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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (79)
Zur standesamtlichen Eheschließung begrüße ich das Brautpaar Herr/Frau, die beiden Trau-zeugen Herr/Frau, sowie alle Verwandten und Gäste recht herzlich.

Liebes Brautpaar
Ihr beide wollt heute in den Stand der Ehe treten; Ihr seid nach reiflicher Überlegung fest entschlossen, euer Leben auf die Gemeinschaft auszurichten: gemeinsam wollt ihr das Leben meistern. Ich möchte euch zu diesem Entschluss meinen herzlichen Glückwunsch aussprechen und euch zu diesem Mut gratulieren.

Denn in der heutigen Zeit ist es nicht mehr so selbstverständlich zueinander JA zu sagen. Den die Ehe ist eine Lebensform, die auf Dauer angelegt ist und die zu etwas verpflichtet und diese Verpflichtung wollen viele nicht mehr eingehen. Die Grundlagen einer dauerhaften Beziehung sind zu-trauen, ver-trauen, Treue und sich trauen.

ZU-TRAU-EN heißt man muss seinem Partner die eigenen Gefühle, Interessen und Verhalten zumuten können
VER-TRAU-EN heißt man muss dem Partner vertrauen können. Ein offenes, ehrliches Gespräch schafft Vertrauen.
TREUE eine gelingende Beziehung braucht Treue. Treue bedeutet mehr als "nicht Fremd gehen". Treue heißt wir stehen zueinander, halten zueinander, lassen einander auch Freiraum für die persönliche Entfaltung. Treue kann jedoch nur erhalten bleiben, wenn ihr euch als Paar nicht im "sicheren Hafen" fühlt, sondern die Beziehung bewusst gestaltet.
Untreue beginnt schon dort, wo einem jemand, aber auch etwas z.B. Arbeit, Hobbys mehr bedeutet als die Beziehung. Wer ständig Angst haben muss, dass der Partner jemand Attraktiveren oder Liebevolleren findet, steht ständig unter dem Stress, entsprechen zu müssen und kann letztendlich nie er selber sein.
SICH TRAU-EN eine dauerhafte Liebesbeziehung braucht eine Entscheidung: "Ich bin dein Mann" - "ich bin deine Frau". Erst eine klare Entscheidung ermöglicht eine Weiterentwicklung in der Beziehung und eröffnet wieder neue Perspektiven und besonders auch eine Vertiefung der Beziehung

Die Heirat ist keine Absicherung für das Gelingen eurer Ehe. Sie drückt vielmehr aus, dass ihr Veränderungen und Krisen auf der Basis einer vertrauenden Beziehung bewältigen möchtet. Eine Ehe wird nicht wie man es im Volksmund sagt "geschlossen, sondern - eröffnet".

Ihr habt sicherlich beide das Gefühl, füreinander bestimmt zu sein und die Überzeugung, in eurem gemeinsamen Leben nicht nur gut miteinander auszukommen, sondern auch glücklich zu werden. Aber nur im Inneren, im Herzen des Menschen, ist Glück eigentlich wirklich spürbar und euer Ziel als junges Ehepaar soll es sein, dieses Glück in eurer Ehe zu erreichen.

Aber lasst euch nicht täuschen. Das so genannte Glück der Illustrierten ist etwas anderes als das, wovon hier gesprochen ist. Das Glück ist jedoch nicht automatisch gegeben mit dem Beginn der Ehe und ist auch keine Eintagsfliege, sondern der Mensch muss es sich in der An-strengung des Lebens erringen. Vergesst nicht, dass das dauerhafte Glück niemals erzwungen werden kann, sondern abhängig ist von der eigenen Anstrengung und dem freien Willen, das DU dem ICH voranzustellen.

Man braucht außerordentlich wenig dazu: Ein fröhliches Wort, eine Tat aus der Gesinnung der Zuneigung und Dankbarkeit, ein freundliches Dankeschön oder auch ein einfaches "Ich liebe Dich". Wir alle hier, die schon längere Zeit verheiratet sind, wissen wie leicht das zu vergessen ist.

Auch in eurer Beziehung wird es nicht ganz ohne Streit gehen, denn es kommt immer wieder vor das man nicht einer Meinung ist. Dann hat man oft das Gefühl, es tut sich ein tiefer Ab-grund auf und es gibt keinen Weg zur Versöhnung. Aber mit gutem Willen und was sehr wichtig in der Ehe ist, mit einem versöhnenden Gespräch kann man all diese Probleme beseitigen, denn je länger man schweigt, desto schwieriger wird es mit dem anderen wieder zu reden.
Geht nie im Streit auseinander, es kann soviel geschehen, dass man das im bösen gesagte vielleicht nie wieder gut machen kann.
Es kann nicht immer nur sonnige Zeiten geben, wie heißt es doch so schön - Wo viel Sonne ist, gibt es auch Schatten.
Der längste Weg wird um die Hälfte kürzer, wenn man sich entgegen geht. Bedenkt dass jede Stunde die ihr in Streit und Missgunst verbringt, eine unnötig verbrachte Stunde im Leben ist. Im Nachhinein denkt man sich dann, wie dumm man eigentlich war und wie viel schöne Zeit man damit vergeudet hat, die man doch gemeinsam hätte verbringen können.
Aber das kennt ihr sicher schon aus eurem bisherigen Zusammenleben.

