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TRAUUNGSREDEN
 
Trauungsrede: (924)

Ich begrüße Euch alle sehr herzlich zur standesamtlichen Eheschließung! Mein besonderer Gruß gilt natürlich dem Brautpaar. Daher heiße ich Dich, XXX, und Dich, XXX, sowie Eure Trauzeugen Herrn XXX und Herrn XXX willkommen. Ihr beide steht heute vor mir, dem Standesbeamten, um den Bund der Ehe zu schließen. Ich darf annehmen, dass Ihr Euch der Bedeutung dieses Tages und des Ernstes dieser Stunde bewusst seid. Mit der Eheschließung geht Ihr neue Rechtsverhältnisse ein, die Vorteile bringen aber auch Pflichten auferlegen. Denkt zum Beispiel an mancherlei Vergünstigung im Steuerrecht, weil die Ehe und Familie als besonders förderungswert angesehen werden. Nicht zu übersehen sind allerdings auch jene Forderungen, die der Staat an Eheleute im Blick auf groß zu erziehende und auszubildende Kinder stellt. Neben den gesetzlichen Regeln brauchen wir auch eigene, individuelle Regeln, die uns helfen unser gemeinsames Leben sinnvoll und dauerhaft zu gestalten. Hier meine ich jedoch nicht die tiefen Gefühle der Zuneigung und Liebe die Eheleute verbinden, denn diese Gefühle lassen sich zwar hegen und pflegen, aber bestimmt nicht steuern. Heute seid Ihr erfüllt von Freude, Optimismus und Glücksgefühlen. Aber diese Hochgefühle können nicht andauern. Was jedoch den Alltag, den gewöhnlichen Alltag durchdringen kann, ist eine gleichbleibende Freundlichkeit im Umgang miteinander, gleichgültig ob man selbst gerade schlecht oder gut gelaunt ist. Das Leben bekommt erst dann Sinn und Inhalt, wenn der Mensch eine Aufgabe hat, für die er lebt. Es gibt keine schönere Aufgabe, die für ihn so schön und beglückend ist, wie für einen lieben Menschen zu leben, für ihn zu sorgen oder einfach für ihn da zu sein. Jeder Mensch muss im Ablauf seines Lebens hin und wieder neu beginnen. In keiner Ehe fehlen Kummer, Sorgen und Leid. Ihr beide habt einander für das gemeinsame Leben gefunden und die Stunde ist gekommen, die wie so wenige Eure Zukunft entscheidet. Mit Eurem Ja-Wort vertraut Ihr einander Euer Lebensglück an und begründet die innigste Gemeinschaft, die zwischen zwei Menschen möglich ist. Ob Ihr glücklich werdet, hängt nicht so sehr von den Zeit- und Lebensverhältnissen, von Geld und Gut oder gar von den Mitmenschen ab, sondern vor allem davon, wie Ihr zueinander seid, wenn Eure Meinungen und Wünsche auseinandergehen oder Ärger und Verdruss die Stimmung trüben. Ein, wie ich finde, passendes Zitat lautet: „Eine Hochzeit ist ein Ereignis, aber eine gelungene Ehe ist eine Leistung!“ Somit wende ich mich den gesetzlichen Bestimmungen zu. Ich stelle fest, dass Ihr alle Voraussetzungen für das Zustandekommen einer rechtsgültigen Ehe erfüllt habt und ersuche Euch, sich zur Abgabe Eurer Erklärungen von den Plätzen zu erheben. Ich frage Dich XXX, willst Du aus eigenem und freiem Willen die Ehe mit XXX eingehen, dann antworte mit einem deutlichen JA. Und nun frage ich auch Dich XXX, willst Du aus eigenem und freiem Wille die Ehe mit XXX eingehen, dann antworte ebenfalls mit einem deutlichen JA. Nachdem Ihr nun vor Zeugen erklärt habt, die Ehe miteinander einzugehen, spreche ich aus, dass Ihr von nun an rechtmäßig verbundene Eheleute seid. Die Eheringe sind ein Symbol dafür, dass ihr auch als Ehepartner manchmal miteinander „ringen“ werden müsst. Das heißt: Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Auffassungen sollen in einem partnerorientierten Gespräch gelöst werden. Ich überreiche Euch