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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (887)

Sehr geehrte Frau , sehr geehrter Herr , und sehr geehrte Hochzeitsgäste, ich begrüße Sie recht herzlich hier im Trausaal der Stadt ! Es ist für mich eine besondere Freude, bei Ihrer heutigen Eheschließung mitzuwirken. Sie sind heute hierher gekommen um nach außen hin zu vollenden, was Sie sich einander bestimmt schon längere Zeit insgeheim versprochen haben. Sie wollen heute eindeutig und offiziell dokumentieren lassen, dass Sie als Paar verbunden sind, dass Sie beide zusammengehören. Dieser offizielle Schritt ist sehr wichtig. Er unterstreicht vor der Gesellschaft, in der wir leben und vor dem Recht, das uns gegeben ist, wie viel Sie einander bedeuten. Doch nun möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist X. Als Standesbeamtin der Stadt ist es meine Aufgabe, Ihren ganz persönlichen Entschluss zur Eheschließung zur Kenntnis zu nehmen, zu beurkunden und hier einen netten Rahmen zu schaffen. Aufgrund Ihrer Lebenserfahrung, dieser Jahre, die Sie mir voraus sind, fiel es mir nicht leicht, meine Gedanken anlässlich Ihrer Trauung in eine Rede zu formen. Ich kann Ihnen aber meine Aufrichtigkeit versichern und ich denke, Sie können es mir nachsehen, wenn ich mich mit den berühmten, wenn auch „gut gemeinten“ Ratschlägen doch besser zurückhalte. Amtlich betrachtet, schließen Sie heute einen Vertrag, der auf unbestimmte Zeit angelegt ist – einen Vertrag, der Rechte und Pflichten begründet, der aber auch persönliche Höhen und Tiefen beinhalten kann. Dies zu meistern wird Ihre gemeinsame Aufgabe sein. Ganz bewusst haben Sie die Lebensform mit Trauschein gewählt, weil Sie sich sagen: - Wir wollen zusammenbleiben. - Wir vertragen uns gut. - Wir wollen uns gegenseitig unterstützen und für einander da sein. Durch Ihre Lebenserfahrung sind Sie sich bewusst, wie wichtig es ist, die Wahl des Partners richtig getroffen zu haben. Sie wissen, dass Sie sich aufeinander verlassen können. - Sie bauen aufeinander. Sie vertrauen einander. - Sie gehen zusammen durch „dick und dünn“. - Sie wissen: zusammen sind Sie nicht verlassen. Und dieses Wissen um Ihre gegenseitige Zuverlässigkeit hat Ihnen Liebe – und den Entschluss zur Ehe geweckt. Als ich mich auf Ihre Eheschließung vorbereitet habe, suchte ich lange nach den passenden I-Tüpfelchen. Etwas Besonderes sollte es sein, etwas Modernes, und natürlich auch etwas Persönliches. Es ist mir persönlich sehr wichtig, in der Traurede Vergleiche zu fassen, an denen sich die Brautleute vielleicht manchmal sogar orientieren – jedenfalls gerne daran zurückerinnern. Ihre heutige Eheschließung, verehrtes Brautpaar, möchte ich vergleichen mit einem Brückenbau und dementsprechend Ihre zukünftige Ehe mit einer Brücke. Denn das Bild von der Brücke ist, wie ich glaube, sehr aussagekräftig, wenn wir über die Beziehung zwischen zwei Menschen sprechen. Brücken werden über Flüsse, Ströme und Täler gebaut; sie überbrücken Hindernisse; Brücken verbinden die getrennten Ufer der Flüsse; sie vereinen trennende Täler; sie verbinden, was getrennt, was entfernt voreinander ist. Getrenntes rückt näher zusammen, wird enger verbunden. Aus der Entfernung wird Nähe, ohne dass das Eigenständige aufgehoben wird. Somit ist die Eheschließung eine Brücke zwischen zwei eigenständigen Menschen, die vorher getrennt waren und sich durch die Eheschließung eng aneinander binden. Denn zunächst einmal müssen zwei Menschen, die sich kennen lernen, einen Draht zueinander finden. Sie sind sich noch fremd, wissen kaum etwas voreinander und werden sich in manchem unterscheiden. Auch zwei Menschen, die sich sehr schätzen oder sich ineinander verlieben, sind schließlich verschieden und blicken auf unterschiedliche Lebensläufe zurück. So bleiben Menschen; wie die Ränder der Flussufer; eigenständig in Ihrer individuellen Eigenart. Und gerade darin besteht das Besondere, das Spannende einer Brücke zwischen zwei Menschen. Sie bleiben in Ihrer Persönlichkeit einzigartig, aber ...aneinander gebunden und miteinander verbunden! Jede Brücke regt den gegenseitigen Austausch an; sie überwindet Hindernisse, verkürzt Wege und intensiviert das Hinüber und Herüber. …Getrenntes rückt zusammen… Die Verbindung wird enger, reger und intensiver. Was für die reale Brücke gilt, wird sich auch symbolisch in Ihrer Ehe verwirklichen. Ihr Ehebund wird zu einer Brücke zwischen Ihnen und damit zu einer bleibenden, lebendigen Verbindung, von der beide Seiten ungeahnte Vorteile haben. Große Brücken werden, je nach Länge, von einem oder mehreren Stützpfeilern getragen. Die Stützen in Ihrer Ehe sind Ihre gemeinsamen Interessen, Ihre Einstellung zum Leben und Ihre Wertorientierung. Je mehr Gemeinsames Sie verbindet, umso mehrspuriger bauen Sie die Brücke zwischen sich. Die Tragfähigkeit, die Stärke einer Brücke hängt von der Verankerung, der Stärke der Stützpfeiler und der Qualität des Baumaterials ab. …die Verankerung liegt in Ihnen beiden, liebes Brautpaar… Ihr Wille zur Ehe, das Ausstrecken auf den anderen hin, festigt die Brücke zwischen Ihnen. Wird dies jeden Tag erneuert, bricht die Verankerung nicht aus der Halterung. Sie selbst sind somit für die dauerhafte Haltbarkeit der Brücke die Garantie. Eine Brücke bereichert, sie erweitert, sie erschließt neue und unbekannte Horizonte. Ausflüge auf das andere Ufer, in eine andere Welt, geben ein neues Blickfeld frei, Ihre Brücke, verehrtes Brautpaar, - ermöglicht Ihnen Neues, Unbekanntes und Fremdes zu entdecken, zu verstehen und zu lieben - sie erweitert den Horizont - sie verbindet bleibend, was bisher getrennt war; Ihre Brücke schwankt nicht, ganz gleich, ob ein windstiller Sonnentag vor Ihnen liegt oder ein heftiger Sturm weht. Denn Ihre Brücke besteht aus gegenseitiger Zuneigung, aus Verständnis und Vertrauen zueinander, aus der Gewissheit, füreinander da zu sein. Ihre Gefühle füreinander und Ihre Bereitschaft, einander Halt zu geben, schaffen ein festes Fundament, um ein gemeinsames Leben aufzubauen. Sie sind die Basis, um zusammenzuhalten und immer wieder einen Weg zueinander zu finden. Denn in einer Ehe ist der gemeinsame Weg das, worauf es ankommt. Ich glaube, ich habe nun genug gesprochen. Ich möchte zum eigentlichen Teil der Trauung kommen, zu Ihrem Ja-Wort….

 
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