Ehe zu schließen und ihm die Treue zu halten, dann sprich auch Du bitte ein deutliches Ja.

Nachdem Ihr Euch nun das gegenseitige Ja-Wort gegeben habt, spreche ich aus, daß Ihr nunmehr rechtmäßig verbundene Eheleute seid.


Ringwechsel


Die Ringe, die Ihr nun getauscht habt sind Sinnbild des in sich Geschlossenen, der Einheit und der Treue. Sie haben keinen Anfang und kein Ende und können ohne Gewalt nicht getrennt werden. Und so soll es auch in Eurer Ehe sein.

Ich bitte Euch, nun wieder Platz zu nehmen.

Für Euch, für eure Nachfahren und zum Beweis für jedermann, daß ihr heute geheiratet habt, wurde dieses feierliche Versprechen in das Ehebuch eingetragen. Ich werde euch nun diese Urkunde vorlesen und euch und die Trauzeugen zur Unterschrift zu mir bitten.

Hochgeschätztes Brautpaar!

Ihr seid und Mann und Frau und wir freuen uns, daß Ihr Euer nun gemeinsames Glück hier in unserer Gemeinde Blindenmarkt begonnen habt und es in Eurer schönen neuen Wohnung auch fortführen wollt. Ich wünsche Euch, daß es für Euch beide der Start für ein wunderbares und erfülltes Eheleben ist.

Ihr werdet anschließend viele Glückwünsche erhalten. Ich möchte Euch zu Eurem heutigen Anlass auch einiges wünschen:

In Eurer Ehe soll es keinen Tag geben, an dem Ihr sagen müsst:
Damals haben wir uns geliebt, heute ist die Liebe gestorben.
Kein Tag, an dem ihr sagt:
Wir haben keine Freunde, die uns verstehen, die mit uns sprechen,
die uns zuhören, die uns helfen, die mit uns leiden, die sich mit uns freuen.
Kein Tag, an dem ihr sagt:
Ich bin so allein, Du bist mir so fremd.
Ihr möget einander Gutes tun, Ihr möget einander trösten und verzeihen,
Ihr sollt Pläne schmieden, und Eure Sehnsüchte mögen sich erfüllen.
Die Tür Eurer Wohnung möge offen sein für Menschen,
die Euch wichtig sind und denen Ihr wichtig seid,
die Rat geben und denen Ihr raten könnt.
Eure Ehe bleibe spannend, und Ihr möget alle Spannungen aushalten.
Eure Ehe bleibe glücklich, indem Ihr Eurer Treue traut, euch in der Treue Gottes aufgehoben wisst.
Dann wird für Euch und für Andere Eure Ehe ein Zeichen der Hoffnung und des Mutes.

Und dies wünsche ich Euch von ganzen Herzen.


 
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