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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (885)

Sehr geehrte Frau, sehr geehrter Herr Ich begrüße Sie, Ihre Trauzeugen und Hochzeitsgäste ganz herzlich hier im Trauzimmer der Gemeinde ...... Es ist ein bedeutsamer und feierlicher Anlass, der Sie heute hierher führt und ich freue mich, dass ich Sie ein kleines, dennoch bedeutsames Stück auf Ihrem gemeinsamen Lebensweg begleiteten darf. Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist und ich bin eine von vier Standesbeamtinnen bei der Gemeinde ....... Ich bin selbst verheiratet und habe zwei Kinder. Sie haben Ihre Eheschließung ordnungsgemäß im Standesamt ..... angemeldet. Hinderungsgründe, die gegen eine Eheschließung sprechen könnten, sind von mir nicht festgestellt worden. Somit steht Ihrer heutigen standesamtlichen Trauung rechtlich nichts im Wege. Sie beiden wollen heute heiraten und künftig ihren Lebensweg gemeinsam gehen. Erlauben Sie mir einige persönliche Worte, die Ihnen aus ihrer standesamtlichen Trauung im Gedächtnis bleiben mögen. Friedrich Nietzsche hat einmal dem Sinne nach geschrieben: Man solle sich bei der Eingehung der Ehe die Frage stellen, ob man glaubt, sich mit dem Partner bis ins Alter hinein gut unterhalten zu können, denn die meiste Zeit in der Ehe gehöre dem Gespräch an. Eine ziemlich unsentimentale, aber auch hilfreiche Betrachtungsweise! Sie Beide werden, wie alle Eheleute, gute und auch schlechte Zeiten miteinander erleben. Aber Sie werden immer die Chance haben, miteinander zu reden. Und dieses „miteinander-reden“ ist an den weniger guten Tagen noch viel wichtiger als an den guten Tagen. Reden Sie – über das, was Sie erfreut, aber auch über das, was Sie bedrückt oder bekümmert. Nehmen Sie aufgeschlossen teil an dem, was den anderen berührt oder begeistert, an seinen beruflichen Problemen, Sorgen und Erfolgen ebenso wie an seinen Hobbyfreuden. Haben Sie ein Ohr für Ihre Alltagsprobleme. Lassen Sie es nie zur Sprachlosigkeit in Ihrer Ehe kommen. Wichtig ist aber auch, dass Sie einander zuhören. Curt Goetz hat dazu einmal gesagt: „Die meisten Differenzen in der Ehe beginnen damit, dass eine Frau zuviel redet und ein Mann zuwenig zuhört.“ Versuchen Sie ein gutes Gleichgewicht zu finden: Jeder sollte mit dem anderen reden, aber ihm auch richtig zuhören. Denn dann wird es Ihnen gelingen, sich auch ohne Worte zu verstehen. Ich wünsche Ihnen für Ihre gemeinsame Zukunft, dass Sie immer miteinander im Gespräch bleiben, aber sich auch immer ohne Worte verstehen werden. Es wird Zeiten geben, in denen Sie sich ansehen werden, und der eine wissen wird, dass der andere jetzt gerne ein Lächeln sehen oder Zärtlichkeit spüren würde, damit er sich ihm öffnen, ja anvertrauen kann. Lassen Sie solche Gelegenheiten nicht ungenutzt, denn das Paradies pflegt man bekanntlich erst als solches zu erkennen, wenn man aus ihm vertrieben worden ist. Denken Sie immer daran: Im Endeffekt gewinnt doch derjenige, der lieben, dulden und verzeihen kann, und nicht der, der besser weiß und aburteilt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich in der Partnerschaft unterordnen und völlig selbst aufgeben soll. Zeigen Sie Ihrem Partner Ihre Gefühle und Stimmungen. Seien Sie ruhig auch mal der Sand im Getriebe Ihrer zukünftigen Ehe. Dies wird dem Partner anzeigen, dass man eine Persönlichkeit mit Ecken und Kannten ist und dass man manchmal seinen Freiraum braucht. Liebe fordert das Loslassen, nicht das Besitzen wollen. Es ist Hingabe gefordert, nicht völlige Selbstaufgabe. Das Ziel der Liebe und Ehe ist es, einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen und ehren zu lernen, was er ist: nämlich des anderen Gegenstück und Ergänzung. Und wenn Sie trotzdem manchmal Zweifel und Bedenken haben, dann denken Sie an die schönen und glücklichen Augenblicke Ihrer Liebe. Denn das wesentliche sieht man nur mit dem Herzen. Wenn Sie sich gleich gegenseitig das Ja-Wort zum gemeinsamen Eheleben geben, so sollte dieses Ja-Wort stellvertretend stehen für: Ja- Ich will wachen, wenn Du müde bist. Ich will erinnern, wenn Du vergisst. Ich will schweigen, wenn Du Recht hast. Ich will sprechen, wenn Du irrst. Ich will voran gehen, wenn Du zögerst. Ich will stark sein, wenn Du versagst. Ich will gehen, wenn Du alleine sein musst. Aber ich werde immer da sein, wenn Du mich brauchst. Einen Menschen lieben heißt einwilligen. Keine leichte Aufgabe, eher eine große Herausforderung. Ich glaube, Ihnen ist bewusst, dass Sie sichzusammen entwickeln, wachsen und reifen müssen. Jeder verändert sich durch seine Erfahrung auf gewisse Weise weiter. Ziel wird sein, sich gegenseitig zu unterstützen, zusammen die Gegenwart zu gestalten und die Zukunft zu planen. Schauen Sie über die kleinen Fehler des anderen hinweg, denn wer den anderen liebt, liebt ihn so wie er ist, wie er gewesen ist und wie der andere sein wird. Das rechte Gefühl für den Anderen und den Anderen mit dem Herzen zu sehen, die Zufriedenheit mit dem, was Sie sich gemeinsam in der Ehe erarbeiten, sowie geduldiges und gefühlvolles Eingehen auf die Belange des Ehepartners wünsche ich Ihnen für Ihr weiteres gemeinsames Leben. Dann werden Sie sich immer gerne an den heutigen Tag zurückerinnern, an dem Sie sich nun durch das gegenseitige, uneingeschränkte Ja-Wort die Ehe versprechen wollen. Nun möchte ich meine Rede schließen mit einem schönen Zitat: Entscheidend für eine Ehe ist nicht nur den richtigen Partner zu finden, sondern auch selbst der richtige Partner zu sein.

 
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