Heute an eurem ersten Ehetag, seid ihr erfüllt von Freude, Optimismus und Glücksgefühlen. Aber diese Gefühle können nur Ausnahme- und keine Dauergefühle sein. Was jedoch den Alltag durchdringen kann, ist eine gleich bleibende Freundlichkeit im Umgang miteinander - denkt immer daran "Bitte" zu sagen.

Dieses kurze Wort bedeutet, dass ihr den Menschen nicht als selbstverständlich hinnehmt, sondern dass er euch zur Seite steht um zu helfen.
Bitte zu sagen ist auch ein Weg, den Menschen, den man liebt, zu respektieren und anzuerkennen, dass die Dinge die er uns gibt nicht immer leicht zu geben sind oder überhaupt Spaß machen.

Ich wünsche euch beiden viel Erfolg in eurem Beruf und Harmonie, nach der ihr euch sehnt. Aber das eine resultiert aus dem anderen, denn der berufliche Erfolg ist nur möglich, wenn die innere Ruhe im Herzen des Menschen vorhanden ist. Diese innere Ruhe aber bedarf eines echten Zugehörigkeitsgefühls, einer Heimat wo sich beide wohl fühlen können. In dieser Heimat - der Ehe - sollt ihr eure Kraft schöpfen können um wie es in Schiller's Glocke heißt - draußen im Leben bestehen zu können.

Wenn ihr im Anschluss nach eurem ja die Ringe wechseln werdet, wünsche ich euch dass ihr Symbolcharakter zum Zeichen eurer Lebensgemeinschaft wird, dass euch das Glück nicht durch die Hände gleitet und vor allem, dass in eurer Ehe allzeit die schönen und freudigen Ereignisse überwiegen.

Ihr werdet nun vor dem Gesetz die Ehe schließen, die Voraussetzungen für diese Ehe sind erfüllt und ich bin daher gerne bereit nun eure Erklärungen entgegenzunehmen, zu diesem Zweck bitte ich euch nun von den Plätzen zu erheben.

Konsensgespräch

Nachdem ihr beide soeben vor mir und euren Trauzeugen meine Frage übereinstimmend mit ja beantwortet habt, seid ihr fortan kraft Gesetzes rechtmäßig verbundene Eheleute.

Ich bitte euch nun, gegenseitig die Ringe anzustecken.

Für das Hochzeitsalbum fehlt jetzt eigentlich nur noch der Hochzeitskuss.

Aufgrund eurer Eheschließung wurde im Ehebuch unseres Standesamtes ein neuer Eintrag angelegt, denn ich euch nun auszugsweise vorlesen werde und den ihr und eure Trauzeugen im Anschluss mit der Unterschrift ergänzen sollt.


Liebe ., lieber ..,
mit eurem Ja und eurer Unterschrift habt ihr nun die Ehe geschlossen und besiegelt. Bleibt wie ihr seid, es soll keiner von euch versuchen den anderen total zu verändern, denn ein sol-cher Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Lebt euer gemeinsames Leben in echtem, wechselseitigem Vertrauen, lebt euer Leben in Zu-neigung und Dankbarkeit. Dankbarkeit euch selbst gegenüber, aber auch euren Freunden, Bekannten und Verwandten gegenüber.
Vergesst in der Ehe auch eure Freunde nicht. Wie häufig ist die Ehe das Ende für viele Freundschaften, dies scheint mir aber ein großer Fehler zu sein, weil man zu manchen Zeiten oft wirklich gute Freunde braucht und sich auf sie verlassen kann.

Mag dieser heutige Tag nicht allzu viel verändern, aber er ist doch eine entscheidende Wende in eurem Leben, schon alleine dadurch, dass ihr wenn ihr dieses Standesamt verlasst, nunmehr den gemeinsamen Familiennamen .. führt.

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein kurzes Gedicht vorlesen:

MEIN WUNSCH FÜR EUCH

Ich wünsche euch Augen, die die kleinen Dinge des Alltags
wahrnehmen und ins rechte Licht rücken;
ich wünsche euch Ohren, die die feinen Schwingungen und Untertöne im Gespräch mit dem anderen aufnehmen;
ich wünsche euch Hände, die nicht lange überlegen
ob sie helfen und gut sein sollen;
ich wünsche euch zur rechten Zeit das richtige Wort,
ich wünsche euch ein liebendes Herz, von dem ihr euch leiten lässt.


 
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