logout
TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (862)

Der Liedermacher Reinhard Mey schrieb in seinen Texten: Die Liebe ist ein persönliches Erdbeben, Sturmflut, Weltuntergang und Urknall zugleich. Sie ist die Kraft, die unser Lebensgefüge aus den Fugen bringt, der Sprengstoff, der uns unvermittelt aus unseren Gewohnheiten herausbricht. Liebe lässt uns die selbstlosesten Opfer bringen und manchmal die abscheulichsten Schandtaten begehen. Liebe gedeiht nur in Freiheit, eingezäunt muss sie verkümmern. Liebe ist immer freiwillig. Sie lässt sich nicht erzwingen, nicht erbitten, sie wird uns geschenkt oder versagt und wir können es nicht ändern. ... Und wenn wir alle Geheimnisse des Universums entdeckt und alle Wunder erklärt haben, bleibt die Liebe der letzte geheime Code, den wir nicht entziffern werden. Die Begegnung mit der Liebe trifft mitten ins Herz und verändert unser Leben auf wunderbare Weise. Die gemeinsam verbrachten Stunden vergehen wie im Flug und werden als eins erlebt. Man teilt alle Empfindungen miteinander und alles erlebte gewinnt an Bedeutung. Sie beide kennen sich nun seit 34 Jahren. Bereits damals als Sie beide noch die Schule besuchten, spürten Sie beim ersten Kennenlernen ein unsichtbares Band von gegenseitiger Zuneigung und Sympathie. Es war diese wunderschöne erste Jugendliebe, die man das ganze Leben nicht vergisst. Für eine feste und dauerhafte Beziehung aber sollten damals Ihre Gefühle noch nicht reichen. Und Ihre Wege trennten sich nach wundervollen Jahren wieder. Doch wie der Zufall so spielt – eines Tages, viele Jahre später und um einige Erfahrungen reicher standen Sie sich plötzlich wieder gegenüber. Sicher hatten Sie sich nie ganz vergessen, sonst hätten Sie sich nicht so schnell und so intensiv wieder aufeinander eingelassen. Nach ersten Fragen, wie es so geht, was man macht und in den letzten Jahren erlebt hat, kamen sogleich die Erinnerungen: Weißt du noch, damals ...? Und die gemeinsamen Erinnerungen riefen eine alte Vertrautheit wieder hervor... ... und die alten Gefühle – oder vielmehr auch neue Gefühle, intensivere, mit anderen Wünschen verbundene. So dass aus dem Vorsatz, sich nicht wieder aus den Augen zu verlieren, der Wunsch wurde, sich immer vor Augen zu haben. Damals konnte von Heirat noch keine Rede sein. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Sie haben sich wieder gefunden und wollen sich nicht noch einmal verlieren. Sie konnten an alte Gefühle anknüpfen, die neue Nahrung erhielten. Sie haben die tiefe Zuneigung und Liebe füreinander wieder entdeckt. Und mittlerweile wissen Sie auch, was Sie vom Leben wollen oder wen Sie suchen. Und nun endlich kann Ihre junge Liebe wachsen. Seit Januar 2008 gehen Sie Seite an Seite des geliebten Menschen. Nun scheint die Zeit reif für den gemeinsamen Weg. In der bisher gemeinsam verbrachten Zeit haben Sie festgestellt, dass Sie einander vertrauen können. Sie haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt und gemerkt, dass Sie gut harmonieren und einander sehr schätzen. Sie haben einen Menschen an der Seite, der Sie als ganze Persönlichkeit annimmt, der viele Bilder von Ihnen sieht, und nicht nur eine Momentaufnahme, der Ihre Entwicklung nachvollzieht, Ihnen Zuneigung, aber auch Achtung, entgegenbringt. Aber Sie haben natürlich auch unterschiedliche Interessen und gegensätzliche Eigenschaften am anderen gefunden. Doch Sie haben beide die notwendige Toleranz mitgebracht, um die Eigenheiten die Ecken und Kanten des anderen zu akzeptieren. Sie haben verstanden, dass man alle Eigenschaften sehen muss, um die Einzigartigkeit eines Menschen zu erkennen, und dass gerade auch die Unterschiede zwischen zwei Liebenden die Beziehung spannend und interessant gestalten. Die Liebe sorgt am Anfang einer Beziehung für das berühmte Kribbeln im Bauch, sie schenkt ein Gefühl der Geborgenheit, und sie entwickelt sich im Lauf der Jahre zu einer Empfindung tiefer Zusammengehörigkeit. Ihre Liebe gibt Ihnen beiden die Gewissheit, stets füreinander da zu sein. Wer sich liebt, ist bereit, in allen Phasen des Lebens zueinander zu halten sowie Freude und Leid miteinander zu teilen. In schönen Zeiten spürt man die Liebe ohnehin, in traurigen Zeiten hingegen fühlt man sich leicht missverstanden oder gar verloren. Doch dann reicht oftmals schon eine kleine Geste, ein liebevoller Blick, eine Umarmung, um dem Partner oder der Partnerin zu zeigen: Ich halte zu dir, du kannst dich auf mich verlassen. Lieben heißt auch, Fehler zu verzeihen, den anderen mit allen seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Lieben heißt, die Wünsche und Bedürfnisse des anderen zu erkennen und ihnen entgegenzukommen. Der argentinische Autor Jorge Bucay hat in einem seiner schönsten Texte - „Ich will“ - die ideale Einstellung zur Liebe folgendermaßen formuliert: Ich will, dass Du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen; Ich will, dass Du mir Deine Meinung sagst, ohne mir Ratschläge zu erteilen; Ich will, dass Du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten; Ich will, dass Du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden; Ich will, dass Du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken; Ich will, dass Du mich siehst, ohne Dich in mir zu sehen; Ich will, dass Du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben; Ich will, dass Du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen; Ich will, dass Du mich hältst, ohne mich festzuhalten; Ich will, dass Du mich beschützt, aufrichtig; Ich will, dass Du Dich näherst, doch nicht als Eindringling; Ich will, dass Du all das kennst, was Dir an mir mißfällt, dass Du es akzeptierst, versuch es nicht zu ändern; Ich will, daß Du weißt, dass Du ab heute auf mich zählen kannst. BEDINGUNGSLOS. Liebe heißt, an sich und an der Partnerschaft zu arbeiten und immer wieder einen neuen Anfang zu wagen. So wie Sie es heute tun. Denn aus Liebe haben Sie sich entschieden, einen neuen Weg in Ihrem Leben einzuschlagen, einen Weg, den Sie gemeinsam beschreiten wollen. Und so sehr sich Ihre Liebe im Lauf der Jahre auch wandeln mag, sie wird doch immer die Basis für eine harmonische Ehe sein. Denn mit Ihrem heutigen Ja-Wort versprechen Sie „Ich will dir das Beste von dem geben was ich bin und von dem was ich sein werde !“

 
zurück zur Übersicht