nun die Ringe und bitte Euch, sie zum äußeren Zeichen Eurer Verbundenheit zu tauschen. Euer Versprechen, nunmehr in einer Gemeinschaft leben zu wollen, ist in diesem Ehebuch eingetragen. Die Urkunde will ich nun vorlesen und bitte Euch, nach der Verlesung Eure Unterschriften darunter zu setzen. Sehr geehrtes Ehepaar! Der gesetzlichen Vorschrift ist genüge getan, Ihr seid Ehemann und Ehefrau geworden. Ihr habt Euer Ja-Wort dem anderen gegeben und dafür ein ganzes Leben erhalten. Ja, ein ganzes Leben für ein kleines, unscheinbares und kurzes Wort. Aber nicht dieses Wort ist das Entscheidende, sondern die Überzeugung und der Wille, mit dem es ausgesprochen wurde. Ja, es muss gefüllt werden mit Eurer gegenseitigen Liebe und Achtung, mit der Bereitschaft, immer und überall für den anderen da zu sein. Liebe XXX, lieber XXX! Ein Grundsatz für Eure Ehe besteht möglicherweise darin, die persönliche Freiheit des Partners bzw. der Partnerin nicht einschränken zu wollen. Manche Menschen versuchen nämlich nach der Eheschließung, den anderen zu verändern und zu vereinnahmen. In diesem Zusammenhang ist, wie ich finde, folgendes Zitat passend: „Zuerst versuchen die Ehepartner sich gegenseitig zu verändern, und dann jammern sie, dass sie nicht mehr die alten sind.“ Ihr seid mit mir aber sicher einer Meinung, wenn ich sage: „Die Ehepartner sollen so bleiben, wie sie sind!“ Gerade die daraus resultierende Verschiedenheit, die Gegensätzlichkeit, führt letztlich zur Einheit; einer Einheit, in der jeder von Euch genügend persönlichen Freiraum hat. Diese Einstellung ist aber im Grund genommen nichts anderes als das, was ganz allgemein „Liebe“ genannt wird. Nämlich, wenn Ihr beide zueinander sagt: „Sei wie Du bist, dann ist alles gut!“ Die beiden Trauzeugen möchte ich bitten: „Kümmert Euch ein wenig um das Brautpaar und sorgt dafür, dass die beiden das, was am heutigen Tag begonnen wurde, mit Freuden weiterführen!“ Liebe XXX, lieber XXX! Ihr beide habt nun die Ehe geschlossen. Ich persönlich finde den Begriff \"schließen\" im Zusammenhang mit der Ehe gar nicht passend. Das klingt nach \"abgeschlossen\", \"fertig\", \"da braucht man nichts mehr dazu beitragen!\" Ihr beide wisst es sicher besser, und vor allem all jene, die heute mitgekommen sind und selbst verheiratet sind, werden das bestätigen können: Nämlich, es ist genau umgekehrt! Man muss ständig an der Partnerschaft arbeiten und immer etwas dazu beitragen! Deshalb meine ich, dass Ihr heute Eure Ehe \"eröffnet\" habt! Ich wünsche Euch daher, dass Ihr auch in späteren Jahren Eure Ehe täglich von neuem, so wie heute, mit Liebe eröffnet. Ganz egal welche Phase ihr im Leben gerade durchmacht, vergesst nicht, dass jede Beziehung von einem AUF und AB geprägt ist. Die Wurzel einer Partnerschaft ist einfach Zeit nehmen: • Zeit nehmen füreinander, • Zeit nehmen für wichtige Dinge und Entscheidungen im Leben, • Zeit nehmen für die alltäglichen Kleinigkeiten und das miteinander reden. Zum Abschluss trage ich Dir lieber Bräutigam noch einen Ausspruch von Alfred Hitchcock vor: „Richtig verheiratet ist erst der Mann, der jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat!“ In diesem Sinne schließe ich nun Eure Trauung, erinnert Euch immer wieder gerne an Euer heutiges Versprechen, nehmt die frohe Stimmung und die gute Laune des heutigen Tages mit auf Euren gemeinsamen Lebensweg und beginnt mit dieser Stunde eine gute, harmonische und vor allem glückliche Ehegemeinschaft.
 
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